Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 51 (30.6.1898)
- Date
- 1898-06-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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938 VI. «ettnng Esquiros war mit Gott versöhnt und seine Seele hatte sich im Gebete zum letzten schweren Gange gestärkt. Während er aber schon die gewaffnete Schaar erwartete, die ihn zum Tode führen sollte, ging der Regent unruhig in seinem Kabinete aus und ab. Er rieb ein Papier zwischen den Händen und brummte leise vor sich hin. Mit furchtbarer Schwere war ihm der Gedanke an seine ganze verbrecherische Laufbahn auf die Seele gefallen, und er hatte einen tiefen Schauder gefühlt, als sich die heut zu vollbringende Schandthat in ihrer ganzen Schwärze vor seinem geistigen Auge entrollte. Sein Uriheil war theils einer heftigen Zornesaufwallung, theils den giftigen Einflüsterungen Dubois zuzuschreiben, der Esquiros' finanziellen Einfluß sich zuzuertheilen gedachte, und dem jeder Redliche ein Dorn im Auge war. Deßhalb hatte er in der letzten Nacht seinen Sinn geändert, und war nur noch unschlüssig, weil er Dubois fürchtete. „Die Zeit vergeht," sagte er, die Augen starr auf die Wanduhr richtend — „so ist'S für Dubois daffelbe — Blut genug diese Woche vergvsien — doch wenn Dubois" — jetzt hörte er dessen Tritte; hastig ergriff er die Klingel und übergab dem eintretendeu Diener mit einigen hastigen Worten das Papier, der schleunigst durch eine Seitenthür forteilte. Schon hatte Esquiros den Fuß auf die schreckliche Leiter gesetzt, da hörte man Pferdetritte, ein weißes Tuch flatterte, und Gnade, Gnade, scholl es im jubelnden Volkshaufen. Der Eilbote übergab einen Befehl des Regenten dem obersten Magistrat, der zugegen war, und dieser verlas denselben. Esquiros Todesurtheil war in ewige Verbannung aus I Frankreich umgewandelt; ein Drittel seines Vermögens sollte dem Staate zufallen, der Rest ihm mitzunehmen erlaubt sein. Im Triumph ward der Gerettete nach Hause geleitet, wo ihn die so plötzlich überraschte Familie mit Entzücken empfing. * * -sc „Jetzt aber, meine Lieben," sprach Esquiros, nachdem der erste Freudensturm sich gelegt und sie allein waren, „jetzt ist mein Entschluß gefaßt. Wir ziehen von der Fremde in die wahre Heimath, wir ziehen ins Land unserer Väter, wir schlagen fortan unsere Zelte in Palästina auf. Der Herr, der mich wunderbar erhalten, will, daß ich in seinem Lande meinen Leib dereinst zur Ruhe lege, ich folge seinem Rufe. Laßt uns dies unglückliche Land ohne Groll verlassen, und zum Herrn beten, daß er es schütze und aus dem Elend errette, denn ich fürchte, daß eine blutige Ernte der blutigen Aussaat folgt. Wir aber wollen fern von der Welt in stiller Zurückgezogenheit leben und unfern Brüdern helfen wie wir können; aus, mein Weib, meine Kinder, nach Jerusalem!" Und also geschah es. Als die letzten Streifen der französischen Küste aus der Gesichtsweite der verbannten Familie entschwanden, da drückte Esquiros Benjamin an sein Herz und sagte leise: „Dorthin wird auch dereinst der Erlöser kommen!" Und als die Strahlen der Sonne Afrikas Küsten vor ihren Blicken vergoldeten, da schlug der Gerettete das Auge zum Himmel auf, und in dem Auge lag ein Gebet, erhaben und inbrünstig, wie das der Engel, die den Thron Gottes mit majestätischem Hymnengesang umschweben. Ende. Der „Israelit" erscheint wSehevtlich zweimal, Montags und Donnerstag;», jedesmal in mindestens -sei Boa«. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder »ierttyahrkch. Alle Buchhandlung« und Postämter nehm« Bestellungen an. — Per Buchhandel Verkehrt durch C. f. fitrinacker, Lesiistg, Ilohplatz 1k. — Inserate 25 Pfennig die 4spaltige Petitzelle oder deren Raum. Preis der Zelle sin Reclametbrll 75 Pfennig. — Direete Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark ober 8 fl. Ssterr., für'S Ausland 16 RetchS-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Siüdfendnng «MiMttofttois eingesandten Manuseripten findet nicht statt, man bittet deshalb, fich von alle« «insendnngen eine Skopie zurückzudehalten. Inhalt (chanptvlatt). Leitender Artikel: Die Thora ein Lebensbild. Zu Paraschaih Chukath. Von Rabbiner Dr. B. Friedländer, Grätz. — Die Unruhen in Galizien. — Nachträgliches zu den Wahlen. — Personalien. Mitthei lungen aus den jüd. Armenvereinen u. für dieselben. — Feuilleton: Nathan Samuel Esquiros. (Erzählung aus der Zeit der Regentschaft. Schluß.) Jnbalt der ersten Beilage r Leitender Artikel: Die Nahrung des gesunden und kranken Magens. Von Dr. P. Münz, Nürnberg. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Karlsruhe. Viersen. Algier. — Sprechsaal. Inhalt der -weite« Beilager Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Rumänien: Bukarest. Extra-Beilage r Sprüche der Väter. Verantwortliche Rebaction: Oscür Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hier)« zwei BeUagen.