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Der Israelit · 1898-07-07 · Heft 53 (7.7.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 53 (7.7.1898)
Date
1898-07-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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WWW üpü! für Geschichte wurde der alte Vorstand mit Joseph Jacobs an der Spitze wiedergewählt. Dem Bericht entnehmen wir, daß der Verein nur 24?s Mitglieder zählt, eine erschreckend niedrige Ziffer. Eine Spezialität des Vereins sind die Vorträge mit begleitenden Projektionsbildern. Amerika. V. Philadelphia, i. Juli. (Der Zionismus und die Türkei.) Der Jewish Exponent, ein auf vollkommen zionistischem Standpunkt stehendes Blatt veröffentlicht ein Interview mit dem türkischen Gesandten, besten Wiedergabe in seiner Bedeutung begründet ist. Ueber die Richtigkeit kann kein Zweifel herrschen, da es, wie gesagt, ein zionistisches Organ ist, das den betreffenden Bericht aus einer hiesigen Tageszeitung reproduzirt. Der Bericht lautet: „In einer Unterredung mit einem Eorrespondenten hat der türkische Gesandte Ali Feruk Bcy folgende Aussprüche gethan, deren Veröffentlichung er gestattete. Dieselben beziehen sich auf die neue jüdische Propaganda, welche in Aussicht nimmt, Palästina zu besetzen oder zu laufen und über welche die „Freunde des Ghetto" verhandelten. Die Veranlassung zu diesen Ausführungen war, daß sich in der letzten Woche circa 5000 Juden zu einein Massen-Meeting in der Synagoge der VII. Weststraße von New-Pork versammele haben, um diese und verwandte Angelegenheiten zu diskutieren. Der türkische Gesandte sagte: „Mit Rücksicht auf die Agitation, die jetzt in weiten jüdischen Kreisen betrieben wird, muß ick erklären, daß ich jetzt und schon früher allerlei unsichere Gerüchte über eine solche Bewegung gehört, aber — wie ich offen sagen mutz — bisher den wahren Grund dieser Bemühungen noch nicht verstanden habe. Man bat wir gesagt, mag es nun wahr sein oder nicht, daß das Ziel dieser Bestrebungen ist, die Juden in Palästina zu sammeln, um für dieselben eine freie Heimstätte zu schaffen. Was die Ausführbarkeit dieser Ideen anbetrifft, so möchte ich, ohne in die Details cinzugehen, sagen: Die Inden wissen selbst, wie groß und wie hochherzig der Schutz ist, denen ihnen Se. Majestät der Sultan im ganzen türkischen Reiche bewilligt hat. Die Juden beklagen sich selbst, daß sie in fast allen Theilen Europa's mehr oder weniger bedrückt würden Ich kann nicht entscheiden, ob dies wahr oder falsch ist, aber das weiß ich, daß sie in der Türkei immer gewesen und heute noch sind frei, glücklich und in gedeihlichen Verhältnissen. Viele von ihnen haben hohe Stellungen in der Beamtenschaft: in ihren privaten und persönlichen Unternehmungen sind sie ungestört. Es scheint mir nicht weise, daß sie durch diese Art von Agitation Anlaß geben, Schwierigkeiten zwischen sich und der türkischen Negierung zu schassen, indem sie eine chimärische Idee in die Wirklichkeit umzusetzen versuchen. Es thut mir leid, es aussprechen zu müssen, aber die einzigen Resultate, die derai tige Versuche haben könnten, würden sein, daß Ihren glücklichen, friedfertigen Glaubensgenossen in der Türkei Schaden zugefügt werden würde. In diesem Zusammenhänge möchte ich an ein Vorkommniß der neuesten Geschichte erinnern. Eine Gemeinschaft, die in Frieden. Harmonie und Zufriedenheit seit Jahr hunderten unter der türkischen Regierung lebte, beging die Dummheit, den