Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 49 (23.6.1898)
- Date
- 1898-06-23
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem bei Hannover. Zweiter Berich t.*) Umfassend den Zeitraum vom 1. Juni 1895 bis zum 15. September 1897. (I. Fortsetzung.) Von den bislang zu Gehilfen herangebildeten Lehrlingen haben 7 Stellung in Gärtnereien gefunden (5 in Deutschland, 2 in Galizien); 1 ist in das Obst - Verwerthungs - Fach übergegangen, 1 verliess unsere Anstalt, um in eine höhere landwirtschaftliche Lehranstalt in Oesterreich einzutreten; 4 verblieben einstweilen als Gehilfen bei uns. Von diesen letzteren beabsichtigt einer, nach Nordamerika auszuwandern, während die anderen drei in Kürze die durch die freundliche Bemühung des Herrn Mich. Mos. Mainz in Frankfurt a. M. besorgten Gehilfen-Stellen antreten werden. Wir sind bestrebt, mit den ehemaligen Zöglingen in steter Verbindung zu bleiben, um ihnen, wenn möglich, helfend zur Seite stehen zu können. Der Vollständigkeit halber müssen wir allerdings auch berichten, dass ein Zögling nach kurzer Gehilfen-Thätigkeit die Gärtner-Laufbahn verlassen und sich einem anderen Fache zugewendet hat. Unser zweiter Lehrer, Herr J. Höxter, verliess die Anstalt im Herbste 1896, um sich weiteren Studien zu widmen; an seine Stelle trat Herr Saly Spier aus Gr. Krotzenberg. Unser erster Lehrer, Herr S. Bachrach, dessen Frau zugleich die Wirtschaft führte, siedelte am 1. April 1897 nach Hameln über; wir wählten an seiner Statt Herrn Alb. Silberberg aus Obersitzko, und übertrugen die Wirtschaftsführung dem Frl. Minna Herz aus Bodenwerder, der die erforderliche Anzahl Dienstboten unterstellt ist. Das Beamten -Personal der Gärtnerei besteht aus 1 Gärtnerei - Inspektor (Herr A. Steffen vom 1. Oktober 1897 an), 1 Ober-Gärtner (Herr F. Wasem) und 5 Gehilfen (1 jüdischer, 4 christliche); daneben werden 1 Fuhrknecht, 1 Magd und je nach Bedarf eine Anzahl Tagelöhner beschäftigt. Ausserdem befinden sich für vorkommende kleine Erneuerungen und Reparaturen, 1 Tischler und 1 (jüdischer) Schneider in der Anstalt, ferner 1 (jüdischer) Buchhalter für das Büreau. Der Gesundheitszustand der Zöglinge war G. s. D. vorzüglich; während der ganzen Berichtsperiode ist kein ernstlicher Krankheitsfall vorgekommen, und die körperliche Entwickelung fast sämmtlicher Knaben und Jünglinge kann als eine sehr erfreuliche bezeichnet werden; fast *) 9. Nr. 668. durchgängig konnten wir eine erhebliche Gewichtszunahme feststellen. Als Arzt der Anstalt ist Herr Dr. Baldewein in Limmer angestellt; die Zahnpflege der Zöglinge hat Herr A. Jacobsberg in Hannover in liebenswürdiger Weise kostenlos übernommen, wofür wir ihm auch an dieser Stelle besonders danken. Das im Frühjahre 1897 bezogene neue dreigeschossige Gebäude enthält Schlafräume für 24 Zöglinge (das ältere Hauptgebäude ist für 60 Zöglinge eingerichtet), sowie 2 grosse mit Zeichentischen ausgestattete Unterrichtssäle, die durch Oeffoen der breiten Verbindungsthür zu einer Aula von fast 80 qm Grundfläche, bei 5 m Höhe, verbunden werden können; in dieser Aula wird jetzt auch der Gottesdienst abgehalten. Das Gebäude enthält ferner die Wohnung des verheiratheten Obergärtners, dessen Frau für das christliche Personal Küche führt, ein Gehilfen-, Wohn- und Esszimmer, 4 Gehilfen- Schlafzimmer, ein Krankenzimmer, das Bureau und eine Vorrathskammer. In unmittelbarer Verbindung mit dem Hause sind weitere Gärtnerei - Betriebsgebäude erbaut und zwar: 1 Ueberwinterungsraum für Lorbeerbäume und sonstige Pflanzen, 1 Flieder-Treibhaus und 3 Gewächshäuser (2 Kulturhalter, 1 Vermehrungshaus). Nähere Angaben über das zugekaufte Land im Folgenden. Finanzielles. Gemäss der am Schlüsse unseres vorigen Berichts gegebenen Zusage legen wir die Rechnung über die uns zur Verfügung gestellten Geldmittel heute ausführlicher als damals vor. Sie erstreckt sich über einen Zeitraum von 19 Monaten; für die Folge wird sie gemäss unserem Statut stets ein Kalenderjahr umfassen, also am 31. December jeden Jahres abgeschlossen werden, und dementsprechend werden wir auch die uns freundlichste zugesagten Jahresbeiträge immer für ein Kalenderjahr erheben. Die uns zugegangenen einmaligen Spenden betrugen in den restlichen 7 Monaten des Jahres 1895 rund 24,000 Mark (ca. 15,000 Mark aus Frankfurt a. M.), dagegen in dem ganzen Jahre 1896 nur rund 6000 Mark, ein Rückgang, den wir bei der Verwaltung schmerzlich empfanden, da wir gezwungen wurden, die Mittel zu den nothwendigen Erweiterungen und Ver-