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Der Israelit · 1898-06-23 · Heft 49 (23.6.1898) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 49 (23.6.1898)
Date
1898-06-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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902 „Wohl bin ich tk?f ergriffen von der Schmach, die jetzt auf dem schönen Frankreich lastet; tief fühlt auch mein Gemüth den Schmerz um die elende Zeit, und nach Kräften habe ich gestrebt, meinen geringen Einfluß auf den Regenten, zunl Heile des Landes walten lasten, — der Herr hat mein Werk nicht mit Gelingen gekrönt: trauernd habe ich mich zurückziehen müssen. Ich habe oft zum Gotte Israels gebetet, daß er das Herz des Reichsverwalters umwandeln möge, daß er feine Ohren verstopfe gegen die bösen Rathschläge seiner tückischen Genossen. Doch nimmer ist in meine Brust der Gedanke an solch eine That gerathen, wie Ihr sie im Sinne habt, denn nicht ist es meines Amtes, Richter zu sein in diesem Lande. Nicht wiegt die Dankbarkeit in meinem Herzen so leicht, wie Ihr wohl glaubt, nein, sie ist mir die heiligste Pflicht, die ich erkenne. Ihr wißt es, ich bin Jude, das heißt, ich bin ein Heimathloser, Geächteter, alles Rechts Entblößter. Baarsuß und in Lumpen gehüllt zog ich ein in Paris; Verachtung war mein Loos, bitterer Mangel mein Geschick. Und wer hat dem Heimathlosen die Heimath verliehen, wer den Geächteten liebevoll ausgenommen, wer dem Rechtslosen so viele Macht in die Hände gegeben, und ihn mit Gütern reich beschenkt! Der Mann hat es gethan, den Ihr haßt, und leider hassen müßt, der aber mir ewig theuer sein wird, und dessen Verirrungen ich bitter beklage. Das sei Euch Antwort genug; wandelt Euern Weg, wie er Euch gut dünkt, und wenn Jhr's wollt, nehmt den Rath von mir, im Guten mit dem Regenten zu verhandeln. Sein Herz ist nicht schlecht; er ist nur verblendet durch seine Verführer, und — glaubt mir's — er wird die Stimme der Wahrheit hören. — Verrath habt ihr nicht von mir zu befürchten, denn, ich wiederhole es, es ist nicht mein Handwerk. Durch Besprechungen wird mich Nichts in der Welt reizen, denn ich kenne nur ein Kleinod, — das Herz eines Ehrenmannes — das will ich mir bewahren!" Obgleich Esquiros' Antwort die Erwartungen der Verschworenen gänzlich vernichtete, so war doch die Gewalt seiner freien männlichen Rede so groß, daß unwillkührlich ein Beifallsgemurmel sich den Lippen der Anwesenden entwand. Der Chevalier drückte Esquiros die Hand und entließ ihn mit den Worten: „Wir können Euch nicht zürnen, denn Ihr habt Recht; aber auch wir haben Recht. In allen Fällen rechnet auf -unsere Freundschaft. Ihr seid ein Ehrenmann, unb die sind in unfern Tagen nicht auf der Straße zu finden. Gehabt Euch wohl." Esquiros kehrte nach Hause zurück und hatte dort für die neugierigen Fragen seiner Familienglieder nichts als ein mysteriöses Achselzucken, das sie alle bald zum Schweigen brachte, da sie seine strenge Conseqnenz in dergleichen Dingen gar wohl kannten. Sie mußten in Ermangelung authentischer Nachrichten sich mit Hypothesen genügen lassen, die Benjamin gar hübsch romantisch und unterhaltend zu erfinden und mitzutheilen wußte. * * 2- Zugleich aber mit Esquiros verließ eine vermummte Gestalt das Haus in der rue Vivienne. Sie murmelte im Gehen: „Höchst merkwürdig das! der Jude hat sich tapfer gehalten, und man sieht, daß der Regent seine Leute zu wählen weiß. Ich muß aber doch auf der Stelle Dubois die Geschichte hinterbringen, damit er sieht, daß er nicht umsonst zwei Augen und zwei Ohren zum Heile des Staats und der Kirche besoldet!" „ (Fortsetzung folgt.) Der ^JSraelit" erscheint wSeheatlieli Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens -net von». Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder PerWiahrNch. Me Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — -er Buchhandel verkehrt durch S. JF. stellt Act. Leipstr, gefeit* 18. — Inserate 25 Pfennig die 4 spaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametbeil 75 Pfennig. — Dtreete Franeo-usendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland mck Oesterreich 14 ReichS-Marl oder 8 fl. öfterr.» für'S Ausland IS Reichs-Mark, an die Expedition franeo einzusenden. Eine «ittksondimds» a» Wt RdMHi» elngesandlon «anrrserlpten findet nicht statt, man ditttt deShald, sich van aSen Einsendungen eine Eopie -nriitkzndehatte«. Anstatt (Hanptstlatt). Leitender Artikel:cDie israel. Religionsgesellschaft und der? Vorstand der CultuSgemeinde Zürich. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. Aus Westphalen. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Frankreich: Paris. Rußland: Petersburg. — Vermischtes. — Feuilleton: Nathan Samuel Esquiros. (Erzählung aus der Zeit der Regentschaft.) Anstatt der erste» Vettage r Leitender Artikel: Jüdischer Patriotismus in Amerika. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Worms. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Lemberg. Rußland: Petersburg. Anstatt der -wetten Vellage r Pädagogisches: Verein jüdischer Lehrer u. Cultusbeamten in Südwestdentschland. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Vermischtes. Extra-Veilagen r Sprüche der Väter. — Spendenverzeichnisse._ Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei'Actien-Gesettschaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen

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