Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 50 (27.6.1898)
- Date
- 1898-06-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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rische Thätigkeit rühmlichst bekannten Ludwig Stern als Schuldirektor wirkte und am '»»b nw jik imSym *b trrp nach schmerzvoller mehrwöchentlicher Krankheit im Alter von 68 Jahren aus dem Leben schied. Aron Blum war vor allem ein treuer Arbeiter im Weinberge des Herrn, ein seinem heiligen Berufe sich ganz hingebender Lehrer, ein Muster der Ordnung, der Pünktlichkeit, der Ausdauer, der Geduld und vor allem der Liebe zu seinem Berufe und zu den Kindern. Daher konnte er nicht nur auf eine lange, sondern auch auf eine erfolgreiche, gesegnete Lehrtätigkeit zurückschauen, batte er die Freude uno die Genugthuug, bei seinen zahlreichen Schülern, die heute theils im reiferen Mannesalter, theils in der reiferen Jugend stehen, die schönsten Früchte seiner mühevollen Arbeit zu erblicken und von denselben die Beweise der Liebe, Verehrung und Anerkennung entgegen zu nehmen. Wer konnte auch anders diesen bescheidenen, nur seinem Berufe lebenden Manne als mit Hochachtung und Ehrerbietung begegnen? Seine Beliebtheit mar eine allgemeine, sie war der Spiegel seines edlen Charakters, seiner Berufstreue, seines friedlichen, menschenfreundlichen Wesens. Von dieser allseitigen Achtung und Beliebtheit legte denn auch die große Betheiligung an seinem Leichenbegängnisse beredtes Zeugniß ab; ein unabsehbarer. Zug folgte der Leiche, vornan die Schüler und Lehrer der isr. Gemeindeschule, des isr. Seminars, der k. Realschule und der Gymnasien. Am Grabe sprach zunächst Herr Distrikts-Rabbiner Bamberger unter Zugrundelegung des Mischna- Abschnitts: „Sei von den Schülern Arons, friedliebend, menschenfreundlich und die Leute zur Lehre bringend", die hohen Tugenden des Verblichenen hervorhebend, besonders die Friedensliebe und die Menschenfreundlichkeit, die er auch als langjähriger Cassier des Wanderunterstützuungs-Vereins den Armen gegenüber zu bethätigen Gelegenheit hatte, und wie er es verstand, die Kinder zur Lehre heranzuziehen. Dann sprach Herr Dr. M. Braunschweiger im Namen des Lehrerkollegiums und Schulvorstands Worte des Dankes und der Verehrung dem langjährigen treuen Amtsgenossen und späteren Leiter der Schule aus. Mit dem Texte, den einst auch 21 auf einen großen Talmudlehrer anwandte : .-ffWB» nnn rissen men ab ssbt dx. „Wenn du dich einst niederlegst, so wirst du nicht zagen und liegst du, so ist süß dein Schlaf", begann der Redner, ein treues Lebensbild von dem Hingeschiedenen zu entwerfen und schilderte dessen Gewissenhaftigkeit, Pünktlichkeit und Ordnungsliebe im Amte, wie er damit Lehrern und Schülern ein leuchtendes Beispiel gab und wie ec diesen Lehrertugenden treu geblieben bis zum Ende seiner Thätigkeit, das erst vor kaum Va Jahre erfolgte. Er sollte die wohlverdiente Ruhe nicht lange genießen; aber „isiyn jwr npne süß werde nun der Schlaf des treuen Arbeiters sein." Hernach ergriff Herr Lehrer Gold st ein—Heidingsfeld, als Vorstand des isr. Lehrervereins für Bayern das Wort und dankte dem theuren Entschlafenen für die treuen Dienste, die er dem Vereine geleistet, indem er ein Mitbegründer und Förderer desselben gewesen. Sämmtliche Reden machten einen tiefen Eindruck auf die Zuhörer und gaben Ausdruck von dem schweren Verluste, den die Familie und die Gemeinde in dem Heimgegangenen erlitten. Mit dem Wunsche, daß den Leidtragenden Trost und für die entstandene Lücke Ersatz werde, schloß die ergreifende Trauerfeier.! O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. R,. Krakau. (Die Konsequenzen der V. Kurie.) Jeder, der mit den Berhältniffen Galiziens eingehend vertraut ist, mußte sich nach dem Ausgange der Reichsrathwahl in der V. Kurie, wo in Krakau und Lemberg Sozialisten ins Abgeordnetenhaus gewählt wurden, darüber klar sein, daß diese politische Errungenschaft des Volkes dereinst mit dem Blute und dem Habe vieler Juden in galizifchen Dörfern und Kleinstädten gesühnt wird, nachdem der Erfolg des Proletariates ausschließlich den Stimmen der Juden zugeschrieben wird. Wir Juden sind leider der Prügelknabe der Welt, wir werden im Großen und Kleinen als der Beweggrund jedes mißlichen Erreigniffes gehalten. Bricht ein amerikanisch-spanischer Krieg aus, so behaupten die Antisemiten, daß die Börsenspekulation und der Getreidering der Juden, diesen augefacht und herausgefordert haben; die Sprachverordnungen des Grafen Badeni sind ein Machwerk der jüdischen Berather desselben gewesen, daß die Geistlichkeit dazulande von sozialistischen Agitatoren angegriffen wird, ist die Ursache der Juden, weil sie alle Sozialisten sind und zur Kräftigung und Entwickelung der sozialistischen Partei in Galizien beigetrageu haben. Diese Behauptung ist aber eine irrige. In Galizien leben 600 000 jüdische Einwohner und über 600 000 derselben gehören noch der Orthodoxie an und augenscheinlich haben all diese keine Ahnung hievon, ob eine Weltströmung vorhanden sei, die den Namen Sozialismus trägt und geschweige was der Sozialismus eigentlich anstrebt, ob derselbe Gutes oder Schlechtes für die Menschen im Weltthale stiften will, das Ideal und das Bekenntniß dieser 600 000 Juden ist Gottesfurcht und sie huldigen ihren Führern, den Rabbinern, wie die gläubigen Christen der Geistlichkeit anhänglich sind. Es bleiben nur noch 200 000 Juden, welche zur „Intelligenz" und den sogenannten halbaufgeklärten Juden hierzulande zählen, darunter sind aber 70% wohlhabend