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Der Israelit · 1898-06-20 · Heft 48 (20.6.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 48 (20.6.1898)
Date
1898-06-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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888 Die endgiltige Feststellung der Ergebnisse, einschließlich derjenigen der Wahl der geistlichen Abgeordneten, findet am 17. dieses Monats statt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. R. Wien, 15. Juni. Der Polenklub erörterte die antisemitischen Excesse in ^Galizien und faßte folgenden Beschluß: Der Polenclub verdammt mit größter Entrüstung die umstürzlerischen Exzess-, welche für das Land sehr schädlich sind. Indem der Polenklub die energische Thätigkeit des Statthalters Pininski anerkennt, wird das Klubpräsidium beauftragt, beim Ministerpräsidenten und Justizminister eine energische Unterstützung der Thätigkeit des Statthalters zu befürworten, damit er mit allen Kräften gegen die umstürzlerischen Unruhen auftreten könne. E. Prag, 15. Jani. In Neustadt Weinberge zeigten vor einigen Tagen die Häuser mit deutschen oder jüdischen Bewohnern allerlei Zeichen, wie Todtenköpfe, Kreuze, Ziffern, Bruchzahlen, Buchstaben rc. Weil solche Zeichen vor und während der letzten großen Unruhen eine Rolle spielten, entstand eine begreifliche Angst unter der deutschen und jüdischen Bevölkerung. Die strengste Untersuchung wurde eingeleitet. Die Zeichen wurden von Wachleuten entfernt. 8. Prag, 15. Juni. Eine Note der Polizeidirektion besagt: In der letzten Zeit häuften sich die Anzeigen, daß an den Thüren der deutschen und jüdischen Parteien Zeichen angebracht wurden, woraus eine Proscribirung der Deutschen Prags geschlossen werden könne. Nachforschungen hätten ergeben, daß die Zeichen auch an Thüren von Tschechen und Christen angebracht worden seien, so daß es sich nur darum handeln dürfte, die Deutschen zu beunruhigen oder Propaganda für Unruhen zu machen und dadurch die Nationalfestlichkeiten am nächsten Tage zu stören. Frankreich. V. Paris, 14. Juni. (Kammer.) Drumont erklärt unter stürmischer Unruhe, er wolle die Judenfrage heute nicht erörtern, er weise nur den Vorwurf Millerands zurück, daß er nur die jüdischen Vermögen angreife. Er habe auch Christen bekämpft, aber es gebe nur jüdische Zehn-Milliardäre, wie Rothschild und Hirsch. (Der Präsident ermahnt den Redner, nicht persönlich zu werden.) Drumont fährt fort, der Antisemitismus sei keine religiöse Frage. (Ruf im Centrum: „Geschwätz!") Drumont wirft, auf die Dreyfusfrage anspielend, der Regierung Zweideutigkeit vor. Er schließt mit einem Tadel, weil man Cambon ungerecht aus Algier abberufen habe, und verlangt die Abberufung Lspine's. Nach Drumonts Rede wird die Sitzung fuspendirt. Rußland.? Petersburg. Die Nachricht von den zahlreichen Rückwanderern aus Argentinien erregt hier großes Aufsehen. Außer den 186 Personen, die in Cherson angckvmmen sind, hört man von weiteren 80, die mit dem Dampfer „Matho Bruzza", und 256, die sich mit Steamer „Mark" eingeschifft haben. Am 5. Mai sind wieder 150 Personen von den jüdischen Kolonien nach Havre zu Schiff gegangen. In Suvoins Zeitschrift veröffentlicht ein bekannter Schriftsteller einen Artikel über die jüdischen Kolonien, die er persönlich kennt. Er rühmt den Arbeitseifer der Kolonisten und ihre Fähigkeiten, tadelt aber das System. „Wenn der Kolonist nichts zu eigen besitzt", bemerkt er. „sondern alles, Land, Haus, Vieh der Administration schuldet, so ist es zu erwarten, daß er allmählich alle Lust an einer Arbeit verliert, von der er annehmen muß, daß er sie doch nur für andere macht." Nur diesem Umstande sei der bisherige Mißerfolg zuzuschreiben. R. Petersburg, 14. Juni In Rußland wird seit dem Vorjahr das Branntweinmonopol eingeführt, wonach nicht nur die Fabrikation des Schnavse», sondern auch der Ausschank desselben fortan unter Aussicht des Staates und nur durch die von demselben eigens angestellten Personen erfolgen darf. Hierdurch ist ein großer Theil der Bevölkerung, welcher bisher dem Schankgewerbe oblag, Unterhaltung von Schankstuben sowie sonstigen Verkauf des Branntweins betrieb, nachgerade brodlos geworden. In besonders großer Anzahl beschäftigte sich mit dem Branntweinverkauf die jüdische Bevölkerung des Weichselgebietes und des nordwestlichen Rußlands, vornehmlich auf dem flachen Lande, und gar viele Tausende von Familienvätern suchen nun, meist vergebens, nach einem anderen Broderwerb. Der russische Minister des Innern hat nun an alle Landräthe, besonders an die Starosten in den Dörfern, ein Circular erlassen, wonach strengstens nachzuforschen sei, womit sich diejenigen Juden jetzt beschäftigen, welche bisher das Schankgewerbe betrieben und nun aus demselben verjagt sind. Die Nachforschungen werden von den Ortsbehörden sehr rigoros gehandhabt, fast schonungslos, und nicht selten werden bei den Leuten in der Nacht Haussuchungen vorgenommen. — Der Unterrichtsminister seinerseits hat letzthin alle Schulbehörden wiederum darauf aufmerksam gemacht, daß den jüdischen Lehrern in den jüdischen Volksschulen, gleichviel, ob es sich um Gemeinde- oder Staatsschulen handelt, die Rechte des Staatsdienstes nicht zutheil werden, auch dürfen ihnen nicht die für den Lehrerstand jüngst eingeführte Medaille Alexanders III. sowie andere Auszeichnungen bezw. Verdienst- Medaillen verliehen werden.

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