Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 47 (16.6.1898)
- Date
- 1898-06-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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860 ^,rrKj,,u'i: WMß>WW Wort selbst verkündete, wollte man eines Anderen belehren. Unsere Vorfahren haben es über Marter und Scheiterhaufen hinweg gerettet, sind für feine Wahrheit gern und freudig in den Tod gegangen; sie haben es treu gehütet und jedes feiner Wörter, jeden seiner Buchstaben gezählt und es vor Fälschung bewahrt, und so haben sie es den Nationen unverändert übermittelt — und dennoch hat man sie der falschen Auffasiung geziehen und so, statt ihnen Dank für ihren heiligen Eifer zu zollen, Undank auf sie gehäuft. Ja, man sucht aus diesem von der Gottheit seinem auserwählten Volke und Lieblinge gewidmeten Gnadengeschenke sogar Waffen gegen die so durch daffelbe geadelte und bevorzugte Nation hervor, um sie in Schmach und Schande zu treiben, um sie zu vernichten. Das Volk, von dem die Gottheit sagt bxiv" N22 (2. B. Moscheh, 4, 22) „Mein erstgeborener Sohn ist Israel' das Volk, das er fort und fort durch alle feine Propheten seiner Liebe versichert und dem er sogar das Versprechen gegeben hat, es in der Verbannung, wohin es zur Strafe feines Ungehorsams geschickt werden soll und geschickt wurde, nicht zu verlassen, sondern seinen Bund mit ihm zu halten; dieses Volk hat man durch eben jenes ihm zum alleinigen Erbtheile gegebene Feuergesetz auszurotten gewähnt; und es hat Unsägliches erdulden müffen. — Daß Unverstand und Neid, Jrrthum und Fanatismus Mißbrauch mit der Thora treiben könnten, dieses ahnten schon jene 70 Gelehrten, die für Egyptens Herrscher diese ins Griechische übersetzen mußten, und sie fühlten sich deßhalb schon veranlaßt, manches anders zu geben, als der Urtext es will. Und wagten diese Männer solches aus Fürsorge, so erdreisteten sich andere aus tendenziöser Absicht, aus' Verstümmelungssucht, aus Ehrsucht oder Neid, das Werk durch unrichtige Uebertragungen zu fälschen. Ja, man sucht, an dieser göttlichen Offenbarung Kritik zu üben, wie an einem menschlichen Werke, ohne überhaupt für die tiefe Bedeutung seiner ewigen Wahrheiten Verständnis zu haben. Damals, als jene 70 Gelehrten unser Eigenthum durch ihre Uebertragung preisgegeben hatten, da hatte man in Israel getrauert, denn man sah alle jene Folgen in prophetischer Weise voraus, welche jenes Ereigniß im Laufe der Zeiten nach sich gezogen hat. — Um nun solchem Loose nicht anheimzufallen, hat Gott die Erläuterung der Gesetze seinem Diener Moscheh in besonderer Weise offenbart und ihm anempfohlen, sie seinem Getreuen Jehoschuah ebenfalls nur mündlich zu überliefern und sie so von Geschlecht zu Geschlecht zu vererben. Diese mündliche Traditon hatte noch den Zweck, daß jeder Israelit, wollte er nicht verpönter Weise handeln, ohne zu wiffen, was er da vollführe, und für welchen erhabenen Zweck er die Gebote ausübe, genöthigt war, die Quellen des Lebens aufzusuchen, die Thora nämlich zu studiren und sie seinem Gedächtniffe eigen zu machen, damit er sie wieder auf seine Nachkommen bringen könne. So wurde gleichzeitig der Geist des Volkes geschärft, seine Intelligenz geweckt und ausgebildet, so daß es befähigt wurde, seinem ihm von Gott bestimmten Berufe gemäß, Lehrer der Nationen zu werden und Vollführer des göttlichen Willens. Der Segen, der diesem Gesetze auf solche Weise entquoll, er ist den spätesten Nachkommen zu gute gekommen, und selbst diejenigen, die heute Gottes Willen und Gesetz sich entfremdet haben, zehren noch unverdientermaßen von jenen Geistesfrüchten, und der Genuß derselb -n stärkt sie. So wäre das mündliche Gesetz auch niemals ausgeschrieben worden. Aber als unsere heilige Stadt Jerusalem und der heilige Tempel zerstört, als namenloses Elend über unser Volk hereingebrochen war, in der Folge sogar das Studium des göttlichen Wortes von den fremden Gewalthabern bei Todesstrafe verboten wurde, und die Edelsten und Besten ihres Glaubensmuthes wegen auf die schrecklichste Weise hingeschlachtet wurden: Da war es Rabbi Jehudah, der den Ehrentitel „der Heilige" von der Nachwelt erhielt, welcher gestützt auf jenen Psalmoers bezw. deffen commentirten Sinn rmfany *]mvi ntn r6 „Wenn es gilt für den Herrn zu wirken, zerstöre man das Gesetz," die mündliche Lehre aufschrieb, um sie der Gefahr zu entreißen, in Vergeffenheit zu gerathen. Die Consequenzen allerdings, die der hochweise Gesetzgeber vorausgesehen hatte, sind nicht ausgeblieben. Wie oft haben sich unsere inneren und äußeren Feinde hergemacht, über dieses erhabene Geisteswerk und ihre erbärmliche Kritik an demselben geübt, theils aus Unv.rständniß, theils aus niedriger Gesinnung und Bosheit. Und wie man sich nicht entblödet hat, Stücke des schriftlichen Gesetzes aus ihrem Zusammenhänge heraus zu reißen und durch die lügenhaftesten, lächerlichsten Jnterpretirungen sogar die erhabenen Charaktere der Urväter unseres Geschlechtes, der von Gott besonders begnadeten und geliebten edlen Männer, zu verunglimpfen, so haben unsere Feinde erst recht das mündliche Gesetz angegriffen und die schmählichsten Verleumdungen gegen daffelbe zu erheben sich erdreistet. Waren unsere Widersacher sich doch wohl bewußt, daß dieses Gotteswerk die Wurzeln unserer Kraft barg, daß dieses es ist, wodurch sich unser Volk vor geistiger und körperlicher Versumpfung nicht allein gerettet, sondern sogar eine seltene Wucht und Kraft des Geistes und Zähigkeit und Widerstandsfähigkeit erlangt hat. So haben wir für jenes heilige Erbtheil dulden und leiden müffen und werden noch fortwährend wegen dieses hehren Gutes angefeindet, aber in Beherzigung des Wortes, welches der Prophet