Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 47 (16.6.1898)
- Date
- 1898-06-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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868 li3’drate unterstützen in gewissem Sinne diese Wirkung der Eiweissstoffe, indem sie einerseits als Brennmaterial an der Wärmeproduktion einen regen Antheil nehmen und andererseits als ei weisssparende Stoffe den Ei weisszerfall im Körper beschränken und verhüten. Je mehr Fette und Kohlehydrate dem Körper neben Eiweiss in der Nahrung gereicht werden, desto geringer ist sein Eiweissverbrauch, desto weniger verliert er von seinem Eiweissbestand. Ja, es ist erwiesen, dass unter gewissen Bedingungen die Fette und Kohlehydrate im Laufe des Lebensprocesses in einander übergehen und sich in ihrer Wirkung gegenseitig vertreten können. Wenn zwar der Leim bis zu einem gewissen Grade auch das Eisweiss vertritt, wenn zwar die Fette und Kohlehydrate seinen Zerfall und Verbrauch vermindern, so wissen wir doch, dass nur das Eiweiss der Nahrung die Quelle für die Eiweissablagerung im Körper abzugeben und darum durch keinen anderen Nährstoff völlig ersetzt zu werden vermag. Entsprechend der verschiedenen Köllen, welche die Nährstoffe im Organismus spielen, entsprechend seinen verschiedenen Zusammensetzungen dieser Bestandtheilen, müssen diese auch dem Körper in verschiedenen Gewichtsverhältnissen einverleibt werden, soll er auf seinem stofflichen Bestand erhalten bleiben. Es ist klar, dass der Verbrauch dieser Stoffe im Körper und danach auch das Bedürfniss nach Ersatz von der Grösse des Zersetzungsprocesses abhängt, der stets durch die jeweiligen Leistungen, den Kraftverbranch des Jndividuums, den Körperzustand und das Körpergewicht, das Lebensalter und die äussere Temperatur bedingt wird. Je kräftiger und grösser ein Mensch ist, je angestrengter er arbeitet, desto reger ist sein StoffVerbrauch. desto grösser sein Bedürfniss nach Nahrungszufuhr; ebenso ist es erwiesen, dass in kalter Jahreszeit der Stoffwechsel ein lebhafterer ist als im Sommer. Jm Mittel stellt sich der tägliche Bedarf eines massig arbeitenden erwachsenen Menschen auf 130 Gramm Eiweissstoffe, 84 Gramm Fette, 404 Gramm Kohlehydrate. 30 Gramm Salze, und ungefähr 2500 Gramm Wasser, so dass ihre Gesammtsumme fast der 25. Theil des Körpergewichtes beträgt. Die genannten Nährstoffe sind aber in den einzelnen Nahrungsmitteln, wie sie uns von der Natur geboten werden, in verschiedenen Mengenverhältnissen vorhanden, indem bald die einen in geringerer Menge, bald die anderen im Ueberschusse vorhanden sind. Die folgende Tabelle einiger wichtiger Nahrungsmittel gewählt uns eine Lebersicht über ihren Gehalt an Nährstoffen in je hundert Th eilen. Wasser. EiweifS. Fett. Kohlehvdr. Salze. Mageres Ochsenffeisch 76,7 20,8 1,5 Rest Kalbfleisch 72,5 20,0 6,5 1,0 Taube 76,0 22,0 1,0 1.0 Huhn 75,0 20,0 4,0 1,0 Gans (fett) 37,0 16,0 46,5 0.5 Vollmilch 87,42 3,41 3,65 4,81 0,71 Butter 8,0 1,0 90,0 Rest von 1 Käse (fett) 35,8 27,2 3 ".4 2,5 4J Ei 75,0 13,0 11,0 1 Hecht 79,59 18,34 0,51 0,93 Karpfen 76,79 21,86 1,09 1,33 Weizenbrod 35,6 7 0 0,5 55,7 1,0 Kartoffeln 76.3 1,5 0,2 20,0 1,0 Erbsen 15,0 22,9 1.8 57,4 2,5 Blumenkohl 91,0 ~2,5 ',3 5,6 0,8 Gurke 95,6 1,0 0.1 Säuren. 2.9 0,4 Apfel 84,8 0,4 0,8 14,5 0,5 Weintraube 78,2 0,6 0,8 29,9 0,5 Es ist klar, dass kein Nahrungsmittel für die Dauer allein ausreicht, den menschlichen Körper auf seinem stofflichen Bestände zu erhalten und seine Ausgaben mit den Einnahmen zu decken. Nur die Milch enthält die Nährstoffe in einer solchen Mischung, dass sie in den ersten Lebensmonaten für die Ernährung des Menschen allein genügt; im späteren Lebensalter bietet weder sie noch irgend ein anderes Nahrungsmittel dem Körper für die Dauer eine vollständige, ausreichende Ernährung. Wollten wir nämlich den Körper nur mit einem Nahrungsmittel und sonst weiter nichts ernähren, dann müssten wir, um ihm die Nährstoffe. Eiweiss und Kohlenstoff' in entsprechenden, für seinen Aufbau erforderlichen Mengenverhältnissen zu bieten, oft so grosse Quantitäten desselben nehmen, dass der Organismus sie gar nicht bewältigen könnte, dass der Magen mit der Zeit seine Dienste versagen würde; an Brod müssten dem Körper etwa 31 /a Pfund täglich, an Fleisch etwa 3 Pfund, an Käse etwa 21/4 Pfund, an Kartoffeln etwa 9 Pfund, an Eier, ungefähr 37 Stück, an Milch etwa 41/o Liter, an weissen Rüben gar 21 Pfund einverleibt werden, Mengen, zu deren dauernden Bewältigung eben die Verdauungsorgane des Menschen nicht ausreichen. Eine zweckmässige Ernährung besteht darum aus einem Gemisch von verschiedenen Nahrungsmitteln, welche die Nährstoffe in genügenden Mengen und in der richtigen Zusammensetzung enthalten. (Fortsetzung folgt.)