Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 51 (30.6.1898)
- Date
- 1898-06-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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934 verletzt und greift die menschliche Gesellschaft an wo und wie er kann, er wird zum Verbrecher, sinkt von Stufe zu Stufe und langt endlich beim Mörder an. Wir sehen vor uns eine wandelnde Leiche, einen lebendig Todten, das wandelnde Menschenzelt, in welchem das Menschenthum gestorben towa rr& *a dtk; wir sehen, wie dieses tobte Menschenthum das Menschenzelt seihst und alles, was sich darin befindet, die Gedanken und Gefühle, die Empfindungen und Herzensregungen, entweihet, entheiligt, herabwürdigt, verunreinigt und entmenscht hat. rrvv' D'B' jtwb\ Was aber schützt vor solchem Tode? Das ist die Gotteslehre, nnm nxi. Sie ist der Lebensbaum, der Leben spendet, ein Leben der Reinheit und der Lauterkeit, der Reinheit des Herzens und des Gemüthes, der Lauterkeit des Gedankens und des Empfindens, das ist die Thora, die den Menschen bildet und das Menschenthum grobzieht, die Liebe lehrt und vor Lieblosigkeit warnt. (Fortsetzung folgt.) Die Unruhen in Galizien. Lemberg, 27. Juni. In Alt-Sandec wurde am Samstag Abend während mehrerer Stunden von Bauern geplündert. Die Häuser und Läden am Ring sind ganz ausgeplündert und zerstört. Der Ringplatz bietet das Bild einer Ruine. Die geraubte Beute wurde von den Bauern auf Wagen fortgeführt, die außerhalb des Ortes bereitstanden. In Neu-Sandec unternahmen die Bauern einen planmäßigen Angriff. Kavallerie sprengte sie auseinander. Infanterie trieb sie dann nach einem förmlichen Handgemenge aus der Stadt und sperrte letztere durch einen Kordon ab. In den Vororten verwüsteten die Bauern dann alle von Juden bewohnten Häuser und steckten die Wirthshäuser in Brand. In Lancko mußte das Militär von der Feuerwaffe Gebrauch machen. Auch in der Gegend von Prczemysl werden Unruhen befürchtet. Militär soll dorthin entsandt werden. — Ueber die Exzesse im Reu-Sandecer Bezirke bringen polnische Blätter haarsträubende Details. In Alt-Sandec brannten Samstag Nachts zahlreiche Wirthshäuser lichterloh. Die jüdischen Bewohner wurden total ausgeplündert und beraubt. Bauernrotten mit bereitstehenden Führern haben sämmtliche Waaren weggeführt. An der Plünderung betheiligte sich die einheimische christliche Bevölkerung. Bei einem reichen Bürger wurden elf Säcke geraubten Kaffees beschlagnahmt. — Die „Gazetta Lwowska" meldet aus Neu- Sandec: Am Samstag früh wurde in den Häusern der Juden geplündert. Die Kaufläden, Wirthshäuser und die Spirituslagergebäude der Gutsbesitzer wurden angegriffen. Abends fanden in Alt-Sandec ebenfalls Ausschreitungen der Bauern statt. Sie stürzten sich auf ein Losungswort auf den Kaufladen unseres Glaubensgenossen Steinreich. Eine Kompagnie Infanterie schritt ein. In diesem Augenblick entströmten den Häusern ungefähr 2000 Ortsinsassen, die mehrere Juden gehörige Geschäfte überfielen. Das Militär machte von der Waffe Gebrauch und vertrieb die Menge. Mehrere Bauern wurden verwundet. Weitere Infanterie-Kompagnien sind dorthin abgegangen. In Koniuszowa wehrte ein Gendarm einen Ansturm auf zwei Wirthshäuser ab. 69 Ruhestörer wurden verhaftet. — In Neu- und Alt-Sandec herrscht Ruhe. Die Meldung, im Bezirk Strzygow hätten die Ausschreitungen sich wiederholt, entbehrt der Begründung und ist auf die mit den Ausschreitungen nicht zusammenhängende Ermordung eines Husarenkorporals im Rzeffower Bezirke zurückzuführen, deren Veranlasiung in einer Liebesaffaire liegt. Der Mörder, der schwachsinnig ist, und vier andere Personen, die ebenso wie der Mörder Bauern sind, wurden verhaftet. Im Bezirke Bochaca wurden gestern zwei Juden gehörende Häuser geplündert. Militär vertrieb die Ruhestörer. Lemberg, 28. Juni. Der Statthalter empfing in Neusandec zahlreiche Deputationen aus dem Bezirk. Er forderte energisch auf, Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten, und warnte vor den Agitatoren, die lügenhafte Gerüchte verbreiten. Der Statthalter stellte für den Fall, daß die Unruhen fortdauern, die schärfsten Maßregeln in Aussicht. Später begab sich der Statthalter nach Altsandec. In den Bezirken Bochnia und Strzyzvw ist nun vollständig Ruhe. — Nach einem Telegramm der polnischen Blätter aus Neu-Sandec begann dort gestern Abends der Mob in derselben Weise wie Tags vorher die Vorbereitungen zu einem ausgiebigen Rummel zu treffen. Auf dem Ringplatze sammelten sich zahlreiche verdächtige Individuen. Nur mit großer Mühe konnten Ausschreitungen verhütet werden. Die Cavallerie säuberte den Ringplatz und die Seitenstraßen. Der Zugang zum Ringplatze wurde durch einen Militärcordon abgeschlossen. Der Statthalter machte einen Rundgang durch die Stadt und informirte sich über die Lage. Um 10 Uhr Abends trieb ein strömender Regen den Pöbel auseinander. Militär-Patrouillen durchstreiften nachts die Straßen. Die Stadt ist von einem Militärcordon eingeschloffen, Niemand wird in die Stadt eingelaffen. Bei den Exzessen in Jazowsko wurde ein Bauer verwundet. Nach dem Bezirke Grybow wurde noch eine Compagnie Infanterie requirirt. — Aus den Bezirken Corlice und Hlinsko wer-