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Der Israelit · 1898-06-23 · Heft 49 (23.6.1898) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 49 (23.6.1898)
Date
1898-06-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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904 ehemals portugiesisch uhd spanisch redenden Juden Nordamerikas, von denen einige in sehr bedeutenden Positionen sich befinden, Niemand an dieser antispanischen Bewegung theilnimmt mit Ausnahme der einen Familie Peixotto in New-Uork, aus der drei Söhne als Freiwillige eingetreten sind. Kaum war der Krieg erklärt, so gingen die Wogen der Begeisterung noch höher. In New-Dork tagte eine jüdische Massenversammlung unter dem Vorsitze des bekannten Mr. Nathan, in der 5000 jüdische Freiwillige angeboren wurden, während mehr als 500 sich sofort in die Listen einschreiben ließen. Die jüdischen Handwerker der Baron Hirsch Gewerbeschule meldeten sich klasienweis zum Emlritt in die Armee, ja sogar die jüdischen Bauern der Kolonie Woodbine ersuchten fast Mann für Mann um die Aufnahme in die Freiwilligenlisten. Wir können nicht alle Einzelheiten aufführen, aber es ist von Jntereffe z. B. folgendes zu vernehmen. Als Gemeine gingen in Chicago mit 57, aus Pittsburg 17, aus San Francisco über 100 Freiwillige und aus New-Iork mehr als Tausend. Zugleich regen sich von allen Seiten die Bestrebungen diesmal als Juden sich auszuzeichnen und eigene Corps zu bilden. In ver That ist am 1-t. Mai in Philadelphia das erste jüdische Regiment gebildet worden. Auf den ersten Aufruf meldeten sich 600 Mann und durch Zuzug aus New-I)ork wiro diese Ziffer rasch auf die vorschriftsmäßige Höhe von 1000 verstärkt werden. Auch in anderer Weise machte sich dieser Separatismus und zugleich der Haß gegen Spanien geltend. Auf einen Ausruf des bekannten Dr. I. M. Wise aus Cincinnati und Harry Bernstein aus Cleveland hin, strömten namhafte Beträge zusammen, um den Bereinigten Staaten ein Kriegsschiff zu schenken. Man spricht von einer Million Dollars, die bereits zusammen sein soll. Die jüdischen Gemeinden, die jüdischen Logen erklären sich durch formelle Beschlüsse bereit für die Erhaltung der Angehörigen aller ihrer Mitglieder zu sorgen, die im Kriege eingezogen werden oder als Freiwillige fortgehen, die Zeitungen drucken zahllose Circulare jüdischer Chefs ab, die ihren Angestellten, die Soldaten werden wollen, den Fortbezug ihres Gehaltes zusichern und ihnen versprechen die resp. Stellungen bis nach Beendigung ves Krieges sreizuhalten. Auch die jüdischen Frauen nehmen an dem allgemeinen Eifer Theil. Die jüdischen Frauenvereine organisiren sich als Zweigvereine des rothen Kreuzes, große Summen werden zusammengebracht, um Lazarathe auszurüsten und zahlreiche jüdische Frauen und Mädchen haben sich als Pflegerinnen gemeldet, allen voran die Frau des obenerwähnten Kapitän-Lieutenant Marix. In allen jüdischen Hospitälern sind eine Anzahl Betten für die Verwundeten I reservirt worden und inan denkt selbst an die Ausrüstung eins Hospitalschiffes. Auch eine spezielle Tapserkeitsmedaille ist für jüdische Soltdaten und Seeleute seitens der Bnei Brithlogen gegründet worden. Damit auch der Humor nicht fehlt, hat der sonst als Philantrop rühmlichst bekannte Lyman G. Bloomingdale die Erlaubniß nachgesucht, auf eigene Rechnung eine Brigade aufstellen zu dürfen, unter seinem eigenen Kommando. Dieselbe soll aus Juden bestehen und Kapitän Strauß cxerzirt die Rekruten schon ein. Sie wird den Namen Bloomingdale Guard (Blumenthal Guarde) führen und wir sind neugierig, ob Mac Kinley die Erlaubniß ertheilen wiro. Einstweilen hat Herr Lyman G. Bloomingdale die Uniformen für ein ganzes Regiment dem Staate geschenkt. So wenig kriegerische Ereigniffe auch bisher vorgekommen sind, so haben doch schon einige Juden Gelegenheit gehabt dieselben mitzumachen, theils sich auszuzeichnen, theils ihr Blut zu opfern. Außer den 11 Opfern der Katastrophe auf der Maine nennen wir den Felomann, der auf dem Winslow von Cie>:- fugos schwer verwundet wurde, Lieutenant Strauß, der gemeinsam mit dem Lieutenant Hourton, dem Helden des Merrimac, unter dem Feuer der spanischen Geschütze den Hafen von Cardansas sondirte, endlich Henry Gottlieb, der erst 15 Jahr alt, als Freiwilliger aus dem Schiffe des Admiral Dkw.y Dienst genommen hat und den Kampf bei Cavite mitgemacht hat. Auch unter den nach Manila eingeschifften Freiwilligen aus Kalifornien sind mehr als 100 Juden, an der Spitze der Major Harry Weinstock. Ob Dewey selbst der Sohn einer Jüdin ist, wie viele behaupten, muß noch offen bleiben, da über diese Frage ein Preßstreit schwebt. Diese Einzelheiten dienen nur dazu, das Bild genauer auszuführen, das wir von der Kriegsbegeisteruug der amerikanischen Juden entworfen haben. Treten auf den Kriegsschauplätzen ernste Ereignisse ein, so werden die jüdischen Freiwilligen, die zum größten Theil in Rußland schon Soldaten gewesen sind, zeigen, daß sic zu den Tapfersten des Heeres zählen. Noch eines verdient hervorgehoben zu werden, die Einigkeit der amerikanischen Juden in diesen! Eifer, denn die kleine Zahl der portugiesischen Juden, die ruhiger denken, kommt nicht in Betracht, auch die Zionisten betheiligen sich mit dem vollen Feuer ihrer idealen Begeisterung, ja sie haben sich in Philadelphia, Chicago und an anderen Orten direkt an die Spitze gestellt. Amerika ist ein freies Land, um so mehr gereicht den amerikanischen Juden ihr Eifer zum Kriegsdienste zur Ehre. Er ist zugleich ein Ruhmtitel für die ganze Judenheit, auf den wir mit Genugthuung Hinweisen dürfen und ihre Leistungen im Kriege werden es nicht minder sein, dessen sind wir sicher.

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