Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 49 (23.6.1898)
- Date
- 1898-06-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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■rarr,' 'PZV- 75 »-f, ' s ■ 898 für die unvergleichliche Liebe, Treue, Geduld, Milde -, für die hingebende Erziehung zur ru»x, zur min, zur Tugend, Friedensliebe, Wahrheit, Ehrlichkeit --und schloß mit dem Gelöbniß im Sinne des Entschlafenen, fortzuleben, fortzuwirken. Stundenlang währten die vnsvn; sie alle hoben die Verdienste dieses Großen in Israel hervor, und mehrten so den Schmerz um den Verlebten, ließen den Verlust in seiner ganzen Größe erkennen, ließen erkennen, wie dieser pm für die ganze Menschheit zu wirken verstanden, wie er hienieden gelebt als Leuchte und Vorbild seiner Zeitgenossen, wie er sich den größten Lohn für die Ewigkeit gesichert rn B«np amt» D'pnatn! Aus Westphallen. Bekanntlich besteht in den meisten, wenn nicht in allen Staaten Deutschlands, ein Gesetz, das die jüdischen Kinder, welche höhere Schulen, Gymnasien, Real- und Töchterschulen besuchen, am rrnip net? und den jüdischen Feiertagen vom Schulbesuche dispensirt, wenn der Dispens von den Eltern bei dem Direktor der betreffenden Anstalten nachgesucht wird. Ebenso dürfen die, die genannten Anstalten besuchenden jüdischen Schüler von den Lehrern derselben nicht dazu angehalten werden, am Sabbat- und Feiertagen zu schreiben oder zu zeichnen, wenn dieses gegen den Willen der Eltern ist. Letztgenannte Bestimmung findet auch Anwendung auf Elementarschulen, dagegen sind sie vom Schulbesuch an den jüdischen Feiertagen, nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht befreit. Rühmliche Ausnahmen kommen auch hier nicht selten vor. In solchen Gemeinden nämlich, in denen tolerante Lehrer an Elementarschulen wirken, wird auch ersteres nicht verlangt. Auffallend ist es, daß katholische Kinder, sie mögen Elementar- oder höhere Schulen besuchen, sowohl an allgemeinen christl. Feiertagen, als auch an speziell katholischen gesetzlich vom Schulbesuch befreit sind. Möchten doch alle jüdischen Eltern, die durch gewisse Umstände genöthigt sind, ihre Kinder christl. Schulen frequentiren zu lassen, von genannten, die Gewissensfreiheit so sehr respektirenden Gesetzen den allerumfassenden Gebrauch machen! So mancher bi^'n rctr könnte dadurch verhütet werden. Leider ist das aber nicht immer und nicht bei allen, selbst bei religiösen Eltern der Fall. Gewöhnlich entschuldigen sich diese damit, daß ihre Kinder im Lernen Zurückbleiben, wenn sie an genannten Tagen von der Schule fern bleiben, obgleich dieser Grund für mich und sicher auch für die meisten Leser dieser Blätter kein stichhaltiger ist. Tief schmerzt es mich jedesmal, wenn ich die traurige Wahrnehmung machen zu müssen Gelegenheit habe, wie jüdische Kinder ain p“v oder er mit ihren Schulranzen und sonstigen Utensilien über die Straße — zuweilen sogar eine Stunde Weges und noch weiter gehen oder mit der Eisenbahn fahren; es blutet mir jedesmal das Herz, wenn ich darüber nachdenke, wie bei solchen Kindern schon frühzeitig der Keim zur Geringschätzung, der Grund zu späterer, gänzlicher Entheiligung und Profanisirung der heiligen Sabbat- und Feiertage gelegt, die Saat für Jndifferentismus und Unglauben ausgestreuet wird, — zumal solche Kinder durch den Schulbesuch, auch vom Besuche des Gottesdienstes zurückgehalten werden. Sicher werden solche Kinder — allerdings kommen hie und da auch rühmliche Ausnahmen vor — sobald sie dem elterlichen Hause entwachsen sind und in die große, weite Welt kommen, auch wohl in verführerische Gesellschaften gerathen, wo sie ihre eigene Lebensbahn verfolgen, sich selbst rathen, sich selbst helfen und für sich selbst sorgen müssen, die heilige Sabbat- und Feiertage, die sie in ihren Schülerjahren unter der Controlle frommer Ellern vernachlässigten, — jetzt sogar entheiligen. Sicher werden bei solchen Kindern auch die Gedanken aufsteigen: „Was kümmert uns der nair, was geht uns der v"' an!" Haben ja damals, als es galt, uns für unfern späteren Beruf vorzubereiten, unsere Eltern uns an diesen Tagen in die christlichen Schulen geschickt haben, daß wir dem Gottesdienste fern bleiben und den tw und sonstige religiöse Vorträge anzuhören versäumten: nein, es muß mit der Heiligkeit und Größe dieser Tage — nichts sein!" Mußten doch diese Tage früher, wo es sich nur darum handelte, uns für unseren Beruf vorzubereiten, zurückstehen, so dürfen wir sie doch sicher dem Berufsleben selbst zum Opfer bringen, da dieses doch weit wichtiger ist, als die Vorbereitung derselben; denn davon hängt unsere Existenz ab. O, möchten doch alle Eltern das zu ihrem und ihrer Kinder Wohl Gesagte zu Herzen nehmen und es auf die goldenen Tafeln desselben schreiben! Möchten sie alle ihre Kinder schon in frühester Jugend zur Heilighaltung der een n*ia der Tage Gottes anhalten, sie schon frühzeitig zur Tugend und Gottesfurcht erziehen, dann werden sie sich in späteren Jahren — dessen können sie sich fest versichert Hallen — über die Religionslosigkeit ihrer Kinder nicht zu beklagen brauchen, wie auch schon ein bekanntes, altes Sprichwort sagt: Früh gewöhnt, alt gethan! Und: Besser früh bewahrt, als später beklagt. M. Rosenwald, Iserlohn. Q e st e r r.- U n g a r. Monarchie. V. Wien, 21. Juni. (Die Judenverfolgungen in Galizien.) Man bekommt wieder einmal einen bedenklichen Einblick in die Masse und gefährliche Qualität von politisch-wirthschastlichem Zündstoff, der unter der Bevölkerung Oesterreichs, speziell der schlechtest verwalteten Provinz Galizien,