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Der Israelit · 1898-07-04 · Heft 52 (4.7.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 52 (4.7.1898)
Date
1898-07-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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955 Als darauf Militär herbeigezogen wurde, zogen sich die Aufständischen in das Gebirge zurück und konnten zum Theil erst nach langen Tagen eingebracht werden. Weitere Ausschreitungen gegen unsere Glaubensgenoffen kamen im Oberelsaß in Dürmenach vor, wo die Rebellen, nachdem sie die meisten jüdischenHäuser, deren Bewohner nächtlicherweise nach der Schweiz sich geflüchtet, demolirt, geplündert, verwüstet hatten, ihre ruchlose Wuth und Rachsucht auch an der Synagoge und an den muri 'ibe in schändlichster Art ausgeübt, ferner in Oberdorf, Hagcnthal, Hegenheim und Niedersept; im Unterelsaß in Mutzig, in Hoch, feloen und hier in Maursmünfter. In Mutzig schienen die bereits begonnenen Ausschreitungen einen sehr ernsten Charakter anzunehmen, in denen mehrere hundert Arbeiter, die in der damals dort bestehenden Gewehrfabrik beschäftigt waren, den Anführern der Pöbelbande ihre Mithülfe zngesagt haben, wenn nicht, nächst der "7 mw der Commandant der genannten Fabrik, der eine *?iw> 2ms war, auf freier Straße in einer von ihm anberaumten öffentlichen Arbeiterversammlung den Arbeitern erklärt hätte, daß all diejenigen Arbeiter, die es wagen sollten, eine Hand nur feindselig gegen die jüdischen Einwohner zu erheben, sofort aus der Fabrik entlasten und ihrespätere Berechtigung verlieren werden, und wenn er nicht zur ferneren Sicherheit ein Bataillon Militär aus Straßburg herbeigezogen hätte, das von April bis Ende Juni bei den Mutzigen Bürgern cinquartirt blieb. Um so schlimmer aber ging es hier in Maursmünfter zu, schlimmer als in irgend einem anderen Orte. Die Ausschreitungen, zu denen der hiesige Pöbel sich hinreißen ließ, waren so haarsträubend, spotteten derartig jeder Beschreibung, waren so gefahrdrohend für nichtjüdische hiesige Bürger, die mit den hiesigen Juden auf gutem Fuße standen, daß die Ortspolizci mit Einsetzung ihres eigenen Lebens sich genöthrgt fühlte, neun Hauptschuldige in das Zaberner Gefängniß zu bringen. Das geschah Samstag den 1. April. Sonntag den 2. April aber kam eine Schaar Bewaffneter von hier nach Zabern, die von der dortigen Gerichtsbehörde die sofortige Freilassung der Gefangenen verlangte. Anfangs suchte die Gerichtsbehörde diesem Ansinnen zu widerstehen und ließ „Alarm" blasen. Allein von den 775 Nationalgardisten erschienen etwa 25 und die Gefangenen mußten fceigelaffen werden. Infolgedessen ging es in Zabern die ganze Rächt hindurch gegen die dortigen Juden ziemlich hoch her und die Unruhestifter erlaubten sich manche Ausschreitungen. Am nächsten Tage zogen die Bewaffneten an der Spitze der freigelafsenen Gefangenen zum Schrecken der hiesigen Juden hierher zurück. Auf Veranlaffung der Behörde wurde sofort in aller Eile von Straßburg aus Truppen herbeigezogen und in die Nacht vom 6. zum 7. April sollten die Schuldigen wieder eingeholt werden. So leicht ging das freilich nicht. Als der abgesandte Commisiär Glorin mit 800 Mann Truppen hierher kam, fand er die gesammte Bevölkerung unter den Waffen. Mit Flinten, Aexten, Rebmessern und Sensen bewaffnet, erwarteten sie den Angriff der Soldaten. Erst als auf eine Salve der Soldaten drei Bürger fielen, ergriffen die übrigen die Flucht und zogen sich in die Weinberge der Umgegend zurück. Glorin ließ Maursmünfter besetzen und ordnete an den darauffolgenden Tagen Streifwachen nach den benachbarten Orten an. Es konnte jedoch nur einer der gesuchten Gefangenen eingebracht werden. Am 13. April stellten sich die übrigen freiwillig dem Gericht. Außerdem wurden noch weiter 13 Schuldige eingezogen. Am 26. Juni standen diese 24 Unruhestifter vor dem Schwurgericht zu Straßburg. Nach viertägigen Verhandlungen wurden den Geschworenen über 100 Fragen vorgelegt. Nach zweistündiger Berathung brachte der Obmann derselben ein Nichlschuldig und das Gericht sprach sie sämmtlich frei. O e st e r r.- ll n g a r. Monarchie. Prag, 28. Juni. Der Bezirksschulrath von Klattau hat nnter dem 13. d. M. an alle Schulleitungen des Bezirkes ein Rundschreiben gerichtet, in welchem es heißt: „Die judenfeindlichen Ausschreitungen, welche sich in letzter Zeit an einigen Orten ereigneten und die zum großen Theile nicht nur zur Beschädigung des Eigenihums dem jüdischen Bekenntnisse angehöriger Personen gediehen sind, machen es nothwendig, daß der antisemitischen Bewegung eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet werde. In dieser Hinsicht soll die Schule dahin wirken, daß die Heranwachsende Jagend von Allem abgewendet werde, was sich nicht mit der Humantität verträgt, welche die Schule zu pflegen hat. Indem ich auf den Erlaß des Landesschulrathcs vom 8. März I8it5, der zur Ermunterung, zur Verträglichkeit in nationaler religiöser Hinsicht an den Schulen appellirt, verweise, trage ich den Leitungen der öffentlichen und privaten Volks- und Bürgerschulen auf, ven ihnen untenstehenden Lehrkräften diesen Erlaß in Erinnerung zu bringen und sie nachdrücklich aufmerksam zu machen, daß es ihre Erzieherpflicht ist, die Schüler zur Verträglichkeit auch gegen die Angehörigen deS israelitischen Glaubensbekenntnisses anzuleiten und daß jede einzelne Lehrkraft in dieser Beziehung der Schuljugend nicht nur selbst mit gutem Beispiele 'vorangehen, fon; dern auch über oas Verhalten der Schüler in- und außerhalb der Schule auf das Eifrigste zu wachen haben soll. Den Bezirksschulinspektoren wird aufgetragen, dieser Angelegenheit volle Aufmerksamkeit zu widmen und insbesondere bei den Schulinspekloren in dieser Richtung strengste Aufsicht zu üben. Sollten sich

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