Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 48 (20.6.1898)
- Date
- 1898-06-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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888 Zeitungsnachrichten und Correspondenien Deutschland. Mainz, 19. Juni. Wir haben bereits kurz über den Tod des Rabbiner Samuel Mohilewer in Bialystok berichtet. Die Nachricht von dem Hinscheiden dieses großen Mannes hat in den weitesten Kreisen des In- und Auslandes große Betrübniß hervorgerufen. Rabbi Mohilewer zählte zu den Großen in Israel und erwarb sich durch seine Gelehrsamkeit, Frömmigkeit und sein thatenreiches Leben weit über die Grenzen seines Landes einen berühmten Namen und hohes Ansehen. 1624 in Hluboka (Littauen) geboren, wurde er der Familientradition entsprechend frühzeitig für den hohen Beruf eines Rabbiners bestimmt. Er war nacheinander vom 24. Jahre an Rabbiner in seiner Vaterstadt, in Szaki, Suwalk (hier empfing er von der Regierung eine Medaille), Radom und bis an sein Ende in Bialystok. Seit 1875 trat er für die Colonisation Palästinas ein. Bei den antisemitischen Ausschreitungen von 1881 führte er viele jüdische Flüchtlinge nach Lemberg. Dort lernte er Sir Samuel Montagu und den verstorbenen Mr. Oliphant kennen und gelang es ihm Ersteren für die palästinensische Colonisationsbewegung zu gewinnen. Bald nach seiner Rückkehr in sein Vaterland reiste er nach Paris, um durch den Oberrabbiner Zadok Kahn und Herrn Erlanger die Unterstützung des Baron Edmund von Rothschild für die Colonisirung des heiligen Landes zu interesfiren. Sein Unternehmen gelang, und kurze Zeit darauf wurde die Colonie Ekron gegründet. In Rußland unternahm er hierauf eine Agitationsreise durch die größeren Städte zu Gunsten der Colonisation. 1885 präsidirte er dem Kattowitzer Congreß, das Jahr darauf reiste er, 62 Jahre alt, nach Deutschland, Frankreich und England, um für sein Ideal, welches seine ganze Seele einnahm, wirksam zu sein. Er fand überall gute Aufnahme und gewann viele Freunde für seine Bestrebungen. Er hatte auch die Freude erlebt, die Früchte seiner Bemühungen zu sehen. Im Sommer 1690 besuchte er die Colonien in Palästina und war bei der Gründung der Colonie Rechovoth anwesend. Bei dieser Gelegenheit ward uns die hohe Ehre zu Theil, den geliebten Rabbi in unserem Hause auf seiner Durchreise durch Mainz beherbergen zu dürfen. Zu seinem 70. Geburtstage sammelten seine Freunde und Anhänger 24 000 Mark unb kauften in der Colonie Chedereh einen Citronengarten, den sie „Gan Schmuel" (Garten Samuel) nannten, dessen Erträgniß zu Colonisationszwecken verwendet wird. Bekannt ist es, daß er sich auch den neuesten Bestrebungen der Zionisten angeschloffen hatte. Der so sthätige und rastlose große Mann ist plötzlich von einer tückischen Krankheit befallen worden, die ihn, trotz aller aufgewandten Mittel (drei Aerzts und ein Profeffor aus Warschau waren zu Rathe gezogen worden) nach 30 Stunden hinraffte, rrawri. Rußland. W. Moskau, 13. Juni. Der Minister der Volksaufklärung brachte der hiesigen Universitätsbehörde für den bevorstehenden Herbst die Anwendung neuer Regeln bei der Aufnahme von Studenten hebräischer Herkunft in Vorschlag. Bekanntlich wurden bisher nur drei Prozent der Gefammtziffer der Studenten von den Aufnahmesuchenden der erwähnten Kategorie berücksichtigt. Der Minister bringt nun in Vorschlag, daß die neu aufzunehmenden hebräischen Studenten aus die Fakultät vcrtheilt werden und beim Uebergang der Hebräer aus einer Fakultät in die andere immer das dreiprozentige Verhältniß Berücksichtigung finde. Hebräer, welche den Kursus der naturwissenschaftlichen Fakultät beendet haben, sollen künftighin nicht mehr in die medizinische Fakultät übergeführt werden, wenn sich deren Komplett bereits vollzählig erweist. Infolge dieser Anordnung wird eine Verminderung der Zahl hebräischer Studenten an der Moskauer Universität herbeigesührt werden und die Vertheilung der neu auszunehmenden Hebräer auf die Fakultäten sich bedeutend verändern. Alljährlich werden in der Moskauer Universität durchschnittlich 1000 neue Studenten ausgenommen, von denen ca. 220 auf die medizinische Fakultät, ca. 350 auf die juristische, ca. 230 auf die naturwissenschaftliche Abtheilung der physikomathematischen, ca. 150 auf die mathematischen Abtheilung derselben Fakultät und ca. 50 auf die historisch-philologische Fakultät kommen. Aus dieser annähernden Berechnung läßt sich schließen, daß die Zahl der Hebräer, welche im bevorstehenden Herbst in die Moskauer Universität ausgenommen werden, sich auf dis Fakultäten wie folgt vertheilen wird: in der medicinifchen Fakultät können 7 Hebräer, in der juristischen — 10, in der naturwissenschaftlichen Abtheilung der physiko-mathematbischen — 7, in der mathematischen Abtheilung — 4 und in der historisch-philologischen Fakultät 2 Hebräer Aufnahme finden. Bekanntlich ist der Gouverneur von Moskau, dem die Bestimmungen über die Moskauer Hochschule unterliegen, von besonder judenseindlicher Gesinnung. Amerika.? Philadelphia. In unserer Stadt hat sich das erste Freiwilligenregiment zum Kampfe gegen Spanien gebildet, das nur aus Juden besteht. Nach einer Ansprache des Rabb. Rosencranz meldeten ich am Sonntag, J 5. Mai über 300 Rekruten, wovon mehr als 50 Dienstzeugniffe aus dem russischen Heere aufzuweisen hatten. Sie treten unter das Commanndo von Benj. Gordon, unterwerfen sich einer ärztlichen