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Der Israelit · 1898-07-04 · Heft 52 (4.7.1898) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 52 (4.7.1898)
Date
1898-07-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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960 Ort und Stelle von deren Nothwendigkeit nach eingehender Prüfung der Sachlage überzeugt hatte, beschlossen wurde. Dem „Kurjer Lwowski" wird aus Att-Sandec telegraphirt: In einer Ansprache an den dortigen Gemeindevorstand wurde diesem und der Bürgerschaft vom Statthalter Grafen Pininski das tiefste Bedauern ausgedrückt wegen ihres Vorgehens während der letzten Exzesse. Bei den Hausdurchsuchungen wurden zahlreiche entwendete Sachen sogar bei den wohlhabenderen Einwohnern vorgefunden. Die geraubten Gegenstände werden suhrenweise in das Magistratsgebäude gebracht. Der Statthalter befahl, alle Theilnehmer an den Diebstählen und Raubanfällen zu verhaften. Heute herrscht bereits Ruhe. Die vollständig zu Grunde gerichteten Geschäfte in Alt-Sandec gewähren einen fürchterlichen Anblick. Die Getreide- und Schnittwaarenhandlungen wurden ganz ausgeraubt, und, was sehr traurig erscheint, es befinden fich die geplünderten Maaren im Besitze dortiger Bürger. Die Menge soll zum Raube aufgefordert worden sein; die Bauern sagten, daß sie hernach die Herrenleute überfallen werden, um sich deren Geld anzueignen. Es sind hervorragendere Bürger des Marktfleckens compromittirt. Wie aus Brzesko und Bochnia telegraphirt wird, wurden dort zahlreiche Plünderer verhaftet. Bauernbanden hallen sich in den Wäldern versteckt. Es werden Streifungen vorgenommen. Der Statthalter, der sich heute nach Limanowa begeben hat, kehrt morgen tlach Lemberg zuriick. — Soweit Meldungen bisher vorliegen, wurde heute ungeachtet des Feiertages die Ruhe nirgends gestört. Es erfolgen indeß noch immer in das von den Unruhen betroffene Gebiet Truppennachschübe. Sämmtliche in Limanowa und Neu-Sandec dislocirten Truppen wurden unter das Commando des Brigadiers Generalmajor Schulheim gestellt. Von der Ernennung eines Regierungs-Commissärs zur Leitung der administrativen Agenden in den beibeii dem Standrechte unterworfenen Bezirken soll, wie es heißt, Umgang genommen werden. Die polnischen Blätter äußern sich mit großer Reserve über die verfügten außerordentlichen Maßregeln. Der Kuryer Lwowski drückt die Hoffnung aus, daß es den vereinten Bemühungen der Bürgerschaft gelingen werde, eine allzu lange Dauer des Ausnahmszustandes in Galizien zu verhüten. — Gestern und heute wurde die Ruhe nirgends gestört. In einer Extra-Ausgabe der Gazeta Lwowska wird heute die Ministerial-Verordnung, betreffend die Einführung des Ausnahmszustandes in 33 politischen Bezirken Galiziens und des Standrechtes in den Bezirken Limanowa und 'Neu-Sandec, kundgemacht. Neu-Sandec, 30. Juni. Gestern Mittag traf in Neu-Sandec der Scharfrichter Selinger aus Wien ein. Er wurde, nachdem er der Bezirkshauptmannschaft seine Ankunft angezeigt hatte, nach Tarnow geschickt, wo er weitere Weisungen abzuwarten hat. In Neu-Sandec verlies die letzte Nacht gerade so wie die vorige, ruhig. Die Stadt beginnt allmälig die frühere Physiognomie wieder zu erlangen. Nur in der Umgegend, namentlich in Jazowsko und Kroscienko, erscheint die Situation noch bedrohlich. Rings um Limanowo herum ist der Bezirk außerordentlich aufgewühlt. Die Militärbesatzung wird dort verstärkt. Gestern Mittaa begab sich der Statthalter Gras Pininski von Neu-Sandec nach Limanowa. Daselbst wurde er auf dem Bahnhose vom Bezirkshauptmann Siclecki, der Stadtvertretung und der Geistlichkeit empfangen. Im Saale der Bezirksvertretung erwarteten 203 Landgemeinden-Vorsteher und Bauern die Ankunft des Landes-Chefs. Die Ansprache, welche dieser an die Massenabordnung der Landbevölkerung richtete, rief einen nachhaltigen Eindruck hervor. Nachmittags kehrte der Statthalter nach Neu-Sandec zurück, von wo er nach kurzem Aufenthalte nach Lemberg abreiste. Die Verkündigung des Standrechtes wird in den Dörfern fortgesetzt. In Lososina dolna erfolgte die Verkündigung während des Kirchtages. Alles war consternirt. In Zalubince bei Sandec haben mehrere Hunderte Arbeiter die Mittheilung von der Einführung des Standrechtes gelassen ausgenommen. Es war aber dennoch ihre Niedergeschlagenheit wahrzunehmen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. R. Berlin, 19. Juni. Der „Jsr. Fvrtbildungsverein Montefiore" trat mit Beginn des Sommers in sein 28. Semester ein. Begründet von den Herren Rabb. Dr. Bondi, Mainz, Dr. Mannheimer, Oldenburg, Dr. Ed. Biberfeld, Dr. Deutschländer s. A. und Herrn Dr. Berliner, steht der Verein auf dem Boden des überlieferten Judenthums und hat den Zweck, das Studium der Bibel, der jüdischen Geschichte und der rabbinisch-talmudischen Literatur zu pflegen. Zur Erreichung dieser Zwecke finden im Vereinslokal, Rosenstraße 2, pari., Lehrvorträge statt, und zwar unterrichtet: Dr. Ed. Biber feld Montags „Gemarah" und Kand. phil. Galltner Donnerstags „Thora". Von Zeit zu Zeit werden auch Vorträge über aus-

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