Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 47 (16.6.1898)
- Date
- 1898-06-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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868 Habens Prinzessin Dem moralisch erkrankten Tasso gibt: „Erlaubt ist, was sich ziemt." Wenn sie schon ihre Muttersprache mit einem Kleidungsstück vergleichen, und sie sich dieselben nur aus subjektivem Gefallen aneignen, dann ist es auch ganz erklärlich, daß sie die Religion ebenfalls auf dieselbe Stufe stellen. Eine solche Anschauung können keine Deutschen hegen, sondern nur „die eingewanderten Herren." Daher kann sein Ausdruck, „die eingewanderten Herren," wofür er die Juden hält, sich nur auf Herrn Alsaticus und seine Genosien beziehen. Ja, sie sind solche, sie betragen sich auch danach, jedoch wir übrigen „alten deuschen Juden" betrachten uns nicht als Fremde. Sind wir doch länger in Deutschland, als die Angelsachsen in England, die Magyaren in Ungarn, die Langobarden in Italien u. s. w. Schon die unsinnigen französischen Phrasen könnten auf den Ausländer schließen lasten. Man meint hier geradezu einen sinnlos schwatzenden, aber sinnlichen Franzosen vor sich zu haben. Aber ganz in Widerspruch damit nennt er sich einen Elsäster. „Wir Elsässer sind hier zu Hause." UebrigenS glauben wunderbarerweise Herr Alsalicus und seine Genoffen im Sinne ihrer Vorfahren zu handeln: „Wir wollen beibehalten die von unfern Vätern ererbten Einrichtungen und Gebräuche." Wie unwiffend klingt das! Diese Herren wollen selbst ihre ehrwürdigen Vorfahren zu ehrlosen Juden machen. Mögen doch diese Juden nur einen Blick in die jüdsche Geschichte werfen, sie wttrdcn dann andrer Meinung werden. I. S ch e s t e l o w i tz, 8tuä. phil. Z. Thorn, l I. Juni. Durch einen plötzlichen Tod wurde vor einigen Tagen der Lehrer der jüdischen Schule, Herr Krahmer, hinweggerafft. Derselbe hatte noch das Schulfest der Knabenschulen in der Ziegelei mit seiner Familie besucht und war dort munter und frisch. Auf der Heimfahrt mit der Straßenbahn wurde ihm unwohl; in der Stadt angelangt war er eine Leiche. Ein Schlaganfall hatte dem Leben des allgemein geachteten Mannes ein Ende bereitet. Jnowrazlaw, im Juni. Am 26. v. M., mwc* ny, beging unser hochverehrter Herr Rabbiner Dr. Kohn das 25jährige Rabbinatsjubiläum. An diesem Feste wurden demselben von Seiten verschiedener hiesiger Vereine mannigfache Ehrungen zu Theil. Es erschienen aus diesem Anlasse der Bet- Hamidrosch-Verein in corpore mit feinen Kommissions- und Vorstandsmitgliedern, der Vorstand der Synagogengemeinde, eine Deputation des Repräsentanten-Kollegiums mit dem Repräsentantenvorsteher, der Achusat Mereim-Verein mit seinen Mitgliedern und Vorstehern, eine Deputation der Synagogengemeinde zu Packosch, der Verein für Krankenpflege und Leichenbestattung mit seinen Vorstehern, der hiesige jüdische Frauen-Verein und endlich Herr Waisendirektor Bos, sowie eine große Zahl von Freunden und Bekannten, die ihre Glückwünsche darbrachten. Im Namen des Forschungshauses sprach Herr Rabbinatsaffessor Dr. Tietz. Alsdann überreichte der Vorsitzende des Bet-Hamidrosch-Vereins, Herr Louis Sandler dem Jubilar einen silbernen Pokal. Im Namen des Vorstandes der Synagogengemeinde Jnowrazlaw hielt der Vorsitzende Herr Stadtrath Kertzig eine recht herzliche Ansprache, und überreichte als Geschenk einen silbernen Tafelaufsatz. Im Aufträge des Achusath-Mereim-Vereins sprach Herr Louis Sandler. Der Vorsitzende des Vereins übergab einen Chanukaleuchter, seitens der Synagogengemeinde zu Pakosch überreichte ihm die Deputation einen silbernen Tafelaufsatz. Im Aufträge der Jnowrazlawer Kultusbeamten sprach Herr Oberkantor Davidsohn, im Namen des Krankenvereins Herr Herzfeld freundliche Worte. Wie sehr unsere hochverehrte Chewra-Kadischa dem Jubilar am Herzen liegt, giebt der Beweis, daß derselbe während der Sephira wöchentlich belehrende Vorträge, betreffend Verhaltungsmaßregeln bei Verrichtungen bei Schwerkranken gehalten hat. Der Vorsitzende des genannten Vereins überreichte einen silbernen Brotkorb. Im Namen des hiesigen, jüdischen Frauenvereins sprach die Vorsitzende Frau Levy und überreichte dem Jubilar ebenfalls einen silbernen Brotkorb. Auch von Seiten der Gemeindemitglieder wurde Herr Rabbiner Dr. Kohn beschenkt. In einer tiefempfundenen Rede entwarf hierauf Herr Rabbiner Dr. Kohn im Rückblick auf dieses Vierteljahrhundert seines Amtierens in einer alten ehrwürdigen Gemeinde, uw früher das Talmudstudium reiche Frucht getragen hat. Was wir aber sehr zu tadeln haben, ist, daß angeblich zur Verschönerung des Gottesdienstes am .-wrv' 5*5? Abends von einem Damenchor unter Leitung des Kantors Davidsohn, ein Lied gesungen wurde. Wie paffen solche Reformen in eine Gemeinde, die orthodox sein will? Am Abend des Wochenfestes, wo man sich mit der Thora beschäftigt, wurde ein Diner, an dem 70 Personen theilnahmen, im Weiß'schen Hotel Hierselbst abgehalten, ein Fall, der wohl in der ganzen Provinz Posen noch nicht vorgekommen ist. Belgien.? Brüssel. König LeopolD, besten Gerechtigkeitssinn weithin bekannt ist, war gerade zur Zeit, als die Wahlen zur Deputirtenkammer ftattfanden, in Algier. Er.hatte^Gelegenheit die antisemitischen Demonstrationen zu sehen und hat sich sehr abfällig über dieselbenausgesprochen mit der ironischen Frage, ob denn Algier noch französischer Besitz