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Der Israelit · 1898-06-23 · Heft 49 (23.6.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 49 (23.6.1898)
Date
1898-06-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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905 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. D e u i j d; l a n b. R. Berlin, 19. Juni. Der Kaiser hat dem ihm oorgelegten Rciseplan für den Besuch Palästinas nunmehr seine Genehmigung ertheilt. Danach ist der Aufenthalt in Palästina auf 16 Tage bemessen. Das Oberhofmarschallamt ist damit beschäftigt, die zur Durchführung des Planes nöthigen Einzelheiten festzuietzen. Das Gefolge des Kaisers wird au? etwa 90 Personen bestehen. Das Ehrengeleit, das aller Voraussicht nach der Sultan unserem Herrscherpaar geben wird, dürfte diese Zahl um eia Erhebliches vermehren. Worms. Vor wenigen Wochen war der zur Wiederherstellung des hiesigen Domes eingesetzte Kunstrath aus allen Theilen Deutschlands hier erschienen, um die Restaurationsarbeiten zu besichtigen und neue Beschlüsse zu fassen. Diesmal befand sich auch darunter Geheim rat h Professor D r. Landsberg aus Darmstadt, Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde daselbst. Nach dem „Centralblatt der Bauv.rwaltung" war zum Ausgleich der auseinandergehenden Anschauungen auch ein Ingenieur-Gutachten des genannten Herrn cingeholt worden. Oester r.- Ungar. M o n a r ch i e. Wien im Juni. Das Jubiläumsjahr, in dessen Mitte tvir uns nunmehr befinden und das verschiedenartige Früchte bereits gezeitigt hat, welche eine immer drastischere Bestätigung dafür liefern, daß wir uns in einem Stadium allgemeiner Unzufriedenheit bewegen, hat eben in den letzten Tagen eine Bewegung gebracht, die wahrlich in einem civilifirtcn Staate nicht für möglich gehalten werden konnte: eine ganz oeritable Judenhetze in Galizien. Die Bauern der Ortschaften in diesen von der Cultur noch nicht beleckren Gegenden, aufgestachelt von Elementen k la Schneider und Gregorig, sind immer gerne dabei, wenn es gilt, ihr Müthchen an schulü- und webrlosen Juden zu kühlen, welch letztere absolut nichts besitzen, als größtentheils kleine Wirthschaften; aber bei den Judenhetzen ist es diesesmal auch auf reichere Glaubensbrüder abgesehen, denn, wie die Nachrichten lauten, zündeten die antisemitischen Raubritter große Fabriken an, Gehöfte, die sie im Besitze von Juden wissen und lassen cs selbst den mit den primitivsten Mitteln ausgerüsteten Löschmannschaften nicht angehen, ihren Dienst zu versehen, so daß wohlhabende Juden nichts als ihr nacktes Leben in des Wortes vollster Bedeutung retten konnten. Die Horden werden von einem Reichsrathsabgeordneten, der in Antisemitismus sehr arbeitet, auf das Kräftigste aufgewühlt und unterstützt, und da ist es kein Wunder, wenn sie Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, vernichten, die Besitzer nicht schonen, die Pächter der letzteren in geradezu bestialischer Weise mit Ruthen auf dem bloßen Körper züchtigen — mit Einem Worte, die von den Regierungen so geduldeten Reden vom Theoretischen ins Praktische übersetzen. Und die Regierung? Run, da ist es bester, gar nichts zu sagen! Zwei bis drei GenSdarmen, die gewöhnlich mit den Rebellen im Gasthaus zusammen sind, werden aufgeboten, um gegen 400 bis 600 fanatisirte Bauern die Juden zu schützen! Das geschieht im Jubeljahre, wohl nicht nach unseren Begriffen, die darunter etwas anderes verstehen und da sollen wir Juden uns betheiligen an den Festivitäten, die dem antisemitischen Hetzer und Bürgermeister die Baronie verschaffen soll, während unsere Glaubensbrüder seufzen und wehklagen und an den Bettelstab gebracht werden!!! Ist eS nicht geradezu traurig, am Ende des Jahrhunderts mit derlei Botschaften uns befassen zu müssen, zumal in einem Jahre, das als Festjahr für alle Völker Oesterreichs gelten soll?! Wahrlich, das jüdische Herz empört sich bei dem Gedanken, daß arme, unschuldige Mitbrüder derart um ihr Hab und Gut kommen, und da soll es, mutz es für uns die Aufgabe sein, in allen Landen, auch außerhalb der schwarzgelben Grenzpfähle, wo Mitleid herrscht, einzutreten für die verarmten galizischen Juden! Ihre Leser sind es, an die wir uns wenden ohne Aufruf! Mögen sie die Hand öffnen für unsere Brüder, die nur durch und für uns auf Unterstützung rechnen können! Die kleinste Gabe wird angenommen und in diesen Blättern ausgewiesen! Möge jeder nach seinen Kräften beisteuern, das Unglück zu lindern!!! B. Lemberg, 21. Juni. (Die Unruh e n in Galizien) Ueber in Zagorz (Bezirk Sanok) wird den polnischen Blättern gemeldet: Es fanden dort anfänglich blos Anfammmlungen statt. Der Bezirkshauptmann, welcher gerade damals Zagorz passtrte, ließ die Gendarmerie einschreiten, wodurch die Ruhe anscheinend wieder hergeftellt wurde. Als aber die Menge spät Abends wahrnahm, daß die Gendarmen den Marktflecken verlaffen hatten, erneuerten sich die Ruhestörungen. Um 10 Uhr Abends begann das Steinbombardement der von Juden bewohnten Häuser. Um Mitternacht nahmen die Tumulte einen bedenklichen Charakter an. Der Gemeindevorstand telegraphirte um 1 /21 Uhr Nachts nach Sanok an den Bezirkshauptmann um Succurs. Sofort wurde neuerdings Gendarmerie nach Zagorz abgeschickt, welche nach ihrem Eintreffen die Bei-

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