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Der Israelit · 1898-06-27 · Heft 50 (27.6.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 50 (27.6.1898)
Date
1898-06-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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917 Wahrheiten und Vorzüge den Sieg davon getragen hat, dann wird auch der Tag der vollen und wahren Freiheit nicht mehr fern sein, und Gott wird sein Volk von aller Schmach, die ihm seiner Sünden halber angehaftet und wegen der Geringschätzung der heiligen Thora es betroffen hat, erlösen. Dann bewahrheitet sich auch das Wort unserer Gelehrten seligen Andenkens: cfos xis rmn xeSn. „Das Studium der heiligen Thora wiegt alles Hohe und Erhabene auf." Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 27. Juni. Bei den Stichwahlen haben die Stimmen unserer Glaubensgenoffen vielfach den Ausschlag gegeben. So wäre hier in Mainz wohl kaum der Candidat der Centrumspartei durchgedrungen, wenn nicht einige hundert jüdische Stimmen, die vorher der Candidat der vereinigten liberalen Parteien erhielt, ihm zugefallen wären. Herr Dr. Schmitt hat es verdient, daß die Juden für ihn eintreten. Sein unerschrockener Kampf gegen den Antisemitismus, den er in der Hess. Kammer führte, ist ihm noch unvergessen. Auch in Karlsruhe spielten die „israelitischen Wähler" eine Rolle. Es wurde nämlich folgendes Circular versandt: Wir fordern Sie dringend auf, in der bevorstehenden Stichwahl ohne Rücksicht auf Ihre sonstige Partcistellung für den nationalliberalen Kandidaten Rechtsanwalt Dr. Schneider zu stimmen. Es handelt sich jetzt nicht darum, sich durch die Abstimmung für und gegen das nationalliberale Programm zu erklären. Wir wollen vielmehr darthun, daß die israeliiischen Staatsbürger ebenso wie alle treuen Unterthanen auf der Seite der staatlichen Ordnung stehcN. Zugleich wollen wir die Verleumdung widerlegen, daß die Juden aus selbstsüchtigen Gründen die zersetzenden Be-' strebungen der Sozialdemokratie in irgend einer Weise unterstützen. Aber keine Wahlenthaltung? Unter den bestehenden Verhältnissen kommt jede Stimmenenthaltung einer Unterstützung der Sozialdemokratie gleich. Mehrere israelitische Wähler." Die Karlsruher „Badische Presse" bemerkt hierzu: Bravo! Das ist ein erfreuliches Zeichen von Vaterlandsliebe! In Anbetracht der den Israeliten wohlbekannten hohen Stelle, von der dieses Circular ausgehl, steht es außer allem Zweifel, daß dieser Aufforderung auch von denjenigen Israeliten Folge geleistet werden wird, die sich sonst vielleicht der Wahl enthalten hätten. In Lübeck waren unsere Glaubensgenossen unschlüssig, ob sie dem Candidaten des Reichsvereins, Herrn Direktor Gebhard, ihre Stimme geben sollten, da er sich in einer Versammluüg in Travemünde ziemlich zweideutig über den Antisemitismus geäußert hatte. Herr Rabbiner Dr. Carlebach überzeugte sich sodann persönlich, daß derselbe von jeder antisemitischen Anwandlung frei sei und gab dies in einem offenen Brief seinen Gemeindemitgliedern kund. In Colmar im Elsaß hat sich der Candidat der Protestler und Cleriealen, Herr Preiß, sehr darüber erstaunt, daß die Israeliten ihn fallen gelaffen haben. In einem Brief aus Colmar erhält er nun im „Siecle" eine Antwort, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Die Cleriealen, sagt der Briefschreiber, hätten in der Dreyfußangelegenheit ihre Sympathieen für die Juden nicht bewiesen, infolgedessen habe auch der Protest „pur et simple“ aufgehört zu bestehen. Die Juden im Elsaß geben sich jetzt Mühe, gute Deutsche zu werden. Frankfurt a. M. In einer Ihrer jüngsten Nummern brachten Sie einen Auszug aus einer den Schulbesuch jüdischer Knaben betreffenden Verordnung vom Jahre 178t, welche eine, in jener Zeit außergewöhnliche Toleranz bekundet. Ich bin nun in der angenehmen Lage Ihren Lesern den Inhalt dieses Rescriptes wörtlich mitzutheilen, und ferner die Copie eines Schreibens, das wenige Wochen nach dem Erlaffe entstand, und uns bereits die Wirkung der Verordnung schildert, beizusügen. — Beide Schriftstücke fand ich in einem merkwürdigen Buche, das den Titel führt: „Judenbibliothek. Erstes und zweites Stück; Leipzig 1780 und 1787," auf dessen weiteren, höchst interessanten Inhalt ich an dieser Stelle später nochmals zurückkommen werde. — Louis Lamm. Das Rescript lautet: Kurfürstlich Mainzische Brrorduuug wegen der- Juden. Mainz, 27. September 1784. Demnach die sämmtliche, auf dem vorgewesenen Landtage versammelte Judenschaft sich erklärt hat, daß sie, wegen ihrer zerstreuten Wohnorte, wegen ihrer minder zahlreichen und minder bemittelten Judengemeinen, und zur Ersparung der Unkosten, keine allgemeine Judenschule errichten könne und wolle und solcher Gestalt der X 8 des GeneralrescriptS vom l). Febr. dss. Jahres auf sich berufen möge: so lassen Se. Kurf. Gnaden I. dieses gnädigst geschehen; in der Voraussetzung jedoch, daß die Juden, nach dieser Erklärung die C h r i st e n s ch u l e n besuchen, und daß sie sich dort zu tüchtigen Kurfürstl. Unterthanen bilden werden. Se. Kurf. Gn. bestätigen daher ganz vorzüglich die M IX. XI. XII. des besagten Generalsrescripts, und befehlen gnädigst, daß die Judenkinder an Schulgeld in keinem Falle mehr bezahlen sollen, als die christlichen Kinder; und daß die »Schullehrer sowohl, alsdw..christliche Schuljugend, worauf die Lehrer insonderheit zu sehen hätten, den jüdischen Schulkindern ja nicht mit Verachtung, sondern mit gleicher Rücksicht begegnen: und daß beyde die jüdische Jugend vorzüglich liebreich behandeln sollen. Gleichwie auch höchstgedachte Se. Kurf. Gn. die einige Absicht

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