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Der Israelit · 1898-07-07 · Heft 53 (7.7.1898) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 53 (7.7.1898)
Date
1898-07-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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976 Haltung bis zur Bekehrung Anderer zu treiben." Endlich erinnern wir Herrn Dr. A. an die Worte Mendelssohns in seinem Schreiben an Lavater: „Moses hat uns das Gesetz geboten, es ist ein Erbtheil der GemeindeJakob. Alle übrigen Völker der Erde, glauben wir, seien von Gott angewiesen worden, sich an das Gesetz der Natur und die Religion der Patriarchen zu halten. Die ihren Lebenswandel nach den Gesetzen dieser Religion der Natur und der Vernunft einrichten, werden tugendhafte Männer von anderen Nationen genannt, und diese sind Kinder der ewigen Seligkeit. Die Religion meiner Väter will nicht ausgebreitet sein. Wir sollen nicht Missionen nach beiden Indien oder nach Grönland senden, um diesen entfernten Völkern unsere Religion zu predigen." aä. 3 erinnern wir nur kurz an die Worte des Schulchan Aruch (Jore Deah 268, Abs. 1) nbnn 2"nbn,^. Handeln lasten in puncto Religion, hochverehrter Herr Dr., können wir nicht, wenn man unS auch den Vorwurf des Schacherns macht! Auch zur Außerkurssetzung des Schulchan Aruch sind wir keineswegs berechtigt! a<l 4 gilt eigentlich dasselbe. Wir wollen jedoch die Konsequenz aus Ihren Forderungen ziehen: Sie wollen mit andere Worten das Judenthum seines Judenthums berauben, eine Assimilation herbeiführen, indem man nach berühmten Mustern etwa Milah, Sabbat, Speise- und Ehegesetze aufgibt. Und was soll der Lohn dafür sein? Wir werden einige Proselyien erhallen! Wir danken für dies Danaergeschenk! Lieber den Zionismus und den Antisemitismus als Profelytenmacherei, so sehr dieselben in religiöser wie in staatsbürgerlicher Hinsicht uns ven größten Schaden zuzufügen, im Stande wären. Ueberlasten wir doch die Seelenfängerei jenen, die da glauben, daß sie andern mit Geld und guten Worten zuBekennern unseres Grundsatzes: „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst" (namc “pos 3. B. M. 18, 19) machen müßten, jenen, die eine» Mortarafall zu verzeichnen haben. W i r sehen noch vor unfern Augen die Rauchsäulen der flammenden Scheiterhaufen, wie die Gräuel der Inquisition, wir fühlen noch die Räder der Folter, die sich in unsere Leiber eingruben und werden deßhalb stets mit Gutzkow auSrufen: „Ein Volk, das selbst empfunden hat, wie weh die Knechtschaft thut, wird nie um eines Vorlheiles willen Brüder knechten." Ein Jude, selbst wenn er nicht orthodox ist, sollte niemals der Profelytenmacherei das Wort reden können. Die Wahrheit der Thora muß und wird sich Bahn brechen, auch ohne Mission wird das Wort Jesajas in Erfüllung gehen, pan o'Dpe ttb Bt» nsn. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. V. München, 4. Juli. Eine seit langer Zeit schwebende Angelegenheit hat in dieser Woche ihre für uns günstige Erledigung gefunden. Die Stadtgemeinde Hof hatte für das von ihr neugebaute Schlachthaus die Polizei-Verordnung erlassen, daß nur in diesem und nur nach vorhergehender Betäubung die Schlachthiere durch Blutenlziehung getötet werden dürfen; somit war das Schächten nach jüdischem Ritus dort verboten. Die Regierung in Bayreuth hat der diesbezüglichen Beschwerde der Israeliten in Hof nicht stattgegeben, und erst nach verschiedenen Verhandlungen traf endlich die Ministerial- Entscheidung ein, nach welcher in Hof die Einrichtung ermöglicht werden muß, daß die Israeliten das rituelle Schächten ausführen können. Um die juristische Bearbeitung hat sich besonders Herr Rechtsanwalt Ofner, erster Vorsteher der hiesigen Cultusgemeinde, bemüht, der im Verein mit Herrn Rabbiner Dr. Werner die Angelegenheit zu einem günstigen Resultate geführt und die drohende Gefahr im Keime erstickt hat. W. Ostrowo, 14. Juni. Der vor zwei Jahren für die Provinz Posen errichtete Synagogenverband hat dem Rabbiner Dr. Bamberge r—Schildberg die Jnspection über den noch einzuführenden Religionsunterricht für jüdische Kinder der Synagogengemeinden Aoelnau, Cobalegora, Sulmierzyee und Grabow übertragen. Wattdorf (Kreis Heidelberg), 4. Juli. Es dürfte Sie vielleicht die Mittheilung interessiren, daß Sr. Kgl. Hoheit Großherzog Friedrich von Baden bei einigen Knaben, die als siebente Söhne badischer Israeliten auf die Welt kamen, Pate ist. So übernahm S. K. H. im Jahre 1882 die Patenstelle bei der Geburt des siebenten Sohnes unseres hiesigen Mitbürgers Herrn Hopfenhändler Moses Klein und ließ den Eltern s. Z. ein Patengeschenk von Mark 30.— zugehen. Am 22. Mai d. I. fand in Walldorf eine Denkmal-Enthüllung unter Anwesenheit Sr. Kgl. Hoheit unseres Großherzogs statt. Unter anderen hiesigen Israeliten ließ sich unser geliebter Landesfürft auch sein hiesiges Pathenkind, den Gymnasiasten des Heidelberger Gymnasiums, Friedrich Klein vorstellen. erkundigte sich eingehend nach ihm sowie seinen Eltern, und bedauerte lebhaft, die Eltern desselben, welche an einem anderen Theile des Festplatzes standen, nicht sprechen gekonnt zu haben, er bat sein Patenkind, die „Ettern von ihrem Landesvater herzlichst zu grüßen."

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