Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 48 (20.6.1898)
- Date
- 1898-06-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Untersuchung und werden, wenn für tauglich befunden, einexerzirt. Sie sollen das „erste jüdische Freiwilligen-Regiment" formiren und aus New-Iork den nöthigen Zuzug erhalten, um vollzählig zu werden. — Das Gefecht bei Cardenas hat unter anderem auch ein jüdisches Opfer erfordert, einer der Gefallenen auf den amerikanischen Schiffen, Seesolvat Felvmann, war Jude. P a l ä st i n a.? Jerusalem. Die Behörde hat soeben einen Befehl bekannt gemacht, daß in allen Schulen, ebenso aber auch in den Talmud-Thoras und Jefchibahs sofort Unterricht im Türkischen uud Arabischen eingerichtet werden muß. Veranlaßt ist dieses Vorgehen durch die Erklärung der ungarischen Rabbiner, daß sie den Bannstrahl gegen diejenigen Schulen schleudern wollen, in denen fremde Sprachen gelehrt werden. Arabien. § Sana in Jemen. In Südarabien herrscht Heuer in Folge der mißrathenen Ernte eine furchtbare Hungersnoth und ist daher der Preis des Getreides und des Mehls um das Dreifache gestiegen. Die türkische Regierung hat wohl schnell die Getreidezölle aufgehoben, aber diese Verordnung traf drei Wochen nach dem Peßachfeste hier ein und hatte sie daher für uns keinen Werth mehr. Die Mazzoth waren daher furchtbar theuer und da es hier keine Kartoffeln gibt, so nahm man dafür zu den Datteln seine Zuflucht. Wir wollten uns wohl nach Konstantinopel um Hilfe wenden, unterließen es aber, weil der Vali (Statthalter) uns zugesagt hatte, er werde persönlich unser Fürsprecher bei der hohen Pforte sein. Das einzige Gute dürfte jedoch die Hungersnoth für uns haben, daß jetzt von Mekka aus eine Telegraphen-Linie hieher gebaut wird, so daß wir uns in Zukunft rasch an die „Alliance" oder an die „Anglo-Jewish-Affociation" um Hilfe werden wenden können und nicht mehr auf den langwirigen Briefverkehr angewiesen sein werden. Literarischer Bericht. Album, enthaltend 40 Ansichten aus Jerusalem, nebst hebräischer Beschreibung, herausgegeben von Rabbiner Samuel Back in Jerusalem. Zu beziehen durch den „Israelit", Mainz. (M. 2.20) Ohne Zweifel wird gar Mancher begierig sein zu wissen, ob das schöne Album, welches uns aus Palästina vorliegt, als Abbild der hochinteressanten Wirklichkeit gleicht. Ich will also wenigstens im Allgemeinen mittheilen, daß Alles mit dem übereinstimmt, was ich bis jetzt aus den Beschreibungen und Abbildungen des heiligen Landes las und sah; denn 889 wollte man recht ins Einzelne gehen, so würde man sobald nicht fertig werden. Es ist Allen bekannt, daß Palästina ein sehr interessantes Land ist, das wir, die wir leider in der Verbannung leben, nicht so leicht sehen können, daher müssen wir es mit Freuden begrüßen, wenn wir es mit Hilfe der Reproduktionsmittel der Gegenwart zu sehen bekommen. Jerusalem, die Hauptstadt des alten Palästina, liegt (Back 1—4) an mehrere» Hügeln am Bache Kidron. Der Kidron ist ein Regenbach, bildet nördlich bei Jerusalem das berühmte Thal Josaphat, wendet sich dann in öder, tiefer Schlucht zum tobten ffleete, zumeist eine wasserlose Rinne. Das alte Jerusalem bestand zuletzt au» zwei Haupttheilen: Altstadt (in die Oberstadt auf dem Hügel Zion, die Unterstadt auf dem Hügel Akra und den Tempelberg Moria zerfallend) und Neustadt (Bezetha, mit starken, etwa 50 Stadien langen Mauern, zwei Citadellen, Zion und Burg) und hatte eine sehr große Einwohnerzahl. Da» jetzige Jerusalem, Sitz eines Muteffarif, zerfällt in eine westliche Hälfte auf dem Hügel Zion und in eine östliche mit den Höhen Moria und Bezetha, hat sieben Thore, wird in vier Quartiere eingelheilt und hat ungefähr 35,000 (?) Einwohner. Die hohen Berge, von welchen Jerusalem umgeben ist, schauen in die Stadt hinein. Um einen allgemeinen Ueberblick zu gewinnen, besteige man einen solchen Berg, dann kann man Jerusalem, wie eine Schachtel voll Spielzeug übersehen. (Back 27— 28.) Jerusalem soll zwar nicht regelmäßig gebaut sein, soll aber doch in seinen meisten Theilen einen recht angenehmen Anblick gewähren. Es sind noch mehrere alte Bauwerke in Palästina zu finden und zwischen und neben diesen hat die neue Zeit schöne Bauten aufgeführt, welche den Bewohnern einen angenehmeren Anblick darbieten. Diese Durcheinandermischung von Altem und Neuem erscheint besonders interessant und oft hat eben ein Kunstwerk aus dem Alterthume mehr Reiz und gefällt daher besser. Unter den aus grauer Vorzeit stammenden Mausoleen ist das Grabmal der Könige (aus dem Haufe David) das schönste. (Back 11.) Auch in den Jerusalem zunächst gelegenen Städten giebt es zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die besonders fleißig besucht werden. (Back 19—33.) Das Album ist ein sehr interessantes Werk und kann allen Freunden Zions auf's Wärmste empfohlen werden. Wien, (Josefstadt) 14. Juni. Dr. Adolf Hahn, Rabbiner.