Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 46 (13.6.1898)
- Date
- 1898-06-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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847 Rabbiner-Seminars, als tüchtiger, ungarischer Kanzelredner galt und sich bisher großer Beliebtheit in seiner Gemeinde erfreute. Schweiz. R. SBctlt, 6. Juni. Eine sonderbare Vorstellung hat der schweizerische Thierschutzverein (Vorsitzender des Vereins ist A. Keller in Aarau) dem schweizerischen Bundesrath unterbreitet. Von antisemilschen Bestrebungen unterstützt, hatte der schweizerische Thierschutzverein, entgegen dem Vorschlag des Bnnocsrathes und der Bundcsversamnilung, es durchgcf.tzt, daß das Schächten von Thieren, wie es bei den Israeliten üblich ist, durch eine Acnderung der BuudeSveisastung im Gebiete der Schweiz verboten wurde. Bereis bei der Berathung des Schächtverbotes wurde von den Gegnern der Bestimmung darauf hingewiesen, die in der Schweiz vorhandenen NOOO Israeliten würden die Schlachtthiere einfach außerhalb der Schweiz schachten lassen und von dorther das Fleisch in die Schweiz einführcn. So gestalteten sich die Dinge in der That. Die Juden in Zürich und Baden lasten z. B. in Rheinheim (Baden) regelmäßig Vieh schächten, ferner wird geschachtet in Tbiengen (Baden) von zwei in Endingen (Kt. Aargau) wohnenden jüdischen Metzgern. Der schweizerische Thierschutzverein ersuchte nun den Bundesrath, gegen diese Vorkommnisse geeignete Schritte zu thun. Der Bundesrath hat dem schweizerischen Thierschutzverein nicht einmal die Ehre einer eigenen Antwort erwiesen. Er hat vielmehr, wie er in so untergeordneten Dingen zu thun pflegt, die Bundcskanzlei beauftragt, dem Thierschutzverein zu schreiben, das schweizerische Schächtverbot reiche nur so weit als die Schweiz felber. Wenn in der Schweiz niedergelastene Juden außerhalb der Schweiz Vieh schächten, so berühre dies die schweizerischen Behörden in keiner Weise. Auch könne der Bundesrath den in der Schweiz wohnhaften jüdischen Metzgern nicht verbieten, sich auf ausländisches Staatsgebiet zu begeben, um dort zu schächten. Ebenso stehe die Einfuhr von Fleisch geschachteten Viehes nicht im Widerspruch der Bundesverfassung. Rußland.? St. Petersburg. Neue Beschränkungen halten die russischen Juden in steter Aufregung, denn obwohl sie direkt nur kleine Kreise treffen, so sind sie doch bedeutsam als Symptome der Stimmung in den herrschenden Kreisen. Bisher war in Odessa Sitte, daß von den jungen Aerzten nach Beendigung ihrer Examina einige als Volontäre in den Hospitälern Dienste leisteten, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Neuerdings ist verfügt worden, daß ein jüdischer Arzt gegenüber sechs christlichen Aerzten zugelasten werden darf. Diese Verfügung ist trotz aller Gegenmaßregeln und trotzdem die Hospitäler selbst geschädigt werden, da die Zahl der christlichen Aerzte nicht ansreicht, aufrechterhallen worden. \V. Warschau. Der bekannte Philantrop W a w e l b e r g hat sich wieder durch eine großartige Stiftung die Dankbarkeit und Anerkennung der weitesten Kreise erworben. Anläßlich des fünfzigjährigen Bestehens seines Handlungshauses spendete er die Summe von dreimalhunderttausend Rubeln b.hufs Errichtung billiger Arbeiterwohnungen. Wer das unsägliche Elend der arbeitenden Elasten überall, und speziell hier zu Lande kennt, der kann die immense Wohlthat einer solchen Stiftung ermesten. Die feierliche Grundlegung fand am st. Mai in Gegenwart der Behörden und höchsten Spitzen der Gesellschaft statt. Die Wohnungen bestehen aus drei Typen: 1. Ein Zimmer, das gleichzeitig Küche ist; 2. ein Zmimer mit besonderer Küche; 3. zwei Zimmer mit Küche. Diese dritte Gattung ist selbstverständlich am spärlichsten vertreten. Der Ort ist in gesundheitlicher Beziehung sehr gut gewählt, da es die höchst gelegene Stelle der Stadt ist. Die Zimmer sind geräumig, bell und luftig, und ist auch sonst allen Erfordernisten der zeitgenössischen Hygiene Rechnung getragen. Die Stiftung trägt den Namen: „Hippolit und Ludwika Wawelberg'sche Stiftung billiger Arbeiterwohnungen", und ist interconfessionell. Die Verwaltung der Handwerkerschule für Knaben jüdischer Confession hatte seit Längerem schon die Nothwendigkeit der Erweiterung der Anstalt eingesehen. Intasien konnte der Entschluß nicht auögeführt werden, da es an Geld zum Ankauf neuer Maschinen und sonstiger Werkzeuge mangelte. Dem ist jetzt theilweise cbgeholsen worden, indem einige Mitglieder des Comsies zu besagtem Zwecke größere Beiträge spendeten. Aus Obigem ersehen wir, daß die hiesigen Juden, im Vollbewußtsein ihrer Pflichten den Bedürftigen aller Confessionen auf allen Gebieten zu helfen bemüht sind. Sollte nicht, als Reflex davon, ihren ärmeren Stammesgenosteu eine bestere Behandlung zu Theil werden? Doch wird das Geld der reichen Juden mit Dankesbezeugungen entgegengenommen, indeß die Armen nach wie vor die schmählichste Be-- Handlung erfahren. So schreibt man aus Trflis, daß Fürst Wolkonski, Polizeimeister in Baku, den in letztgenannter Stadt zeitweilig wohnenden Juden den Befehl zukommen ließ, den Ort sogleich zu räumen. Bis nun sind ungefähr hundert Personen zwangsweise fortgeschickt worden; daß derartige Befehle ohne Zugrundelegung irgend einer Erklärung erlhellt und — auszeführt werden, ist selbstverständlich, und gibt man sich nicht im Geringsten Mühe, nach einer Erklärung zu forschen. Wozu denn auch? Sind es