Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 47 (16.6.1898)
- Date
- 1898-06-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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869 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 14 Juni. Unter allen Rechenschaftsberichten von Wohlthätigkeitsanstalten, welche aus Jerusalem kommen, zieht der des -qnn rrs besondere Aufmerksamkeit auf sich. Diese Institution, die Ccntralstelle der für die Armen der heiligen Städte eingehenden Spenden, erstreckt ihre Thätigkeit auf die Allgemeinheit, vertheilt die ihnen zugehenden Gelder unter die Gemeinden, Gemeindemitglieder und deren wohlthätigeu Vereinen nach den ihnen vorgeschriebenen Normen. Alljährlich veröffentlicht die Verwaltung einen detailirten Bericht über Einnahmen uns Ausgaben, der von der Gewissenhaftigkeit und Uneigennützigkeit des Verwaltungskörpers Zeugniß ablegt. Es ist eine schwere Last, die sich diese Männer mit dieser Vertheilung von Spenden auferlegen, zumal sie fast immer mit einem Deficit zu rechnen haben. Der diesmalige (18.) Jahresbericht, die Zeit von tj'in te m bis Ende rurn ptrn umfassend, weist eine Ausgabe von 962,526 Piaster auf, denen nur 771,051 P. Einnahmen gegenüberstehen, schließt somit mit einem Fehlbetrag von 188,474 P. ab. ER. Berlin, 12. Juni. Herr Hermann Landsberger eröffnete die heutige Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde mit der Vorlage betreffend die Neuauflage des zweiten Theiles des Gebetbuchs für die neue Synagoge. Das Gebetbuch ist laut Angabe des Verlegers bis auf wenige Exemplare vergriffen. Laut Contract vom 10. Juli 1893 hat der Vorstand die Höhe der Auflage zu bestimmen. Es sollen 2000 Exemplare gedruckt werden. Herr Professor L e w i n beantragt diesen Punkt mit Punkt 6 Gebetordnung für die Synagoge in der Lützowstraße in die Specialcommission zu verweisen. Dies giebt zu lebhafter Debatte Anlaß. Man wünscht für sämmtliche Synagogen ein einheitliches Gebetbuch herzuftellen, in welchem bestimmte Glaubenslehren zum Ausdruck kommen. Sehr interessant war hierbei der Ausspruch des Herrn Justizraths T i k t i n. Wenn man auf alle Wünsche Rücksicht nehmen wolle, so werde es wohl gehen, wie bei der Rabbinerwahl, die nun schon drei Jahre dauere. Schließlich kommt man darin überein, die Synagoge in der Lützowstraße mit dem bestehenden Gebetbuch der neuen Synagoge zu eröffnen, außerdem aber eine Commission zur Revision dieses Gebetbuches eiuzusetzen. Wir sind gespannt darauf, welche Vogelsteiniade da wieder das Licht der Welt erblicken wird! Die Satzungen der Armencommission, diese Schmerzenkinder werden jetzt zum dritten Male dem Ausschuß III zu erneuter Berathung überwiesen. R. Berlin, 18. Juni. Ueber die Erlheilung des Religionsunterrichts sind neuerdings von der Regierung sonderbare Verfügungen in der Provinz Posen erlassen worden. In Wollheim besuchten seit Jabren israelitische Kinder die fünfklassige evangelische Schule, weil sie dort mehr gefördert wurden als in der einklafsigen israelitischen Schule, die nur von etwa 20 Kindern besucht wird. Nur an dem Religionsunterricht nahmen die jüdischen Kinder nicht Theil. Nun hat die Regierung bestimmt, daß Schüler der evangelischen Volksschule an dem Religionsunterrichtee ine r anderen Schule nicht mehr theilnehmen dürfen. Bis zum 15. Juli cr. soll der Nachweis geliefert werden, daß jene Kinder ordnungsmäßigen Privatunterricht in jüdischer Religion empfangen. Da ein anderer geprüfter Religionslehrer am Orte nicht vorhanden ist, schließt die Verfügung den Zwang in sich, einem Lehrer neben seinem Diensteinkommen ein beträchtliches Nebeneinkommen zukommen zu lassen. Frankfurt a. M«, 14. Juni. Ein unabsehbarer Zug bewegte sich heute Mittag durch die Straßen der Stadt. Es galt Herrn Rabbiner Fromm die letzte Ehre zu erweisen. Unter den Leidtragenden bemerkten wir Herrn Baron W i lhelm Carl von Rothschild "2, sowie eine große Anzahl von Rabbinern und Notablen von Nah und Fern. Auf dem Friedhof sprachen die Herren Rabbiner Ho rovitz—Frankfurt a. M., Kottek—Homburg, B a m b e r g e r—Würzburg, Oberlehrer E s chwege—Höchberg, sowie die Herren Jakob Posen —Frankfurt a. M , Ans buch er—Höchberg. Zum Schluß weihte mit thränenerstickter Stimme Herr Joseph Fromm seinem großen Vater einen tieferschütternden Nachruf. Ein Verwandter des Verklärten wird Ihnen eine eingehende Würdigung des Lebenslaufes Rabbiner Seligmann Fromm'» b-xi, sowie in Verbindung damit eine ausführlichere Schilderung des Leichenbegängnisses übersenden. Oe st er r.-Ungar. Monarchie. W. Lemberg, 14. Juni. In den letzten Tagen fanoen in verschiedenen Ortschaften antisemitische Ausschreitungen statt, bei denen die jüdische Bevölkerung bedroht wurde. Es wurden Plünderungen verübt und viele Fensterscheiben in den von Juden bewohnten Häusern eingeschlagen. In Neßkowce gerieth eine SpirituSrasfinerie in. Brand. Die Entstehungsursache war nicht festzuftellen. Die einschreitende Gensdarmerie wurde in einigen Orten mit Steinen beworfen. Erst herbeigerufenes Militär stellte die Ordnung wieder her. Jetzt ist die Gensdarmerie verstärkt, und entsprechende Anordnungen sind ge-