Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 51 (30.6.1898)
- Date
- 1898-06-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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932 nannte sie unbeschnitten, denn er sprach : n« nrAtsi 2222b rhj, Ihr sollt beschneiden die Vorhaut Eures Herzens, nvv -in, David nannte sie unrein, denn er flehete zu Gott, v'pbn 'b «“12 nrra 2b. Ein reines Herz erschaffe mir, 0 Gott, köü n2mn bbzc woraus sich doch ergiebt, daß das von der Sünde berührte Herz unrein sei. ttnv itnp nabt*. Der weise Salomo nannte sie Feindin, denn er sprach also von ihr: vnb nb'-rrn 2x11 vn. Hungert dein Feind, d. h. drängt und bedrängt er dich mit der quälenden Unbehaglichkeit des Hungers, dann erwehre dich sein, indem Du ihm das Brod der Gotteslehre vorsetzeft. bwsa «np inyz”. Der redegewaltige Jesaja, der für jeden Gedanken den entsprechenden Ausdruck hatte, nannte die Sünde einen Anstoß, denn er forderte die Menschheit im Hinblick auf sie auf: bivsö »*vr nw fr». Hebet weg den Anstoß aus dem Wege meines Volkes. ,'2u irnp topm». Der phantastereiche Prophet Ezechiel nannte sie Stein, denn in Bezug auf dieselbe verhieß er Israel im Namen Gottes: 2b ns wem 02HP20 f2ta. Und ich werde entfernen das steinerne Herz aus eurem Fleische. 'aex i*np Der Prophet Joel endlich nannte sie die im Verborgenen Auslauernde, denn also lautet sein Spruch von der Sünde: vv'bxv pmx \jiBxn r\x\ Und das, was im Verborgenen tückisch auffauert, will ich von euch entsernen. Was unser Schriftvers in biblischer Kürze mit den Worten ausspricht: bx «rr bs ^n>c nv' '2 ans a'ir ns2» kw i?nK2 ntrs b» bntn. So ein Mensch im Zelte stirbt, wird jeder, der in das Zelt geht, und alles, was im Zelte ist, unrein sieben Tage — wir sehen es in diesem anmuthigen Bilde unserer Weisen auf das Anschaulichste dargestellt. Denn stirbt erst der Mensch im Menschen, stirbt in ihm sein Menschenthum, dann wird auch alles im Menschenzelte unrein für die ganze Lebensvauer, für das ganze als Durchschnittsmaß von der Bibel hingestellte Menschenleben. Wie aber der Mensch durch das eingeathmete Sündengift hinsiecht und allmählich hinstirbt; welche Etappen die Sünde auf ihrem gefährlichen Wege zurücklegt bis sie ihr Ziel erreicht; wie 'sie ihr Zerstörungswerk schon im Herzen der zarten Kinder beginnt und beharrlich fortsetzt — das zeichnet unser Bild mit satten Farben zum Nutzen und Frommen von Eltern und Erziehern. In diesem lebenstreuen, meisterhaften Bilde sehen wir den Weg der Sünde vor uns sich ausdehnen: er läuft aus von der Wiege und mündet ein in^S Grab, vnsjo jn jhktt nb ix* »2. Der Trieb des menschlichen Herzen ist böse von Jugend au. Die Keime und Ansätze der Sünde, sie beginnen mit der Kindheit. Die Sünde, wie die Tugend, sie entspringen nicht vollendet dem menschlichen Herzen, sie entwickeln sich vielmehr nach und nach aus unsichtbaren Keimen, aus unscheinbaren Ansätzen, aus kleinen Anfängen. Dort, wo das ungeübte Auge am Kinde nichts als ergötzliche Unart wahrnimmt, bemerkt das tiefer blickende, scharfprüfende Erzieherauge den Sündenkeim, der entfernt 'werden muß, so er nicht zur unheilvollen Giftpflanze emporwuchern soll. Schon im Herzen der zarten Kinder regt die Sünde ihre schwarzen Schwingen, regen sich die bösen Triebe; schon im Kinde bemerkt das scharfblickende Erziehungsauge die Keime der Selbstsucht, deS Neides, der Mißgunst und der Engherzigkeit Und weil die Seelenkrankheit schon in so zartem Alter auftritt, so müssen auch die Mittel zu ihrer Bekämpfung so früh als möglich zur Anwendung gelangen. Schon am zarten Kinde muß des Erziehers Hand thätig sein, müffen die Sündenkeime mitgeschickter, geübter Hand entfernt werden. Allerdings gleicht die Sünde im ersten Aufkeimen nur einem unscheinbaren, dünnen Faden, aber lasier ihr nur erst Zeit zum Erstarken und dieser dünne Seidenfaden entwickelt und wächst sich allmählich zum dicken Wagenseil des Lasters aus. nan ^02^ nnb nen r6nm rnr n*»yn nnw. Werden die Sündrnkeime nicht bekämpft, so lange das kindliche Herz für äußere Eindrücke und Einwirkungen empfänglich ist, dann zieht sich um des Kindes Herz eine harte, zähe Kruste, eine Vorhaut, die es verstockt und unempfänglich macht allen Ermahnungen und Warnungen und Zurechtweisungen; dann betritt die Sünde die zweite Stufe, die der Orla b^s iK"ip w0. Und haben es Eltern und Erzieher versäumt, das Herz des Kindes für alles Edle und Gute empfänglich zu machen, so lange es noch weich und bildsam war; haben sie es dahin kommen lasten, daß sich um das Kindesherz die Orla der Verstocktheit gebildet, dann tritt die Pflicht gebieterisch an sie heran, zu beschneiden diese Vorhaut des Herzens. Doch denket nicht, daß das Kind auch ohne religiöse Herzensbildung moralisch gedeihen könne. Denn aus dem unbeschnittenen Herzen wird im Laufe der Zeit ein unreines Herz. Die Sünde betritt dann die dritte Stufe, die Stufe der Unreinheit, rrvv mpj m. Der Knabe mit dem unbeschnittenen Herzen entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einem Jüngling mit unreinem, der Tugend verschlossenen und nur dem Laster zugänglichen Herzen. Nun tritt der Jüngling in's Leben hinaus, wo ihm .das Laster tausend Fangarme entgegenstreckt, wo es feine süßesten, verlockendsten Töne vor ihm erschallen läßt, wo es ihm weich zuruft: “jn-6'2 urts nvs> „Freue dich, 0 Jüngling, ganz und voll und fchrankenlos Deiner lachenden, goldenen Jugend" und lege deinem genußfüchtigenHerzen keine Zügel an im herrlich prangenden Lebenslenze. Siehe, dieses farbenprächtige, vielgestaltige Leben mit all seinen berauschenden Freuden