Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-06-16 · Heft 47 (16.6.1898) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 47 (16.6.1898)
Date
1898-06-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448901--46169-2496572
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

861 Jeschajah verkündet (Kap. 53, 10) Hm non pen m rf»p rro n pvni v'v' “px1 jnr nx-p orx [nwi dx „doch der Ewige wollte ihn durch Leiden zermalmen; wenn er sich zum Schuloopfer gebracht, wird er eine Nachkommenschaft sehen, die lange dauert, und des Ewigen Willen gelingt durch dessen Hand", wird das Judenthum in Erfüllung seiner hohen Pflicht und Aufgabe alles über sich ergehen lassen, denn die einstige Erlösung ist jedes Preises werth.(Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz. (Verein zur Beschränkung des Wanderbettels in Mainz) Dem dritten Jahresbericht entnehmen wir: In dem abgelausenen Vereinsjahre dürfen wir wiederum den Erfolg unseres Wirkens als günstig betrachten. Wir haben ganz ähnliche Resultate als in den vorherigen Jahren erzielt und über 1500 Bedürftige unterstützt. Wir bedürfen neuer Mitglieder, um das begonnene Werk fortsetzen zu können, an Bedürftige auf kleineren Plätzen in unserer Umgebung größere Spenden zuzusenden, damit dieselben immer mehr vom Wanderbeitel ferngehalten werden. Viele hiesige Israeliten sind unserem Vereine noch nicht beigetreten und richten wir die dringende Bitte an unsere Mitglieder, in ihrem Bekanntenkreise um neue Mitglieder mit ansehnlichen Beiträgen werben zu wollen. Der Verein zählt 73 Mitglieder, von denen 4276 M. Beiträge eingingen. Verausgabt wurden: an 1425 Unterstützungen M. 2U16.80; für Fahrscheine M. 651. lO; an 185 Posteinzahlungen M. 936.05; an 3 einmalige Unterstützungen M. 123. Per Kopf durchschnittlich M. 2.31. Abgewiesen wegen ungenügender Papiere u. s. w. wurden 28 Personen. Unterstützt wurden: 1281 Männer, 144 Frauen mit M. 2016,80 und zwar: 430 Deutsche, 507 Oesterreicher und Ungarn, 411 Russen, 5 Engländer, 6 Schweizer, 22 Serben, Rumän., Griechen, 5 Holländer, 2 Palästiner und Egypter, 7 Türken und Perser, 1 Däne, 4 Amerikaner, 12 Luxemburger und Spanier, 13 Franzosen. Von diesen waren 538 Handwerker, 230 Commis und Kaufleute, 332 Handelsleute, 61 Lehrer und Rabbiner, 4 Studenten und Schüler, 13 Kellner, 8 Künstler und Schauspieler, 14 Ingenieure und Journalisten, 225 ohne Gewerbe. Ein Alter bis 20 Jahre hatten 220 Unterstützten, 21—30 Jahre 352, 31-40 Jahre 318, 41—50 Jahre 23/, 51—60 Jahre 187, 61—70 Jahre 87, 71-80 Jahre 23, über 80 Jahre 1. Von besonderem Interesse ist jedenfalls die große Zahl der Handwerker, die unsere Kasse aufsuchten. X. Berlirr.s(Antisemitische Wahrheitsliebe.) Die „Deutsche Reform*' des Herrn v. Mosch schreibt folgendes: „Man höre und staune, was der Oberrabbiner bei der Einweihung der Synagoge in Schivelbein sagt: „Das Haus ist kein Bethaus, es ist eine Schule, eine Synagoge, hier kommt die Gemeinde zusammen und bespricht sich, wie sie gut ißt und trinkt, wie sie gut handelt und am leichtesten Geld verdient; denn wer gut ißt und trinkt, der lebt lange und bekommt ein kräftiges Gedächtniß und wer nicht arbeitet, dem wird der Verstand geschärft, darum wird auch vor spirituosen Getränken gewarnt und lieber ein Glas Wasser empfohlen, damit der Jude nüchtern bleibe u. s. w." Wie irdisch und praktisch klingen doch diese Worte eines „Geistlichen", fast möchte man wünschen, daß auch uns Deutschen in der Schule so etwas Praktisches gelehrt würde, es stände vielleicht besser um uns! Wie sicher aber muß sich doch das Judenthum fühlen, daß es bei einer nahezu öffentlichen Einweihung so aus der Schule zu plaudern wagt." Run schreibt das „Schivelbeiner Kreisblatt" (Nr. 97) über diese Feier: „Hierauf bestieg Herr Prediger Rackwitz die Kanzel und hielt die Festpredigt. Ec legte derselben das Wort: „Wie heilig ist diese Stätte, hier ist nichts anderes denn Gotteshaus und hier ist die Pforte des Himmels" zu gründe und zeigte der Gemeinde, daß dieses eine Synagoge, d. h. ein Versammlungsort, ein Tempel oder Bethaus, eine Schule oder ein Lehrhaus sei. Die ebenso klaren, wie aus der Tiefe feines um das Wohl der Gemeinde bewegten Herzens strömenden Worte machten auf alle Zuhörer einen ergreifenden Eindruck." L. Frankfurt a. M. Wegen Beleidigung der Richter des Frankfurter Landgerichtsbezirks hatte sich der antisemitische Abgeordnete Otto Hirsche! heute vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten. Unter der Spitzmarke „Jüdische Richter" hatte der als verantwortlicher Redakteur zeichnende Angeklagte einen Artikel gebracht, in welchem den jüdischen Richtern Parteilichkeit in den gegen ihre Stammesbrüder anhängigen Prozessen vorgeworfen worden war. Obgleich der Vertheidiger, ein Rechtsanwalt aus Darmftadt, die Legitimation der Strafanzeige bemängelte, beantragte der Staatsanwalt doch eine Strafe von 50 Mark. Der Gerichtshof erkannte aber nach langer Berathung auf eine Geldstrafe von 150 Mark und sprach dem Oberlandesgerichtspräsidenten die Publikationsbefugniß des Urtheils zu. In dem Urtheil heißt es u. a.: Der Artikel beschuldige die jüdischen Richter in Deutschland, also auch Richter in Frankfurt a. M., daß sie, ob absicht-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.