Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 53 (7.7.1898)
- Date
- 1898-07-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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977 De ft er r.= Ungar. Monarchie. Gr. Prag. (Ein humanitäres 21 nerbtet e n.) Der Herr k. und k. Hauvtmann in der Reserve Karl Janouschkowec, Inhaber des behördl. bewilligten Bureaus für militärische Angelegenheiten in Prag lOö'O—II. hat der Prager israel. CultuS» gemeind e-Repräsentanz milgelheilt, daß er erbötig sei für alle jene Unbemittelten, die sich mit einem Mitt-'llosigkeitszeugnisse auszuweisen vermögen, die auf Grund vorliegender Thalsachen beanspruchten Erleichterungen in der Erfüllung der militärischen Dienstpflicht auf legalem Weg und unentgeltlich durchzusühren. Uhthe (Comitat Arva.) Ein schöner Akt von Toleranz ist von hier zu konstatiren. Daselbst fand vor einigen Tagen die Trauung eines isr. Brautpaares, des Unternehmers Ludwig Fische! und des Fräuleins TeplanSki, statt. Beim Hochzeilsmahle brachte der Ußtyeer katholische Pfarrer Andahazy einen schwungvollen Toast aus, in welchem er die Neuvermählten ermahnte, die schönen Worte zu befolgen, welche der Rabbiner bei der Trauungsceremonie an sie gerichtet hatte. Der Toast des Pfarrers wurde vom Rabbiner Dirschinßki mit einer ebenso schwungvollen Dankrede beantwortet. — In dem Städtchen Mad ist am 5. Juni der dortige allgemein geachtete israel. Bürger Karl Schneider mit überwiegender Majorität zum Gemeinderichter gewäylt worden. Als ein Akt lovenswerther Toleranz verdient hervorgehoben zu werden, daß die christlichen Geistlichen, mit dem guten Beispiel vorangehend, einmüthig für die Wahl Schneiders einstanden. England.? London. Die diesmalige Monatsversammlung der Anglo-Jewish-Associaton fand am Sonntag, 12. Juni statt. Den wichtigsten Punkt der Tagesordnung bildete der vertrauliche Bericht des Herrn Israel Abrahams, der aus eigener Anschauung über die auf seiner Reise nach Palästina von ihm inspicirten Lady Evelyna Rothschildschule, die jetzt unter der Leitung der Anglo-Jewish-Afsociation steht, berichtete. Dann kam die Verfolgung der Juden in 3)emen zur Sprache und wurde mitgetheilt, daß seitens einflußreicher Glaubensgenossen in Konstantinopel die Aufmerksamkeit des Sultans auf diese unglücklichen Juden gelenkt worden ist.? London. Unter den englischen Zionisten sind neue Zwistigkeiten ausgebrochen. Die Vorstände der Chowawe Zion haben es abgelehnt sich auf Resolutionen einzulassen, die eineBeschränkung der Kolonisation wollen. Es dürfte daher zu einer vollkommenen Spaltung kommen. Auf der einen Seite die alten Chowawe Union unter Goldshmid und Prag, auf der andern Seite der Herzlianer unter Führung von de Haas, dem Redakteur der Jewish World. Rußland.? Petersburg. Der Kriegsminister hat die Petition der jüdischen Gemeinde Eupatoria zurückgewiesen, in der diese um Befreiung der jüdischen Landwehrleute vom Militärdienst während des Neujahr- und Versöhnungsfestes bat. Der Kriegsminister begründet seine Ablehnung damit, daß die Landwehr nur einmal auf neun Wochen einberufen wird, und in dieser kurzen Zeit Dienstbefreiungen nicht mehr eintreten könnten. — Der Senat hat verboten, daß Juden in irgend einer Beschäftigung in einem nichtjüdischen Gasthof angestellt werden dürfen. Ebenso wenig ist es ihnen gestattet, irgendwelche Nahrungsmittel in nichtjüoischen Gasthäusern zu verkaufen. — Graf Schubaloff hat angeordnet, daß in Odessa christliche Arbeiter am Sonntag, jüdische nicht am Samstag beschäftigt werden dürften. — In den jüdischen Kolonien von Cherem herrscht gegenwärtig wieder Roth. Die dortige Bevölkerung von ca. 2000 Seelen hat nur für 12000 Rubel Getreide geerntet, das macht pro Kopf ca. 6 Rubel, davon sollen die Leute Steuern bezahlen und ein Jahr lang leben. Da sie dies begreiflicherweise nicht können, so haben sie sich an die Jewish-Colonisation-Affociatton um Unterstützung gewendet. Griechenland.? Athen. Aus Rethymo auf Creta berichtet man folgende kleine Episode. Bekanntlich garnisonirt dort seit dem vorigen Jahre eine kleine russisch« Truppenabtheilung, unter der auch einige Juden sind, die gern die jüdischen Gebräuche beobachtet hätten. Ein Schochet ist in Rethymo, wo eimge jüdische Familien leben, aber in der kleinen Synagoge fehlen die Sepher-Thorarollen. Die Soldaten schrieben an die Gemeinde von Odessa, aber diese wollte keine Geseßesrollen senden, weil sie deren Entweihung fürchtete, und erst vor Kurzem gelang eS den Bemühungen der Petenten dieselben in Kanea geliehen zu erhalten. Wie bietet die kleine Gemeinde ein Schauspiel der schönsten Eintracht, die russisch-jüdischen Soldaten leben streng koscher und sind die fleißigsten Besucher der Synagoge. Amerika.? New-Uovt In den Vereinigten Staaten sind zwei jüdische Damen als Advokaten thätig. Die eine. Miß Rosalie Loew, die ihr Examen in New- Dort gemacht, wurde 1695 zur Ausübung der Praxis zugelassen. Sie lieft auch als Dozentin über geschichtliche Medizin am New-2)orker College und dem Frauenspital. Die andere Dame, Miß Diana Hirschler aus Philadelphia, übt ihre Praxis in Muffasuchetts aus