Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 52 (4.7.1898)
- Date
- 1898-07-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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956 bei den Schülern Erscheinungen von Haß gegenüber Israeliten zeigen, oder sollte irgend eine Lehrperson den oberwähnten Pflichten nicht völlig Nachkommen oder vielleicht gar die Schule zur Förderung von gegen die Bekenner des jüdischen Glaubens feindseligen Anschauungen mißbrauchen, so ist sofort mit aller Strenge nach den Disziplinarvorschriften einzuschreiten." Italien.? Rom. Die italienischen Juden sind zum Dank für die ihnen gewährte Gleichberechtigung mit einem seltenen Feuereifer in alle kulturellen Bestrebungen Italiens eingetreten. So haben eben wieder zwei jüdische Gelehrte Bito Bolterra und CorradoSegrH, Prosefforen an derTuriner Universität, von der Akademie del Lincei den höchsten Preis für ihre mathematische Arbeit erhalten. Ferner ist der Profesior der Statistik Settomio Piperno durch königliches Dekret vom 5. Juni zum Mitglieds des obersten Rathes für Statistik in Italien ernannt worden. — Signor Attilio Beer, Ingenieur in Pesaro, hat eine wichtige Erfindung produzirt. nämlich einen elektrischen Apparat, der selbstthätig auf jeder Lokomotive einen auf demselben Geleise kommenden Elsenbahnzug anzeigt und so die Gefahr eines Zusammenstoßes auf ein Minimum reduzirt. Fachleute haben sich sehr günstig über die neue Erfindung ausgesprochen. Frankreich. V Paris Das Central-Komitee der Alliance Jsraelite Universelle hat sich in der letzten Zeit viel mit der unglücklichen Situation zu beschäftigen gehabt, welche durch die neue Einwanderung von yemenischen Juden in Alexandrien entstanden ist. Zunächst ist eine Summe bewilligt worden, um der momentanen Noth abzuhelsen. Die Hauptschwierigkeit aber liegt darin, daß durch die Einwanderung dieser armen Leute nach Jerusalem dort die Masie der erwerbslosen Bevölkerung verrnehrt würde. Das Central-Komitee glaubt, daß es möglich sein müßte, für die Iemniten in Aegypten Arbeit zu finden und hat in diesem Sinne Instruktionen an seine Vertreter nach Alexandrien gegeben. Uebrigens verlautet aus Jemen durchaus nichts von neuen Unruhen gegen die Juden. Es scheint daher, als kämen die Flüchtlinge aus denjenigen Theilen des Landes, die neuerdings in die Hände der Araber gekommen sind, während so weit der Machtbereich der türkischen Truppen reicht, die Juden mit ihrer Lage ganz zufrieden sind. England.? London. Im Oberhause fand bic zweite Lesung der Fremdenbill statt und wurde dieselbe auch diesmal mit 79 gegen 32 Stimmen angenommen. Die Debatte drehte sich diesmal ganz ausschließlich um einen Paragraphen, der, wie folgt, kautet: „Inspektoren und Äerzte, welche vom Handelsamt angestellt sind, sollen jedes Schiff, das Einwanderer nach irgend einem Hafen des vereinigten Könige bringt, ber seiner Ankunft besuchen und auch die Paffagiere inspiziren. Ein jeder Inspektor ist berechtigt die Landung jedes Fremden zu verbieten, der seiner Meinung nach Idiot, geisteskrank, arm ist, oder nach seiner Auffassung der Allgemeinheit zur Last fallen könnte, oder endlich an einer gefährlichen, ansteckenden oder infektiösen Krankheit leidet." Dieser Paragraph ist so dehnbar, daß ein bösgesinnter Inspektor die ganze Einwanderung unterbinden kann, selbst wenn die Regierung gar nicht auf das Ziel hinarbeitete. Der Regierung ist es vollends eine leichte Handhabe alle Elemente fern zu halten, die nach irgend einer Richtung ihr unbequem erscheinen. Gerade deßhalb aber befürwortet die Regierung das neue Gesetz, das einen Bruch mit der alten englischen Tradition bedeutet, und ihre gefügige Majorität hat denn auch trotz der liberalen Opposition die Vorlage angenommen. Die Board os Deputies hat sich in seiner letzten Sitzung auch mit dieser Gefahr beschäftigt uno beschloffen alles Material statistisch zusammenstellen zu lassen, um den Beweis zu führen, daß die jüdische Einwanderung weder eine Gefahr noch eine Last für England bedeutet. Dies neue Material soll für die Diskussion im Unterhause verwendet werden. Vermischtes Liffa Die hiesige Strafkammer hat den Dienstjungen Hentfchel aus Schlichtingsheim, der in die dortige Synagoge eingebrochen war, dieselbe verunreinigt und mehrere Gegenstände daraus gestohlen hatte, zu 3 Monaten Gefäng niß oerurtheilt. Feuilleton. Der jüdische Erdarbeiter. Eine Skizze aus dem russischen Leben. Von I. Scheftelowitz, stuck, phil. fNachdruck verboten.! Reges Treiben herrscht auf der hügeligen und sumpfigen Landstraße, die von Skodwill nach Upinen führt, denn es wird hier eine neue Chaussee angelegt, woran man schon seit einigen Wochen baut. Noch vor Tagesbeginn wird es bereits auf der Landstraße lebhaft, da sich schon zur frühen Stunde die Arbeiter einfinden. Der Aufseher, der in dem kleinen