machiavellistischen Einflüsterungen Fremder zu folgen, und hat nun ihre Handlungsweise zu bedauern, ohne irgend einen Erfolg erzielt zu haben. (Gemeint sind augenscheinlich die Armenier.) Ich hoffe, daß dies für alle „Freunde des Ghetto" eine große und philosophische Lehre sein wirb. Ich trage kein Bedenken, so indiscret zu sein und zu verrathen, daß ich meine Regierung bereits von I dieser Bewegung benachrichtigt habe. Ich lebte Jahre lang mit meinen: Vater in Jerusalem, als er daselbst türkischer Gouverneur war, und ich weiß, daß die Juden dort glücklich und mit ihrem Loose zufrieden waren. Es wäre nicht klug, diese Leute in falschen Hoffnungen zu bestärken, die sie in unfreundliche Beziehungen zu einer Negierung brächten, die nur bemüht ist, ihnen zu helfen." Das sind ernste Worte, die denen zu denken geben sollten, welche dieser Warnung erst bedurften, um die geschilderten Gefahren zu erkennen. In Rußland ist nach uns direct zugekommenen Berichten die zionistische Bewegung bedeutend zurückgegangen. Darf man diesen Berichten glauben, so ist heute kaum mehr ein Achtel der russisch-jüdischen Bevölkerung zionistisch gestimmt. Afrika. E. Algier, 4. Juli. Ein Konsilium mehrerer Aerzte fand heute bei dem Großrabbiner Bloch, ein Bruder des Grand-Nabbin in Brüssel, statt, der vor einigen Tagen das Opfer eines Mordversuchs wurde. Die Aerzte konftatirten, daß der Dolch, der 12 (Zentimeter tief in den Rücken eingedrungen ist, glücklicher Weise kein edles Organ verletzt hat, so daß eine baldige Genesung des Großrabbiners zu erwarten steht. Er verließ bereits das Bett. Der Attentäter, Aaron Aboumendil, gestand, sein Verbrechen im Zorn darüber begangen zu haben, daß das Konsistoriuin ihrn statt der verlangten 100 nur 10 Fr. geschenkt hatte. Seit den Krawallen vom Januar d. I. war Aboumendil brodlos und wollte mit den 100 Fr. einen kleinen Hausirhandel ansangen, um seine fünf unmündigen Kinder ernähren zu können. Da er nur 10 Fr. erhielt, so rächte er sich an dem Großrabbiner. Wersonatten. Breslau i. Juli. Ferdinand Eohn, der berühmte Botaniker und weltberühmte Forscher, ist am 25. v. M. plötzlich verschieden. In körperlicher Frische und jugendlicher Rüstigkeit übte er noch am Vormittag, wie gewöhnlich, seine Lehrthätigkeit aus, am Nachmittag überraschte ihn mitten bei der Arbeit der Tod: ein Herzschlag hatte seinem an Erfolgen so überreichen Leben ein jähes Ende bereitet. Wenige Monate erst sind verstrichen, seitden: von allen Enden der Welt dem bahnbrechenden Geistes,itanen anläßlich seines goldenen Doktorjubiläums und siebzigsten Geburtstages Anerkennung und Ehrung wie nur selten einem Sterblichen zu Theil geworden sind. Wohl Niemand ahnte, daß dieses Jünglings-Greises Feuerherz so schnell zu schlagen aufhören würde. Es ist hier nicht der Ort. die wissenschaftliche Bedeutung Ferdinand Eshn's zu würdigen. Was er als Vater der Bakteriologie mit seinen grundlegenden Forschungen auf diesem Gebiete geleistet hat, ist in den Annalen der Wissenschaft für alle Zeiten mit goldenen Lettern cingezeichnet Eine edle, harmonische, ideale Persönlichkeit voll liebenswürdiger Einfachheit und Bescheidenheit, einer der hervorragendsten Gelehrten der Gegenwart, einer der erfolgreichsten und beliebtesten deutschen Hochschullehrer, der größte Sohn der Stadt, in der er geboren und gestorben und deren Ehrenbürger er gewesen, war Ferdinand Cohn eine Zierde und

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