Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 52 (4.7.1898)
- Date
- 1898-07-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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^*!^‘^^’^*:fVi^r*W-W^r^>'' ■>pPt:TiV~>' 954 einem Pfennig von ihm bedacht wurde! Der jüdischen Wohlthätigkeit steht also hier noch ein weites Gebiet offen. Wünschen wir, daß unsere Anstalt recht bald so gestellt wird, wie sie es verdient, damit sie auch künftighin ungehemmt dem Ziel nachftrebe, das sie sich gesteckt, die unglücklichen Taubstummen in unserer Glaubensgemeinschaft zu brauchbaren Menschen beranzubilden. iVrattffurt a. M., l. Juli. Der „Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit" hat mit dem heutigen Tag seine Thätigkeit begonnen. Die frohen Hoffnungen, die sich an seine Gründung knüpften, haben wenigstens nach einer Richtung bereits eine rasche Verwirklichung gefunden, denn es ist der Vereinsleitung gelungen eine Verständigung mit dem Ham - bürg er und Breslauer Stellenvermittelungs- Verein herbeizuführen, so daß die drei Vereine aus diesem Gebiete künftig Hand in Hand arbeiten werden. Auch die Mitgliederzahl des jungen Vereins ist in raschem Wachsthum begriffen; das dritte Hundert dürfte in aller Kürze voll werden. Soll freilich der Verein seiner hohen Mission in umfassender Weise gerecht werden, dann muß er sich noch auf eine größere Schaar von Mitgliedern stützen können und vor allem müssen die einmaligen Gaben zum Reservefonds noch weit reichlicher fließen als bisher, wo vorwiegend Beiträge aus Frankfurt selbst gezeichnet wurden. Wir können daher unsre wohlhabenden Glaubensgenossen, denen die Zukunft des orthodoxen Judenthums in Deutschland am Herzen liegt, nur immer wieder mahnen, dem „V e rein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit" als außerordentliche Mitglieder (geringster Jahresbeitrag M. 5) beizutreten und seinen Reservefonds mit größeren einmaligen Zuwendungen zu beoenken. Anmeldungen und Beiträge nimmt der Kassier des Vereins Herr Emanuel Ettinghausen, Zeil 55, Frankfurt a. M. entgegen. H. Chemnitz, 25. Juni. Die alte jüdische Synagoge im Hofraume des Hauses Neugaffe 6, in welcher am Samstag die Abschiedsfeier der hiesigen jüdischen Gemeinde stattfinden sollte, bot heute ein Bild schrecklicher Verwüstung. Da der jetzige Besitzer, Herr E. E. Meyer, Rohprodukten- und Althändler, auf seinem Areale große Niederlagsgebäude durch Herrn Baumeister Stadtrath Duderftädt errichten lassen will und der Grund hierzu bereits tief, bis 1,20 Meter, an die nicht tief fundirte Synagoge ausgeschachtet worden war, so senkte sich diese Nachts ohne vorher zu bemerkende Anzeichen die Grundmauer der Vorderfront in einer Länge von über 10 Meter und stürzte die etwa 6 Meter hohe ganze mit Balken gestützte Vorderwand mit den Fenstern unter weithin vernehmbarem, die Nachtruhe störenden Gepolter in die Synagoge hinein. Sämmtliche Bänke in der vorderen Hälfte der Synagoge bis an die gegenüberliegende Wand hin sind zerschlagen, nur der Almemor blieb unversehrt. Ein Schutthaufen bedeckt die Stätte. Als ein Glück kann man es bezeichnen, daß die Katastrophe nicht Freitag gegen Abend, wo sonst stets Andächtige in der Synagoge sich aufhalten, oder gar morgens zur Abschiedsfeier bei überfüllter Synagoge eingetreten ist. Man war eifrig bemüht, die noch stehende gefährdete Seitenwand und das in der Luft schwebende Dach zu stützen, um weitere Senkungen und Einstürze zu verhüten. W. Breslau, 50. Juni. Der israelitische Jungfrauenverein, dessen Zweck „der Förderung ehrenwerther Erwerbsthätigkeit unter den armen jüdischen Mädchen und Frauen hiesigen Ortes durch fernere Bildung zu einem ihren Fähigkeiten angemessenen Lebensberufe, sowie durch Unterstützung und Belohnung ansdauernden Fleißes" ist, wird von einem ComitL geleitet, das aus sechs Jungfrauen und fünf verheiratheten Ehrendamen besteht. Diesem Comilö steht ein Curator, zur Zeit Rechtsanwalt Dr. Honigmann, zur Führung der Geschäfte zur Seite. Der Vorstand der Synagogengemeinde übt die ihm zustehende Aufsicht über den Verein durch einen Commiffarius, zur Zeit durch Herrn L. Guttentag, aus. Gegenwärtig zählt der Verein über 400 Mitglieder; er hatte in den Jahren 1894 bis 1897, über die ein Gesammtverwaltungsbericht vorliegt, eine Reihe zum Theil sehr ansehnlicher Geschenke zur Förderung seiner Zwecke zu verzeichnen. Das Vereinsvermögen ist auf 20,900 Mk. in Staatspapieren gestiegen. In dem letzten Verwaltungsjahre erhielten Unterstützungen: vier Seminaristinnen, sechs Musikschülerinnen, eine Kindergärtnerin, zwei Kinderpflegerinnen, zwei Schneiderinnen, elf Stipendiatinnen; ferner empfingen Beihilfe zur Erlernung der weiblichen Handarbeiten vier, der Buchführung sechszehn, des Frisirens zwei, zur Anzahlung auf Nähmaschinen neun, zur Erlernung des Stickens und Zeichnens zwei und als einmalige Unterstützung zehn Personen. Maursmünster (Unter-Elsaß), 28. Juni. (Vor 50 Jahre n.) Die letzten Tage dieses Monats rufen in dem Herzen der hiesigen jüdischen Gemeinde eine fünfzigjährige trübselige Erinnerung wach, die durch Ihr vielverbreitetes geschätztes Blatt der Mit- und Nachwelt, insbesondere aber unseren spätesten Nachkommen, aufbewahrt bleiben möge. Infolge der vor 50 Jahren, im Jahre 1848 ausgebrochenen Februarrevolution waren bekanntlich an verschiedenen Punkten des Ober- und Unter-Elsaß unsere Glaubensgenossen verfolgt worden und der Pöbel hatte sich gegen sie zu schlimmen Ausschreitungen hinreißen lassen. So wurde z. B. in Altkirch die Synagoge von Grund aus zerstört und die Gemeindebehörde stand den Unordnungen machtlos gegenüber.