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Der Israelit · 1898-06-20 · Heft 48 (20.6.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 48 (20.6.1898)
Date
1898-06-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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884 > Personalien, ~f -h. Frankfurt <*♦ M Vergangene Woche wurde hier eine Frau zu Grabe getragen, die in diesem Blatte einige Worte ehrender Erwähnung verdient. Es war Frau Dr. Speyer, die ihrem vor nunmehr 13 Jahren verstorbenen Mann ins Jenseits folgte. Sie gehörte zu den t>Ti 'M, die pflichttreu ibr Haus im jüdischen Geiste führen und mit Umsicht die Erziehung ihrer Kinder zu einem pflichttreuen Leben leiten. Daß sie ihrem verstorbenen Manu in der Erziehung der Waisenkinder, die ihnen bei der Gründung des hiesigen jüdischen Waisenhauses anvertraut waren, gewissenhaft zur Seite gestanden und den armen verlassenen Kleinen eine zweite Mutter geworden, wie Acußcrungen der Dankbarkeit jener Zöglinge, die jetzt bereits zu Männern herangewachsen, beweisen, fand beredten Ausdruck in dem Nachruf, der ihr an der Bahre gewidmet wurde. Posen. 9. Juni. Der ehemalige Stadtsekretär in Schildberg, Moritz Wolf, ist zürn Rendanten und Sekretär der israelitischen Gemeinde in Kempen gewählt worden. Au» -er Provinz Posen- An y‘b wurde nach langem, schweren Leiden der emer. Lehrer V. Simon 7"? in Posen im Alter von 65 Jahren aus dem irdischen Leben abberufen. Der Verblichene war zu Linz am Rhein geboren. Seine edlen Charaktereigenschaften und seltenen Vorzüge verdienen es, daß ihm ein Nachruf in diesen Blättern gewidmet werde. Der Verstorbene hat in mehreren kleinen Gerneinden Westfalens und des Rheinlandes als Lehrer sowohl wie auch als Vorbeter und Prediger gewirkt und allerorten Spuren einer segensreichen Thätigkeit hinterlassen. In (Samen befand er sich bereits in definitiver Anstellung, vertauschte dieselbe jedoch wegen der in dieser Gemeinde herrschenden von seiner strengreligiösen abweichenden Gesinnung nrit einer privaten Kultusbeamtenstelle in Illingen (Rheinland). Hier gewann er durch große Bcscheidenbeit und durch sein menschenfreundliches Wesen bald die Herzen der Gemeindemitglieder. Er gründete mehrere gemeinnützigen Vereine; u. a. eine Kasse zur Unterstützung Bedürftiger. Später fungirte Herr Simon bis zu seiner Pensionirung in Usch (Posen) und auch dort war er bald wegen seiner vorbildlichen Pflichttreue geehrt und geachtet. In Posen, wohin er mit seiner zahlreichen Familie nach seiner Entlassung aus dem Schuldienste übersiedelte, erlheilte er in der Religionsschule Unterricht, da ihm nur eine geringe Pension gewährt wurde. Viele pädagogische und andere lehrreiche Abhandlungen von ihm sind in verschiedenen jüdischen Blättern und Zeitschriften veröffentlicht worden. An seinem Grabe schilderte Herr Oberrabbiner Dr. Feilchenfeld "J in beredten Worten den bewegten Lebenslauf deS Entschlafenen, hob seine Verdienste um die Verbreitung von Kenntnissen und Erweckung religiösen Sinnes gebührend hervor, rrasun. La«ro«vach Einen großen Verlust hat die hiesige Gemeinde und NTjn durch den Tod des Herrn Jsak K o r n f e i n Bruder des verstorbenen orthodoxen Rabbiners Kornfein aus Steinamanger, erlitten. Der Verstorbene war 23 Jahre Vicepräses des hiesigen N'nn, und übte im wahren Sinne des Wortes selbst bei den gefährlichsten Krankheiten NOtl nV?’OJ aus, über 30 Jahre war er >mD und vollzog diese mSD in der großen Umgegend. Sieben Trauerreden wurden bei seinem Leichenbegang» nisse» das fünf Stunden dauerte» gehalten. Ein TD7H vom 1B1D uro Hat er seine sämmtlichen Kinder streng-religiös minn »ro erzogen. n"asun. Y. vermischtes. Hamburg, 10. Juni. Während einer jüngst unternommenen längeren Geschäftsreise, traf ich nach vorheriger Verabredung, mit Verwandten und Freunden auf in Luzern (Schweiz) zusammen. Wie erfreut waren wir, daselbst, wenn gleich wir uns eingehend erkundigt hatten, in religiöser Beziehung recht befriedigende Verhältnisse anzutreffen. In der Synagoge, die voll besetzt war, ging es würdig und ohne Neuerungen her; nur befremdete uns bei mnn nN")j? der Nummcrnaufruf statt des ttrnpn nvt. Schwuaus Nacht fanden wir, wie in der Heimath, Gelegenheit in dem weit und breit bekannten und sehr frommen Hause des Herrn Abr. Erlanger mit ca. zwanzig Personen, aufbleiben und lernen zu können, wobei die wackere Gattin und Töchter des Hauses in ausgiebigster Weise für leibliche Genüsse sorgten. Kein jüdisches Geschäft fanden wirv"'l roff geöffnet. In der Pension des Herrn M- Moos (Cultusbeamtcr der isr. Gemeinde), in unmittelbarer Nähe des Cenlratbahu- Hofes und Vierwaldstädtersees fanden wir streng koschere, gute Verpflegung und Wohnung, wie auch aufmerksanle Bedienung, so daß wir uns zur weiteren Empfehlung verpflichtet, glauben dieses öffentlich kundzuthun. Die Fleischversorgung ist durch Zuthun der frommen Rabbinen Cohn—Basel und E h r m a n n -Baden geregelt und gedenkt man demnächst die Agitation für eigene nDTW wieder aufzunehmeu. Die so schön in Luzern verlebten Tage, werden uns noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben. H. B. Feuilleton. Nathan Samuel (Lsquiros. Erzählung aus der Zeit der Regentschaft. II. eaWaUStilleben. Im Quartier du Marais, dem Sammelplatz des kernigen Bürgerstandes von Paris, wo Gewerbefleiß und Handelseifer sich lärmend bekunden, stand damals in der ni6 Bourgogne ein stattliches Eckhaus, das im ganzen Stadtviertel gut renommirt war, und vor dem manche Equipage im Laufe des Tages stillhielt; es war die Wohnung des Nathan Esquiros, Finanzagenten Seiner Königlichen Hoheit des Regenten Philippe d'Orlßans. Wäre Nathan nicht ein so durchweg wohlwollender und liebenswürdiger Charakter gewesen, ihm hätte, statt der allgemeinen Liebe seiner Mitbürger, der erbittertste Neid zu Theil werden müssen, da er, der Andersgläubige, eine so glänzende Laufbahn schnellen Fußes durcheilt hatte, wie wohl keiner seiner rings ihn umgebenden Nachbaren weit und breit. Als armer Junge mit einem seiner Landsleute nach Paris gekommen, hatte er sich dort bei einem jüdischen Trödler in's Geschäft begeben, ein Schritt, wozu ihn der äußerste Mangel zwang, der seit den

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