Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-07-04 · Heft 52 (4.7.1898) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 52 (4.7.1898)
Date
1898-07-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448906--46279-2496687
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

machen sie eine kleine Pause, setzten sich ans denselben, um ein wenig auszuruhen. Der Jude Chaim gönnt sich aber keinen Augenblick Ruhe, und wenn er schon kraftlos niederzusinken droht und sich seyen mutz, fällt ihm der Gedanke an sein Weib und Kind ein; schnell erhebt er sich dann wieder und mit verdoppeltem Fleiße will er die verlorene Zeit wiedereinholen, während der Aufseher spöttisch ausruft, er solle nicht so ecken, er werde sich zu Tode arbeiten. Aber Chaim hört nicht darauf, man zahlt ihn ja nach der Anzahl der Karren, und er muß doch für seine Familie arbeiten. Er wird zwar hart von den spitzen, kleinen Steinen geplagt, die auf dem Wege verstreut waren und seine nackten Füße stechen. Der Stein weiß nicht, daß er zu Hause eine Frau mit sechs hungrigen Kindern zurückgelassett, der Stein kann sich nicht vorstellen, daß acht Seelen gespeist sein wollen und die Kinder schreien würden, wenn sie nichts erhalten sollten; es fällt ihm gar nicht ein, daß Chaim nervös ist, so nervös, daß er kein Kind weinen hören kann. Ruhig verbeißt Chaim jeden Schmerz. Er keucht mit seinem Karren dahin, während durch sein brennendes Gehirn blitzschnell und verworren die Gedanken an sein vergangenes Glück fliehen. Er hat doch früher, noch bis gestern, eine eigene Häuslichkeit besessen, worin er sich so selig gefühlt hatte. Wie glücklich kam er sich doch in seiner ärmlichen Hütte mit dem Strohdach und ohne Schornstein vor; sie bestand zwar nur aus einer großen Stube und einer Küche, die weder gedielt noch gepflastert waren, sondern der Erdboden war hier nicht einmal eben, viele Grübchen waren darin, welche noch seine kleinen Kinder stets vergrößert und vermehrt hatten. Chaim selbst hatte das Mobilar zu seiner Wohnung verfertigt. In der Nähe des Fensters hatte er vier Pfähle in den Boden sestgeschlagen und darüber ein großes Brett gelegt, welches der Tisch war, zu beiden Seiten dieses Tisches hatte er Bänke angebracht; auch einen Schrank, welcher einem großen, schmalen Kasten ähnlich war, und Betten hatte er selbst angesertigt. Wie glücklich hatte er sich gefühlt, als er damals am Tisch bei seiner Arbeit saß, und er ein schreiendes Kind, um es zu beruhigen, auf den Tisch setzte, wo es dann neugierig und erstaunt zusah, wie der Vater so schnell und rastlos die Nadel führte. Doch seit gestern ist nun all sein Familienglück durch den großen Brand zerstört. Die Schneiderei hat jetzt aufgehört, Niemand denkt jetzt daran, sich ein Kleid zu machen. Diese unglückliche Lage seiner Familie schwebt ihm unaufhörlich und lebhaft vor Augen, sobald er ermüdet eine Pause machen will. Und dieser Gedanke an Weib und Kind verleiht ihm inimer wieder neue Kräfte, denn durch ihn werden sie ja nicht vor Hunger sterben Die Steine stechen ihn zwar erbärmlich, Chaim krümmt sich vor Schmerz uttb ächzt; ein schmerzliches und zugleich zuckendes Gefühl verspürt er an den Füßen. (Schluß folgt.) Wochen - Kalender. Donnerstag, 7. Juli, 17. Thamus, noipn *"*. Freitag, 8. Juli, 18. Thamus. Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M. 8 Uhr — Min. Samstag, 0. Juli, 19. Thamus, nam Driys. Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt a. M. 9 Uhr 9.7 Min. — Berlin 9 Uhr 21 Min. — München 9 Uhr 08 Min. — Hannover 9 Uhr 87 Mm. — Stuttgart 9 Uhr 28 Min. — Prag 9 Uhr 7 Min. — Straßburg 9 Uhr 25 Min. — Posen 9 Uhr 7 Min. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bet der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder oterteljahrckich. Me Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch L. f. -trtvacker, Lripstg, Zlohplah 16. — Inserate 25 Pfennig die4svaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Dtrecte Francozusendung unter Streifband vro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 ReichS-Mark oder 8 fl. Ssterr.» für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Girre «üdsendnng »er ** »t# Rdttthtt etrrgesarrdterr Manuskripten findet rrtcht statt, map »Met deshalh, stch vor» alle« Einsendungen eine Eopie zurückzndehalte«. Inhalt (Hanptvlatt). Leitender Artikel: Die israel. Religionsgesellschaft und der Vorstand der Cultusgemeinde Zürich. (Fortsetzung) — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Chemnitz. Breslau. Maursmünster. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. Italien: Rom. Frankreich: Paris. England: London. — Vermischtes. — Feuilleton: Der jüdische Erdarbeiter. Eine Skizze aus dem russischen Leben. Von I. Scheftelowitz, stuä. phil. Inhalt her Beilage r Leitender Artikel: Die Lage in Galizien. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Liegnitz. Kattowitz. England: London. Palästina: Jerusalem. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. # Hi««»« «ine Beilag«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.