Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 53 (7.7.1898)
- Date
- 1898-07-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXIIX. Ach-MMg. M 53. Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Br JTeJjmaun in Donnerstag, de« 7. Juli 5658 (1898). Leitender Artikel. Sprüche der Maler. Sechstes Buch. XXVII. * Mainz, 6. Juli. N122N \ü pmriöi mrrainrt nx itiix v'->v"vn rin nmx „Der das Richtige liebt, der dieZurechtweisung liebt und der sich von Ehren fern hält." Bei der Besprechung der 48 Eigenschaften, welche den Jünger der Thora zieren sollen, haben wir zuletzt die 31te Forderung der Boreitha zu erklären versucht, mpitti rin 2m«. Wir haben gesehen, mit welcher Vorsicht und Umsicht der Richter vorzugehen hat, wenn es ihm obliegt, Recht zu sprechen. ES hat jedoch nicht nur der Richter zu warnen und zu bessern, ^>xiv" bs nii? 7n dw Alle Israeliten bürgen einen für den anderen. Keiner von uns, geschweige denn der Gesetzeslehrer, darf achtlos an seinem Nebenmenschen, an dessen Thun und Lassen vorübergehen, wra >6 xvn iHx xpn ab) "jm» nx n'2in ron -p2^2 -pnx rix „Du sollst nicht hassen deinen Bruder in deinem Herzen, zurechtweisen, zurechtweisen sollst du deinen Nächsten, und du sollst seinetwegen keine Sünde auf dich laden." Durch Strafen bessern, durch auferlegte Buße dem Gesetze zur Anerkennung verhelfen, darf jedoch nur die zuständige Behörde, der Richter. Dem Privatmann ist es nicht gestattet, besonders wo es sich um Vergehen gegen Menschen handelt, dem Sünder auch nur durch Worte Uebles zuzufügen. Einhalten muß man mit der Zurechtweisung nunipa i»jb i^dx, schon wenn man sieht, daß der Zurechtgewiesene sich verfärbt, beim Gespräch unter vier Augen von tiefer Beschämung ergriffen wird; es ist selbstredend. daß man sich zu hüten hat vor W212 mn '3B pSo den Nächsten auch wenn in guter Absicht öffentlich zu beschämen. Rabbi Jochanan sagte: „Weßhalb hatte Jerobeam das Glück zum Königthum zu gelangen? Weil er den Salomo zurechtgewiesen hat. Warum wurde er aber bestraft? Weil er ihn in Gegenwart Vieler zurechtwies." Zu den unverbrüchlichsten, aber auch schwersten Pflichten gehört das Zurechtweisen. Wie der Verfasser des ^xtdp mo bemerkt, steht mn2in in der Mehrheit bei der Stelle unserer Boraitha nirovr, nx 2.nx, weil damit die Zurechtweisung nach zwei Seiten hin gemeint ist. Nicht nur soll der Thorajünger es lieben Andere wegen ihrer Vergehen zur Rede zu stellen; sondern er soll es auch gern sehen, wenn Andere ihn selbst auf seine Fehler aufmerksam machen. Es ist schwer zu entscheiden, was mehr Charakterstärke erfordert, das Ertheilen von Zurechtweisungen oder das freundliche Entgegennehmen derselben. Einem Angesehenen, Einflußreichen und selbst einem Gleichgestellten gegenüber wagen es gar Manche nicht auf einen Fehler, eine Ungehörigkeit oder ein Unrecht aufmerksam zu machen; ebenso oft aber hindert uns ein falsches Ehrgefühl und ein übertriebenes Selbstbewußtsein auf die Ermahnungen und Zurechtweisungen edler Freunde zu hören. In unserer Boreitha steht das nrown nx nmx, die Eigenschaft der Liebe des Thorajüngers für Zurechtweisungen, in der Mitte zwischen 2ne"v.i nx 27iix und 1122.1 p pmne, zwischen der Liebe des Richtigen und dem Sichfernhalten von Ehren. Wer das Richtige wahrhaft liebt und nichts Falsches und Sündhaftes mit ansehen kann, der wird ohne Scheu, wenn es Roth thut, in gehöriger Weife den Nebenmenschen zur Rede stellen. Wer in reiner Absicht dem Thorastudium obliegt und wem es dabei gleichgiltig ist, ob er dadurch bei den Menschen zu Ehren gelangt, dessen Wahrheitsliebe wird fo groß fein, daß er dem Genossen dankbar ist, der ihn auf Fehler aufmerksam macht, und wird sich nach