Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 51 (30.6.1898)
- Date
- 1898-06-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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T.f 940 sondern auch von seiner Verdaulichkeit ab. Diese beiden Begriffe, Nahrhaftigkeit und Verdaulichkeit, decken sich nämlich keinesfalls. Es kann ein Nahrungsmittel recht grosse Nährkraft besitzen, ohne doch dabei verdaulich zu sein. Die Eier, die Milch sind ja, wie eben gesagt, recht nahrhafte Produckte, und doch giebt es ganz gesunde Jndividuen, die gegen ihren Genuss sich empfindsam zeigen und sie schlecht verdauen. Diese Nahrungsmittel liegen ihnen wie Blei im Magen und werden gar oft nach längerer Zeit als unverdaute Massen erbrochen. Die Butter ist zwar durch einen hohen Nährwerth ausgezeichnet, erweist sich aber, in grösseren Mengen genossen, als recht schwer verdaulich. Aehnlich sieht es mit den anderen Nahrungsmitteln, mit Fleisch, Obst, Gemüse aus. Bei der Verdaulichkeit kommt es vor allem auf das Verhalten der Verdauungsorgane gegenüber den Nährstoffen irgend eines Nahrungsmittels an. Je weniger Widerstand seine Nährstoffe der Einwirkung des Verdauungssaftes entgeg ensetzen, je weniger sie den Magen belästigen und je schneller sie in die Körpersäfte überführt werden, desto verdaulicher sind sie. Die bessere oder schlechtere Verdaulichkeit eines Nahrungsmittels wird also bedingt durch die schnellere oder langsamere Löslichkeit seiner Nährstoffe in den Verdauungssäften und durch ihre schliessliche Ausnutzung im Körper. Wenn wir als Gradmesser der Verdaulichkeit die Eiweissstoffe oder Kohlehydrate gelten lassen, so finden wir, dass die animalischen Nahrungsmittel wie bezüglich der Nahrhaftigkeit, so auch bezüglich der Verdaulichkeit gegenüber den vegetabilischen sich im Vortheil befinden. Woher das kommt? Während bei den animalischen Nahrungsmitteln die Nährstoffe frei in einer für den Magensaft leicht zugänglichen Form enthalten sind, kommen sie in den Pflanzen meist in Zellhüllen eingeschlossen vor, welche der Einwirkung der Verdauungssäfte einen grösseren Widerstand entgegensetzen. So ist das Eiweiss im Fleische viel leichter löslich, verdaulicher als das Eiweiss in den Gemüsearten, den Kartoffeln, Bohnen oder Erbsen, Die Verdaulichkeit eines Nahrungsmittels hängt also von der Zeit ab, die bis zu seinem Eebergange in die Körpersäfte erforderlich ist. Die Zeit, welche die einzelnen Nahrungsmittel im Magen verweilen, schwankt zwischen ein und sechs Stunden. Danach berechnet, ergiebt sich folgende Scala der Verdaulichkeit, die zumal in der Diätetik für Magenkranke eine grosse Rolle spielt: Zu den am leichtesten verdaulichen Speisen gehören: gekochte Milch, Bouillon, Wassersuppen, weiche Eier, Zwieback. Jn die zweite Gruppe gehören: gekochtes Huhn, gekochte Taube, gekochtes Kalbshirn, gekochte Kalbsbrust, fein geschabtes Rindfleisch, Butter. Der dritten Gruppe sind zuzuzählen: leicht gebratenes Filet vom Rind, geröstete Semmeln, Kartoffelpüree, Milchkaffee. Es folgen an vierter Stelle die meisten gebratenen Fleischarten, gekochtes Fleisch, gesottener Fisch, Rühreier, Gemüse wie Blumenkohl, Spinat, Spargel, Reis, Kartoffel. Noch schwerer verdaulich sind einzelne Nahrungsmittel, vor allem Schwarzbrod, die Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen, ferner sehr fettes Fleisch, Pilze, sehr scharfe und gewürzreiche Speisen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten un- Korrespondenzen. Deutschland. E. Berlin, 27. Juni. Nach der bekannten Verfügung des Herrn Ministers des Innern vom 1. Mai 1897 kommen die zu Zuchthausstrafe verurtheilten Juden nicht mehr aus mehreren Provinzen zusammen in eine Anstalt, sondern verbleiben in den einzelnen Provinzen. Auf Anordnung der Centralstelle soll, wenn in einer Anstalt die Zahl der jüd. Jnternirten zehn übersteigt, von Seiten des Staates ein jüdischer Seelsorger bestellt werden. Im Februar d.J. betrug in der hiesigen Strafanstalt (Lehrterstraße) die Zahl der jüdischen Jnternirten bereits elf Die Direction der Strafanstalt ließ sich darauf in dankenswerther Weife sogleich die Bestellung eines jüdischen Seelsorgers angelegen sein und berief hierzu den aus dem Gebiete der Gefangenen-Seelsorge bereits bewährten städtischen Lehrer Herrn A. Levy, welcher die Thätigkeit zwar sofort übernahm, dieselbe jedoch erst seit Beginn des Etatsjahres (1. April cr.) im Aufträge der Staatsbehörde ausübt. X. Karlsruhe, im Juni. Ein Freudenfest für Groß und Klein war es, das wir hier am ersten Schowuoth-Tage begingen. Daffelbegalt demJubiläumunseres alloerehrten Herrn Simon Mansbach, welcher auf fünfzig Jahre fruchtbarster Thätigkeit als Lehrer und Erzieher der Heranwachsenden Jugend zurückblickt. Im Jahre 1830 geboren, trat Herr Mansbach im Jahre 1848 in den Lehrerberuf ein, kam 1866 mit dem Lehrinstitut des Herrn Dr. Plato hierher nach Karlsruhe und wirkt seit 1883 mit nimmer ermüdender Schaffensfreudigkeit an der Schule der Israelitischen Religionsgesesschaft, von Freunden und Schülern