Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 53 (7.7.1898)
- Date
- 1898-07-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448857-2448907--46291-2496700- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
969 Akiba sagte: Es soll mich wundern, wenn in unserer Zeit Jemand existirt, der das Zurechtweisen versteht. R. Jochanan sagte : Ich rufe Himmel und Erde zu Zeugen, daß Akiba vielmals durch mich bestraft wurde, weil ich ihn bei R. Gamliel verklagt hatte. Ich brauche nicht zu versichern, daß er mir deßwegen umsomehr Liebe zeigte und dadurch bestätigte, was (in der Heiligen Schrift) gesagt ist: „Weise den Spötter nicht zurecht, damit er dich nicht Haffe; weise den Klugen zurecht und er wird dich lieben." Nach Allem, was wir vorausgeschickt haben, scheint Folgendes die Erklärung dieser Boraitha zu sein. Rabbi Tarphon und Rabbi Elasar b. Asarjah meinen, daß nur in einem idealen Zeitalter es möglich sei. Andere mit Erfolg zurechtzuweisen. R. Tarphon fordert, daß der Zurechtweisende ganz makellos dastehe, damit man ihm nicht mit einem Gegenvorwurf den Mund verschließen könne. R. Elasar b. Asarjah glaubt, daß eine seltene Charakterstärke dazu gehöre, um eine Zurechtweisung, so wie es sein soll, auf sich wirken zu lassen. Beide Tanaim kommen zu dem Schluß, daß nur in solch gesegneten Zeiten, die ganz sündenfreie Mahner Hervorbringen, oder in welchem die zu Ermahnenden Muster von Selbstlosigkeit und Charakterstärke sind, die Möglichkeit der erfolgreichen nroin vorhanden sei. R. Akiba erwiedert daraus: Nicht nur unter den Edelsten und Besten ist der Ort und die Gelegenheit für die heilbringende Zurechtweisung. Wohl darf auch Derjenige es wagen, Andere an ihr Unrecht zu erinnern, der selbst nicht frei von Fehlern ist, und wohl gibt es einfache, selbst eitle und ehrsüchtige Menschen, die sich über ihren Jrrthum belehren und bessern lassen. Auf den Mahner kommt Alles an, aber nicht darauf, ob er selbst mehr oder weniger sich vor Zurechtweisungen, vor dem Hinweis auf den Balken in eigenem Auge zu fürchten bat, sondern darauf, ob er versteht in richtiger Weise mild und liebevoll zurechtzuweisen. Es soll mich wundern, wenn in unserer Zeit Jemand existirt, der versteht zurechtzuweisen, lauten die Worte R. Akiba's. Eine Zurechtweisung in richtiger, würdiger Form wird von Niemanden, der auch nur einen Funken von Gottesfurcht sich bewahrt hat, zurückgewiesen werden. R. Jochanan (b. Nun) antwortet darauf: Auch auf den zu Ermahnenden kommt sehr viel an. Ich nenne euch keinen Zeitgenoffen, der als Beispiel eines makellosen oder verständigen Mahners gelten kann. Aber ich weiß Jemanden entgegen der Meinung des Elasar b. Asarjah, der die Zurechtweisung in ihrer schärfsten Form liebevoll hinnimmt. Himmel und Erde rufe ich zum Zeugen, daß ein solcher Mann existirt. Und dieser Mann ist Akiba selbst, der, obgleich ich ihn in der unangenehmsten Form durch Verklagen beim Meister wegen seiner Fehler oftmals zurechtwies, mir nach jeder dieser herben Ermahnungen eine um so größere Liebe zeigte. R. Jochanan b. Nuri lehrt uns hierdurch: Wenn es auch die Aufgabe des Mahners ist eine paffende Form für seine Worte zu finden, so hat doch der Ermahnte Unrecht, wenn er wegen der rauhen Schale den heilbringenden Kern der Mahnung verschmäht. R. Akiba unter den Tanaim und R. Jochanan unter den Lehrern der Gemara sind uns leuchtende Beispiele der Liebe der Gesetzeslehrer für Belehrung und Zurechtweisung. Wer weiß, ob ohne die Freude an der fremden Kritik der eigenen Behauptung, des eigenen Thuns und Lassens, R. Akiba und N. Jochanan ihrem Namen den ewig unauslöschlichen Glanz in Israel verschafft hätten? Daß solche Männer bei ihrer Werthschätzung der nroir, diesen ersten Freundschaftsdienst unerschrocken auch Anderen erwiesen, ist selbstverständlich. Bekannt ist Abaja's Mahnung an die Gelehrten, wegen der nnam selbst die Freundschaft der Mitbürger aufs Spiel zu setzen, »ms ’sn "2X ivx sw? xSx *ac fyaan&o sb nma rr6 jtrnn paio »’öfcn H-22 irrt» raa Abaja sagte: Ein Gelehrter wird von den Leuten seiner Stadt geliebt, nicht weil er gut ist, sondern weil er sie in religiösen Angelegenheiten nicht zurechtweist. Die herrlichsten Beispiele von Unerschrockenheit bei der geben uns die gottgesandten Propheten von Nathan, der nach dem Tode des Uria sein iran nna „Du bist der Mann" dem Könige David entgegenschleudert, bis zu dem Propheten Jirmijahu, den uns die Haphthora des kommenden Sabbat näher bringt. Jirmijahu, deffen Bestimmung es war, unerschütterlich gleich einer Festung, einer eisernen Säule, einer ehernen Mauer, von allen Seiten bestürmt zu werden. Aber auch Jirmijahu, den ersten unter allen Mahnern lehrte der Allgütige mit milden Worten die Ermahnungen zu beginnen. Die beglückenden Verse 'm wks rwrpi -p^n und ttrnp "ft vniL", welche den Schluß unserer Haphthora bilden, sind deßhalb der Beginn seiner erschütternden Mahnreden. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. V. München, 4. Juli. Aus Anlaß der Beschwerde des Gemeinderathes Niederlustadt gegen den Bescheid der pfälzischen Kreisregierung wegen Leistung eines jährlichen Beitrags von 122 Mk. zu den Kosten der israelitischen Schule in Oberlustadt wurde vorn Verwaltungsgerichtshof der Regierungsbescheid dahin abgeändert, daß der Anspruch der israelitischen Knltusgemeinde Oberlustadt gegen die politische Ge-