Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 51 (30.6.1898)
- Date
- 1898-06-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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941 gleich geliebt und verehrt. So war denn auch sein 50jährigeS Lehrerjubiläum, das der bescheidene Mann gar nicht bekannt werden lasten wollte, der Allen erwünschte Anlaß zu Ehrungen mancherlei Art. Im Rahmen der Festpredigt wurde der nichts ahnende Jubilar von Herrn Rabbiner Dr. Schiffer gefeiert,- nach beendetem Gottesdienst wurden ihm Seitens der Schuljugend Ovationen bereitet, Namens dieser und der Israelitischen Neligionsgesellschaft Ehrengeschenke überreicht. Möge es Herrn Mansbach vergönnt sein, wie es auch sein in rührenden Worten ausgesprochener Herzenswunsch ist, noch lange Jahre in seitheriger Geistessrische weiter zu wirken! R. Viersen, 27. Juni. Mit Bezugnahme auf den Beschluß der Stadtverordneten vom 9. Mai er. betr. Einschränkung des Schächtens im hiesigen Schlachthofe, welche am 1. Oktober er. dahin eintreten soll, daß nur jüdischen Metzgern das Schächten und zwar wöchentlich je ein Stück Großvieh und ein Stück Kleinvieh gestattet sein soll, hat der Vorsitzende der Synagogengemeinde M.-Gladbach, der die hiesige jüdische Gemeinde unterstellt ist, einen sehr umfassenden Antrag auf Aufhebung bezw. Aendernng dieses Beschlusses eingereicht. In Rücksicht auf den in dem Schreiben betonten Eingriff in wichtige Bestimmungen der jüdischen Religion erklärten der Vorsitzende wie auch die Stadtverordneten, daß antisemitische Tendenzen bei Fassung dieses Beschlusses keinen Einfluß ausgeübt haben. Die Schlachthofdeputation wurde mit der weiteren Prüfung der Angelegenheit beauftragt. Afrika.? Algier. Es scheint nicht, als wenn wir Jilden Aussicht darauf haben, daß sich die Verhältnisse hier bessern. Zwar hat man uns mitgetheilt, daß das Ministerium eine Versöhnungsaktion eingeleitet habe, die in Algier wieder den allgemeinen Frieden Herstellen soll. Allein wir können bisher wenig davon merken. Die Antisemiten nehmen noch jede Gelegenheit wahr, um Exzesse herbeizuführen, und scheuen dabei weder die Polizei noch sogar die bewaffnete Macht. Am U. Juni schiffte sich Frau Lepine, die Frau unseres Gouverneurs mit ihren Kindern nach Frankreich ein, wobei der Pöbel die Gelegenheit benutzte, ihr unter Pfeifen und Schimpfen das Geleit zu geben. Als die Polizei einschreiten wvllte, kam es zu Thätlichkeiten. Bei dieser Gelegenheit intervenirte der Oberstlieutenant von Massieure, um einen Polizisten vor der Uebermacht des Pöbels in Schutz zu nehmen. Dieser aber hatte auch vor seiner Uniform keinen Respect und vergriff sich an ihm. Durch einen Steinwurf wurde der Oberstlieutenant an der Schulter erheblich verletzt, und nur die rechtzeitige Ankunft einer frischen Polizeiabtheilung rettete ihn vor Schlimmerem. Einige Tage später wiederholte sich genau dasselbe gegen den Kapitän Girier vom ersten Zuavenregiment. Bei Gelegenheit der Entlassung von Max RegiS aus dem Gefängniß erwarteten 10,000 Personen den Messias der Antisemiten und machten aus seiner Entlassung ein großes Volksfest. Blumen, Palmen, Bouquets, Lorbeerkränze u. s. w. warf ihm das enthusiasmirte Volk zu, als er aus dem Gefängniß heraustrat. Junge Mädchen fielen ihm um den Hals und küßten ihn voll Begeisterung, zur höchsten Freude ihrer Ellern, denen der Anblick solches Glückes Thronen der Rührung erpreßte. Das Fest wäre natürlich nicht vollkommen gewesen, ohne eine regelrechte Judenhetze. Diesmal war es der arme Choukrouw, dem sein Unstern der tobenden Menge in die Hände führte. Trotz Soldaten und Gendarmen, die dem Zuge folgten, wurde er angegriffen und in wenigen Minuten halb todtgeschlagen, bevor ihn die bewaffnete Macht befreien konnte. Am Abend diese- Tages war große Galavorstellung im Circus, zu der nicht weniger als 8000 Personen versammelt waren und die Eröffnung der Feier von Max RegiS wurden durch Böllerschüsse dem harrenden Publikum angckttndigt. Von Paris aus tröstet man uns mit allen möglichen Schritten, welche die Regierung zur Herstellung des Friedens unternehmen will. Man hat auch 1,000,000 Frcs. gesammelt, aber diese Summe geht vollständig drauf für die Unterstützung in kleinen Raten, mit der man die momentane Roth unserer Glaubensgenossen zu lindern bestrebt ist. An größeren Unternehmungen, mit denen man den arbeitslosen Juden Verdienst schaffen könnte, ist bei diesen beschränkten Mitteln noch gar nicht zu denken. Viel Verstimmung erzeugt hier auch unter unseren Glaubensgenossen die Abberufung des Präfekten Granet und einigen richterlichen Beamten, die sich durch ihr Eintreten für die gerechte Sache der Juden bei den Antisemiten mißliebig gemacht haben. Seit Drumom's Emfluß bei dem Ministerium in Paris maßgebend geworden ist, werden leiver nach und nach alle Beamten abberufen, welche gewagt haben, dem gesetzwidrigen Treiben der Antisemiten entgegen zu treten. Auch die Stellung des Generalgouverneurs Lepine gilt aus diesem Grunde für stark erschüttert. Sprechsaal. (Für diesen Theil übernimmt die Redaktion dem Leserkreis gegenüber nur d,e preßgeseyliche Verantwortung.) Um Mißverständnissen vorzubeugen, betone ich nochmals: daß ich in meiner Arbeit: «Die Nahrung des gesunden und kranken Magens" keinesfalls in der Hygiene den Grund, die alleinige Ursache der jüdischen Speisegesetze gesucht habe. Es ist vielmehr mein Bestreben, den Nachweis zu liefern, daß die Wirkung der Speisegesetze hygienisch heilsam ist. Diese meine Tendenz findet wie im Verlaufe der Arbeit vor