Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 46 (13.6.1898)
- Date
- 1898-06-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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844 vorbereitcn, wird der größte Akt der Weltgeschichte, die Gesetzgebung am Sinai, ein einfaches Fest. Daß Moses während der 40 Tage auf dem Sinai nicht gegessen und nicht getrunken hat, wird dem Kinde verschwiegen; wohl damit ihm die Gesetzgebung nicht als etwas zu Ungewöhnliches und Wunderbares erscheine. Nach der Darstellung der Gesetzgebung und der Erzählung vom goldenen Kalbe wird dann ein Kapitel mit folgendem Satze eingeleitet: „Die vielen guten Lehren, welche Moses im Namen Gottes dem Volke Israel vortrug, lauten." Es folgen dann nach einem Paragraphen, der „Liebet Gott" überschrieben ist, nur sog. Sittengesetze. Das Kind muß meinen, es habe da das ganze Gesetz vor sich, mindestens soweit dasselbe es angeht, und hört nichts von Speisegesetzen, nichts von Zizis, Tephilin, Mesusah und dem weiteren reichen, herrlichen Kranz erhabener Vorschriften, mit welchen Gott uns begnadet hat. Unter diesen Sittengesetzen, in welchen sich nach dem Verfasser der ganze Pflichtenkreis der Israeliten zu erschöpfen scheint, findet sich eine sehr strenge Strafe für Geringschätzung der Eltern. „Wer seinen Vater oder seine Mutter geringschätzt, soll sterben", wird 2. Moses 21,17 übersetzt. Ist hier die Wiedergabe von bbpo «flucht" mit „geringschätzt" ein. Fehler oder eine Entstellung? Damit man über die Gesinnungen des Verfassers nicht in Zweifel sein soll, wird uns in der Abteilung mit dem Titel „Schonet auch der Thiere und Pflanzen" Folgendes geboten: „Du sollst nicht mit einem Ochsen und einem Esel (einem viel schwächeren Thiere) zusammen pflügen." Haben wir in den umklammerten Worten „einem viel schwächeren Thiere" eine Probe des Commentars eines Sadduzäers oder Karäers vor uns? Weiß oder will der Verfasser von dem Kilaimverbote nichts wissen? Ist es ihm unbekannt, daß man auch mit Ochs und Pferd nicht zusammen pflügen darf? Aus einem solchen karäiichen Commentar scheint auch im nächsten Kapitel, S. 9!) beim Versöhnungstage die Übersetzung von mvipb; nx anw „Ihr sollt euer Herz demüthig machen", zu stammen. Von der Pflicht des Fastens am Versöhnungstage wird dem Kinde nichts gesagt, ebenso wie es bei Peßach nichts vom Chomezverbote erfährt. Der Verfasser bemüht sich redlich die Kinder im Heiligthume in der Wüste sowohl als im Bet Hamik dosch nicht viel mehr als eine Synagoge, höchstens eine Centralsynagoge „Volksheiligthum" sehen zu lassen. Von dem Opferbienst im Heiligthum spricht nur S. 100 der Satz: „Es fehlte ihnen aber noch ein Gotteshaus, in welchem sie sich zusammenfinden, Gott opfern und zu ihm beten konnten." Das Schekelgesetz wird in höchst verworrener Weise ohne irgend welche Rücksicht auf die mündliche Lehre und seine Beziehung zu den Opfern dargeftellt. Bei der Einweihung der Stiftshütte wird des Opfers und des himmlischen Feucr's mit keiner Silbe Erwähnung gcthan. Auch vom Tode Nadab und Abihu's wird nichts erzählt, obgleich sich hier herrliche Anknüpfungspunkte für die Erziehung zur Gesetzestreue bieten. Bei der Ueberführung der Vundeslade nach Jerusalem vermissen wir die Opfer und man höre und staune, sogar bei der Einweihung des Salomonischen Tempels werden den Kindern die Opfer verschwiegen. Bei der Darstellung der Tempeleinweihung in unseren! Buche, hat man unwillkürlich das Gefühl, als entspreche die Ueberführung der Bundeslade in das Allerheiligste dem Einheben der Thorarollen in der Synagoge und das Gebet Salomos der Schmoneh Esre. Aus diesen beiden Akten besteht die ganze Einweihung. Eine prunkvolle Synagogeneinweihung. Auch von der Erwählung der Tempelstätte durch Gott findet sich keine Spur. Die Erzählung von der Hungersnoth unter David und dem Opfer in der Tenne des Arawna fehlt. Was die Priester eigentlich im Tempel 31t thun hatten, hören die Kinder gar nicht. Die Empörung Korachs wird als ein Auflehnen gegen die Obrigkeit dargestellt. S. 107 wird 4. Buch Moses 17, 3. 5. folgendermaßen entstellt. „Aus der Räucherpfanne der Empörer ließ Moses einen Ueberzug zum Altäre machen. Den konnte das Volk alltäglich sehen und wurde dadurch gemahnt, sich hinfort gehorsam gegen die Obrigkeit zu zeigen." Der ganze Vers fror 17 p'x 21p' >6 ipx svob ^xip' eristirt für Herrn Müller nicht. Bei König Usiahu S. 229 findet sich die irreführende Darstellung: „Usia maßte sich die Macht eines Hohepriesters an und brachte trotz dem Einspruch des Priesters das vorgeschriebene Rauchopfer selbst im Tempel dar." Für die unverletzlichen Rechte des einfachen Priesters haben Herrn Müllers Zöglinge keinen Sinn und darum mußte aus den Priestern der Hohepriester werden. Die Kinder denken dabei vielleicht an den Streit zwischen Papst und Kaiser, lieber Erlösung und Messias werden die Kinder möglichst im Unklaren gehalten. Bei der Erzählung von Ruth wird die Bedeutung des Davidhauses nicht weiter geschildert, als durch den Satz. „So wurde Ruth die Stammmutter eines mächtigen Königshauses, das viele Jahrhunderte hindurch über Israel herrschte" (S. 134). S. 265 kann den Kindern bei Cyrus die verwirrende Anmerkung nicht erspart werden. „Den Jesaia (Kap. 45) als den Messias begreift." Bei der ausführlichen Wiedergabe von Maleachi Kapitel 3 finden wir wohl Vers 22, aber die Schlußworte des letzten Propheten V. 23. 24 ojx n:n 'oi xo:n rr^x nx aa^ rbw hielt der Verfasser für besser hinwegzulaffen trotz der so sehr erziehlichen Bedeutung von nnox bv dos 2S1 Dos b» 710X zb 2'PNI. Warum wohl? — So zahlreiche Stellen in dem Buche rufen nach