Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 46 (13.6.1898)
- Date
- 1898-06-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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846 Balken, die Wände und die Thürcn; vor dem Tempel stellte er zwei eherne, 35 Ellen hohe Säulen auf. Diese Einrichtung fordert unwillkürlich zum Vergleich mit den oben erwähnten ägyptischen Mastbäumen und Obelisken auf. Bei den vielen Beziehungen, die Salomo mit Aegypten unterhielt, ist anzunehmen, daß von dort her die Kenntniß von der blitzableitenden Wirkung metallener Gegenstände nach Palästina gelangt und bei dem Bau des Heiligthums, das seiner Lage wegen der Blitzgefahr besonders ausgesetzt schien, auch verwerthet worden ist. Der berühmte Physiker Arago spricht sich darüber, indem er einer gleichen Anschauung des Physikers Lichtenberg beitritt, wie folgt aus: „Der Tempel der Juden existirte einen Zeitraum von 1000 Jahren, und war durch seine Lage den sehr starken und häufigen Gewittern Palästinas ganz besonders ausgesetzt. Nichtsdestoweniger haben weder die Bibel noch Josephus uns berichtet, daß der Blitz jemals in denselben eingeschlagen habe. Die Ursache davon ist sehr einfach. Durch besondere Einrichtungen war der Tempel von Jerusalem mit Blitzableitern versehen, die unseren heutigen ganz nahe kamen. Das Dach des Tempels, mit stark vergoldetem Cedernholze bekleidet, war von dem einen Ende bis zum andern mit langen eisernen oder stählernen und oben vergoldeten Lanzen besetzt. Die Frontwände des Gebäudes waren gleichfalls in ihrer ganzen Ausdehnung mit stark vergoldetem Holze bedeckt. Unter dem Vorhose des Tempels endlich befanden sich Cisternen, in welche das von den Dächern laufende Wafier durch metallene Röhren abfloß. Wir finden hier die Schafte von Blitzableitern und eine o 'che Menge von Conductoren, daß Lichtenberg Recht Nutte, wenn er behauptete, der zehnte Theil unserer heutigen derartigen Vorrichtungen sei weit entfernt, in seiner Eonstruction eine solche Vereinigung von genügenden Umständen darzubieten." Erwähnt sei noch, daß nach den Angaben des lange Zeit in Jerusalem thätig gewesenen Arztes Dr. B. Neumann, dessen Werk über die heilige Stadt und deren Bewohner zum Theil auch die obigen Ausführungen entnonnnen sind, die an der Stelle des alten Tempels auf dem Berge Moriah stehende Omarmoschee im Jahre 1815 von einem Blitzschläge getroffen wurde. Rees am Rhein, 9. Juni. Beim Lesen der Abschrift der rase auf der Grabstätte des Verfaffers des nxav' rbr,: in Nr. 45 d. Bl. fiel mir sofort das unrichtige Datum n ’i auf. Dieses Datum ist übrigens auch unmöglich; der tt. t's fällt nie auf Montag, sondern stets auf den Wochentag des 1. nov, also im Jahre ktw mit dem Kalenderzeichen n"2, auf einen Donnerstag. Ohne Zweifel ist, falls Jahreszahl, Monats- und Wochentag richtig sind, statt zu lesen "nn, in welchem der sechste auf einen Montag fiel. Eine solche Verwechselung ist beim Lesen verwitterter Steine bei diesen beiden Monaten mit den nämlichen Anfangs- und Endbuchstaben leicht möglich und wäre es daher zu empfehlen, vor der Herstellung eines neuen Grabsteines sich auch aus andern Quellen Gewißheit über die Richtigkeit des Datums zu verschaffen. L. Cohen, Lehrer. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. .1. Krakau. 8. Juni. Kürzlich fanden im Wallfahrtsorte Kalwarya bei Krakau antisemitische Exceffe statt, die das Einschreiten der Gendarmerie erforderlich machten, wobei zwei Bauern erschossen und mehrere verwundet wurden. Die „N. F. Pr." erhält heute hierzu aus einem nächst Kalwarya gelegenen Orte nachstehende Zuschrift: „Ich habe oftmals Gelegenheit gehabt, das berühmte Kloster in Kalwarya zu besuchen, zu dem bekanntlich jedes Jahr Tausende von Menschen wallfahrten, und bemerkte dort zu meinem Erstaunen ein auffallend großes Bild, an der rückwärtigen Wand der Klosterkirche befindlich, welches die Fabel von einem durch Juden verübten rituellen Mord dastellt. Ist es da ein Wunder, daß Exceffe gegen Juden Vorkommen, wenn geduldet wird, daß ein derart aufreizendes, jeder positiven Grundlage entbehrendes Bild in der Kirche aufgehängt wird! Zweifellos wird der Fanatismus der pigotten Menge durch eine solche Darstellung aus das bedenklichste geschürt." § Temesvar, 31. Mai. ,'vbrr mb »a. Die autonome orthodoxe Cultusgemeinde in unserem Stadtviertel Fabrik hielt gestern ihre Generalversammlung ab, die sich eines sehr lebhaften Zuspruches erfreute und so neuerdings den Beweis lieferte, daß, trotz der großen Anstrengungen, die unsere heißblütigen Reformer machen, um die Zahl der gesetzestreuen Juden hier zu vermindern, Letztere noch immer eine starke und mächtige Partei bilden. Nach Erledigung verschiedener Angelegenheiten wurde zur Wahl des neuen Vorstandes geschritten. Zum Präses mit dreijähriger Amtsdauer wurde Herr Josef Grünseld (einstimmig) und zu Vicepräsidenten mit einjähriger Amtsdauer Rabbiner Joachim Löwy und Israel Neustadt gewählt. In den Ausschuß wurden dann gewählt: Jsak Faber, Joachim Rosenstein, Salomon Abrahamsohn, Samuel Deutsch, Ignaz Hönig und Jacob Schönbrunn. § Nagy-Becskewek, 5. Juni. Airs Pancsowa trifft soeben die Nachricht hier ein, daß die dortige israelitische Cultusgemeinde sich plötzlich veranlaßt gesehen hat, ihren Oberrabbiner Dr. Adolf K a l e m a n n, seines Amtes zu entheben. Der Fall erregt in Südungarn um so größeres Aufsehen, als der genannte Rabbiner, ein Zögling1.des Budapester