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Der Israelit · 1898-07-07 · Heft 53 (7.7.1898) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 53 (7.7.1898)
Date
1898-07-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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968 einem Freunde sehnen, der ihn zur Rede stellt. Wir erinnern uns hier an die ergreifende Erzählung der Gemara von Rabbi Jochanan. Als dieser sich um den Tod des Rabbi Simon bcn Lakisch sehr grämte, wählten die Gelehrten den R. Elieser ben Pedot zu seinem Genossen, der auf alle Lehrsätze, die R. Jochanan vortrug, bemerkte: „Die Richtigkeit deiner Ansicht läßt sich aus einer Boraitha beweisen." Da sagte R. Jochanan: „Du willst dem Sohn Lakischs gleichen? Wenn ich etwas vortrug, so fragte der Sohn Lakischs 24 Fragen dawider, und ich mußte 24 Lösungen geben und von selbst vertiefte sich das Studium. Du aber sagst mir nur, eine Boraitha beweist für dich. Habe ich denn vorher nicht geglaubt, daß ich das Rechte gesagt hätte? Dann ging er weg, zerriß seine Kleider, weinte und sprach: Wo ist der Sohn Lakisch's, wo ist der Sohn Lakisch's? So lange jammerte R. Jochanan in dieser Weise, bis sein Denken gestört war. Die Gelehrten beteten für ihn und er starb. Soweit die Erzählung der Gemara Baba Mezia 84 a. R. Jochanan liebte die Zurechtweisung beim Studium, die strenge Kritik des R. Simon b. Lakisch in dem Maße, daß er in Verzweiflung gerietst, als sein späterer hervorragender Studiengenoffe R. Elieser b. Pedot es nicht verstand an seinen Worten Kritik zu üben, so daß das Leben ohne die Zurecht Weisung des Genoffen seinen Werth für ihn verlor. Leicht wäre es die Pflicht der nnair zu erfüllen, wenn Alle, welche wir zur Rede stellen, so weise wären, daß sie in den Mahnern und 'Verbesserern die besten Freunde erblickten. Es ist klar, daß die meisten Menschen diese hohe Stufe der Weisheit nicht erlangt haben; und gar oft können wir wahrnehmen, daß der Zurechtgewiesene sich glücklich fühlt, wenn er dem unbequemen Mahner durch einen Gegenvorwurf den Mund geschlossen hat. Wie oft wird das Ermahnen uns als Ueberhebung oder gar als Beleidigung angerechnet. Um bei der großen Menge der Menschen durch unser Mahnen eine segensreiche Wirkung zu erzielen, müssen wir es verstehen zu mahnen. Nicht mit Groll und nicht in scheltendem Tone dürfen wir die Zurechtweisung beginnen, sondern mit Güte und in Worteil aufrichtiger Freundschaft. Bevor uns der Allgütige die Pflicht na*,n yvry rx rrr auferlegt, bevor wir zum Zurechtweisen des 'Nächsten anfgefordert werden, heißt cs in der Thora paa'aa 7nx rx x;rr x7 „Du sollst deinen Brilder nicht hassen in deinem Herzen." Es liegt in unserer Natur, daß wir zürnen, Groll empfinden, sobald wir Zeuge eines Unrechts sind, oder wenn wir davon hören, daß irgend Jemand eine Sünde begangen hat. Wir neigen leicht dazu, den Sünder zu hassen; in unserer Erregung über eine Unthat übersehen wir, daß es vielleicht Entschuldigungsgründe für den Uebelthäter giebt, daß die Verhältnisse, in denen er lebt, seine Erziehung die Hauptschuld am Verbrechen trägt. Sehr viele Menschen Haffen den Sünder im Herzen, sobald sie von seinem Fehler nur vernommen haben. Die Folge dieser Voreingenommenheit ist, daß bei der Zurechtweisung nur selten der richtige, Erfolg verheißende Ton getroffen wird. Pollern und Schelten ist ein Zeichen dafür, daß malt, ohne einer Entschuldigung Raum zu geben, den sündigen Bruder schon vor der ersten Ermahnung haßte. Und gerade dieses Poltern und Schelten desjenigen, der durch seine Ermahnung dem Nächsten den größten Freundschaftsdienst erweisen will und soll, läßt den Zurechtgewiesenen die gute Absicht verkennen und verschließt Ohr und Herz den Worten des Mahners. Vielleicht hat der Allwissende deßhalb uns gerade vor dein Gebote des Zurechtweisens, das weitreichende, den Frieden unter den Menschen begründende “pa^n 7ns *x x:trr das Verbot des im Herzen bewahrten Haffes gegeben, um uns zu sagen, nur dann wirst Du mit Erfolg mahnen können, nur dann die Worte und den Ton des von Liebe eingegebenen milden Vorwurfs finden, wenn Du vor der Ermahnung und Belehrung ohne Groll im Herzen dem irrenden Bruder gegenüberstehst. Wenn du deinen Bruder trotz seiner Sünde nicht im Herzen hassest, dann wirst du, von der Erfüllung des nw. wa, von Deiner Ermahnung und Zurechtweisung Dir Erfolg versprechen können. Es ist selbstverständlich, daß der Zurechtgewiesene, sobald er sich bewußt ist das Unrecht gethan zu haben, sich nicht um die Form des Vorwurfs kümmern soll und dankbar von Jedem, auch einem Geringeren die Zurechtweisung annehmen muß. In der Thal hat ja nach den Worten unserer Weisen sogar der pap, der Kleinere die Pflicht im gegebenen Falle den b:nr, den Höherstehenden in paffender Weise auf seinen Jrrthum aufmerksani zu machen. Eine Boraitha im Traktat Erachin und im Sifra zu dem besprochenen Schriftverse zeichnet uns in unübertrefflicher Weise das Verhältniß des Ermahuers zum Zurechtweisenden. Wir citiren nach der Lesart des apr py. N'2'77 Sana» *a 7N7I a'na tr dk *;s nar peau tx K*jn 7^y paa na*p 7ü 7 L'^a'x 7w' paa DD'P brc 7 aas DX nna-r vaparr 'a ana‘na tr cx *;x nar n"~iy p an7x rx tx narnp ynvu* *a nn a*na tr ax ';x nar xapv a"x p xspy npf» =ws raana* paw S'.arr' 7v ','x -to ,*;nr -- p'chd* ptr ax7a: 'a näi* a-p r'> sjcn .panx** car^ na-n pxjtr p pp na*r ^x aoxjsr na c-pS nanx R. Tarphon sagte: Es soll mich wundern, wenn in unserer Zeit Jemand exiftirt, der zurechtweisen kann. Sagt man zu Einem, nimm den Spahn aus deinen Zähnen, so bekommt man erwiedert, nimm den Balken aus deinen Augen. R. Elasar ben Asarjah sagte: Es soll mich wundern, wenn in unserer Zeit Jemand existirt, der Zurechtweisung hinnimmt. R.

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