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Der Israelit · 1898-07-04 · Heft 52 (4.7.1898) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 52 (4.7.1898)
Date
1898-07-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXIX Jahrgang. Keuage ju JSs 52 ües „larnritt“. Leitender Artikel. Die Lage in Galizien. E.J. Wien, 3<». Juni. „Gut Ding braucht Weile!" Dieses alte Sprichwort kommt uns unwillkürlich in den Sinn, wenn wir die Meldungen vernehmen, daß die Regierung sich doch endlich ausgerafft hat, um den galizischen Umtrieben zu steuern, jetzt, nachdem mehr als vierzehn Tage vergangen mit Brandschatzungen, Raub und Plünderung jüdischer Geschäfte und Wirthschaften. Endlich hat die Regierung die schärfsten Maßregeln ergriffen, indem sie das Standrecht in Reu-Sander und Limanowa, den Ausnahmszustand über nicht weniger als 33 Bezirke verhängte. Was das zu bedeuten hat, ist bekannt und dürfte endlich ein Umschwung eintreten. Die Bauern, welche durch hinter sicherem Versteck sich haltenden Rädelsführern zu solchen Ausschreitungen sich haben hinrcißen taffen, werden ihr Vergehen in fürchterlichem Maße büßen; die hierfür im Gesetze normirten Strafen sind ungemein harte, z. B. bei Verhaftungen giebt es keine Freilassung, auch bei noch so hoher Caution, ferner sofortige Ausweisung von nichtzuständigen Parteien, die Abhaltung von Vereinsversammlungen, welcher Tendenz immer, ist untersagt, die Behörde kann das Erscheinen oder die Verbreitung von Druckschriften einstellen, gegen diese das Postverbot erlassen, dann das Verbot des Waffentragens, das Aufhalten an öffentlichen Orten, endlich sind auch die Strafen selbst bestimmt, die in Geld¬ oder Arreststrafen bestehen, welche nach Umstünden des Falles bis zum Betrage von 10.000 fl., oder bis zur Dauer von sechs Monaten bemessen werden können, also strenge Maßregeln, die wohl zu spät kommen, aber jedenfalls den Juden Galiziens, die nicht schon der Wuth des Pöbels preisgegeben waren, die Unterstützung bei etwaigen noch zu gewärtigenden Raubzügen gewähren werden. Wie Sie aus den Ihnen direkt von Ihrem Correspondenten zugesandten Correspondenzen entnehmen, haben die Scenen sich in den letzten Tagen immer wiederholt, Brand und Plünderung bildet das Colorit unseres Jubiläumsjahres und scheinen die Hetzen geradezu systematisch durchgeführt worden zu sein, indem an vielen Orten die nicht jüdischen Bewohner durch Anbringung von Heiligenbilder sich von Juden unterschieden haben und so dem Raubzuge entgingen. Der Statthalter von Galizien bereifte die verwüsteten Gegenden und soll geäußert haben, daß, wenn er die Schauermären der Zustände höheren Ortes vermelden werde, es ihm nicht geglaubt werden würde. Alles im Jahre 1898!!! Es ist sehr traurig um die Judenschast Oesterreichs bestellt und da sollen wir mitthun in dem Festjahre, sollen mit Lächeln, wenn wir so viel Weh und Leid im Herzen, im blutenden Herzen mit uns tragen muffen, einstimmen in die Jubelaccorde! Können wir es?! Sind wir in der Verfassung, die keinen § 19 enthält??!! Ein Fest nach dem andern wird abgehalten, Lustbarkeit und Freude ertönt in Wien, nur wir Juden sind nicht hierfür zu haben, wer daran die Schuld trägt, dem möge auch ein Wermuthstropfen in den Kelch fallen! Aber nicht mit den Judenhetzen allein soll das Fest gefeiert werden, es muß auch nach anderer Richtung der Beweis erbracht werden, daß Oesterreich ein Land des starren Clerikalismus ist. Ende August soll in Prag ein allgemeiner czechisch-flavischer KatholikeN'Congreß abgehalten werden, der sich naturgemäß mit Fragen, wie Schule, Presse, Vereinsangelegenheiten rc. befassen wird, woselbst es aber auch an Manifestationen und Demonstration gegen uns nicht fehlen wird und fehlen kann! Es ist nicht das erste Mal, daß solche Katholikentage stattfinden, aber das bemerkenswerthe bei diesem ist jedenfalls das Moment, daß die Einberufer dieselben Leute sind, die zu hervorragend thätigen Mitgliedern des Kronrathes gehören, Geheime Räthe, Kämmerer sind, in deren Ädern aber bisher stets deutsches Blut gerollt, deren Ahnen deutsche Fürsten waren und die sich, wie es den Anschein hat, nur wegen des prononcirten Standpunktes als die Enterprenenre geriren. Wir sinden unter den Einberufern die deutschen Fürsten Ferdinand und Moriz Lobkowitz, die deutschen Grafen Harrach, Emerich und Ferdinand Chotek, Adalbert und Carl Schönborn, Thun (ein Verwandter des derzeitigen Ministerpräsidenten) sowie zahlreiche geistliche Würdenträger. Daß die Herren, die dort die Vereinigung der Slaven feiern, auch der Juden gedenken werden und zwar in ihrem Sinne, ist unzweifelhaft. Also auch eine Feststimmung mehr in unseren Jubiläumstagen! Lemberg, 29. Juni. Die Nachricht der polnischen Blätter, daß die Verhängung des Standrechtes in den Bezirken Limanowa und Neu-Sandec, sowie die Einführung des Ausnahmezustandes in 33 politischen Bezirken Galiziens in Folge einer Pression „von unberufener Seite" erfolgt sei, entbehrt vollständig der Begründung, da diese Maßregeln vom Ministerrathe auf Vorschlag des Statthalters, der sich an

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