Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 52 (4.7.1898)
- Date
- 1898-07-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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sei gemalte Themata gehalten, und erfreuen sich diese regen Besuch?. Im letzten Semester sprachen u. A. Dr. M. Hilvesheimer über „Massora und Massoreten", Rabbiner Dr. Stier über „Die Ehre des Gelehrten in der Bibel", Dr. Brody über „Saadja Gaon" und Nedacteur Klausner über den Zionismus. Für die nächste Zeit haben bereits die Herren Dr. Mannheimer, Dr. Löwe und Dr. H. Hildesheimer Vorträge zugesagt. Zur Verfügung der Mitglieder und auch anderer Leser steht außerdem eine ausgewählte jüdische Bibliothek, welche etwa 600 Bände umfaßt und von den Mitgliedern lebhaft frequentirt wird. Aber nicht nur für jüdisches Wissen, sondern auch für jüdisches Leben wird im Verein „Monteftore" gesorgt. Nach den Vorträgen findet regelmäßig Abendgottesdienst statt. An den hohen Festtagen veranstaltet der Verein für seine Mitglieder und Gäste in eigenen Räumen Festgottesdienst, bei welchem die Mitglieder die ritualen Funktionen übernehmen. Gesellige Veranstaltungen, wie Ausflüge, Winter-Vergnügen rc., sorgen für persönlichen resp. freundschaftlichen Verkehr unter den Mitgliedern, so daß es jedem jungen Manne, speziell aber jedem Kaufmann empfohlen werden kann, sich diesem in der Thal segensreichen Verein anzuschließen. Der Vorstand besteht aus den Herren: AUba R. Hartmann, Schönhauser Allee 186, Arthur Marcus, Louis Lewy. Leopold Struck, Raphael Gradenwitz. Jede gewünschte Auskunft ertheilt bereitwilligst der Vorstand. W. Liegttitz. 27. Juni. Traurig aber wahr, ein jüdisch klingender Name hat hier arge Ausschreitungen zuwege gebracht. Ein Bildhauer Joseph Löwe hatte am Samstag sein Dienstmädchen nach Bier geschickt. Das Mädchen war etwas zu lange fortgeblieben, und in Folge besten ließ ihm sein Herr eine wohl ungebührlich starke körperliche Züchtigung zu Theil werden. Auf das Geschrei des Mädchens entstand alsbald ein Auflauf vor dem Hause Löwes und die Tumulte nahmen ihren Anfang, so daß die Polizei mit der Waffe einschritt und die Ruhe wieder herstellte. Man glaubte nun, daß die Sache beendet sei und war sehr überrascht, als am Sonntag neue Zusammenrottungen und am Sonntag Abend Ausschreitungen der schlimmsten Art stattfanden. Das Haus des Bildhauers wurde mit Steinen förmlich bombardirt, die große Scheiben des Ladens, in welchem fertige Grabdenkmäler in großer Zahl aufgestelll waren, wurden ganz zertrümmert, die lenkmäler wurden zum Theil zerschlagen. Am Montag wiederholten sich oie Aufläufe, der Oberbürgermeister konnte die Ruhe nicht Herstellen, cs wurde Militär rcquirirt, das mit blanker Waffe Vorgehen mußte. Ein Drechslergeselle ist getödtet und eine Anzahl Personen verletzt. Diese Ausschreitungen fanden statt, weil die Urheber der Meinung waren, der Bildhauer Joseph Löwe sei ein Jude — er ist aber katholischer Christ. R. Kattowitz (O.-S.). Der Vorstand des hiesigen Thierschutz-Vereins hat unter dem Vorsitze des Herrn Rabbiners Dr. Cohn beschlossen, nachstehendes Schreiben an den Verband der Deutschen Thierschutzvereine zu richten : „Der Verbandstag der Thierschutz-Vereine des Deutschen Reiches hat in seiner VII. in Hamburg vom 31. Mai bis 3. Juni stattgehabten Versammlung u. a. den Beschluß gefaßt: „an das Reichsamt des Innern die Bitte zu richten, bei Einführung und Regelung der obligatorischen Fleischbeschau Bestimmungen zu treffen, nach welchen sämmtliche Schlachtthiere vor ihrer Blutentziechung zu betäuben sind." Dieser Beschluß in seiner allgemeinen Fassung bedeutet auch das Verlangen des Verbotes des jüdisch-rituellen Schlachtverfahrens. In Anbetracht dessen, daß es mit den humanen Zwecken der Thierschutzvereine unvereinbar ist, Gewissenszwang zu üben, sowie ferner in Anbetracht dessen, daß nach dem maßgebenden Urtheile zahlreicher Autoritäten auf dem Gebiete der Physiologie und Veterinärkunde das jüdisch-rituelle Schlachtverfahren keinerlei Tierquälereien in sich schließt, können wir obigem Beschlüsse unsere Zustimmung nicht ertheilen und legen Verwahrung gegen denselben ein. Der Vorstand des Thierschutz-Vereins zu Kattowitz, Dr. Cohn. England.? London. In dem Standard Theatre wird jetzt ein Theaterstück „Capitän Dreyfuü" im jüdischen Jargon aufgeführt und macht seit einer Woche allabend volle Häuser. Alle Juden in London wollen dies sehr wirkungsvoll geschriebene Stück gesehen haben und der Autor Rakow hat einen großen Erfolg. Das Publikum nimmt lebhaften Antheil an der ganzen Aufführung und spielt stellenweise mit. Dem Schauspieler, der den Esterhazy gibt, drückte es sein Mißfallen so energisch aus, daß dieser sich zu der Erklärung genöthigt sah, daß er ja den Esterhazy nur spiele. Das Stück ist übrigens mit Musik in Form eines Melodramas geschrieben. P a l ä ft i n a. E. Jerusalem. (Der Handel mit Palast l n a.) Der britische Consul zu Jerusalem theilt mit, daß im vorletzten Jahre der Handel mit Palästina gegen das Vorjahr einen erheblichen Zuwachs aufwies. Die Einfuhr und Ausfuhr zusammen stieg 1896 auf 629.537 Lstrl., und betrug um 70.000 Lstrl. mehr als im Jahre 1895. Den dritten Theil der gesammten Ausfuhr bildet Seife, nächstdem kommen der Wichtigkeit nach Orangen, Sesam, Bohnen, Häute und Mais. Unter den Importen stehen obenan