Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 45 (8.6.1898)
- Date
- 1898-06-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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826 ehemaligen Parteigenossen, die Antisemiten, die als Manuskript gedruckt den Redaktionen verschiedener Blätter zugehcn. Die Artikel, in denen tüchtig auf die Antisemiten geschimpft wird, sind politisch durchaus werthlos. Bemerkenswerth ist nur ein Artikel, der sich mit der Person Zimmermanns beschäftigt. Zimmermann wird darin des Eidbruchs gegenüber einem angesehenen reformerischen Parteigenossen beschuldigt. Wir müssen natürlich Herrn Huhle die Verantwortung für die Richtigkeit feiner Behauptungen überlassen. Interessant ist, daß das konservative Vaterland zu den Angaben Huhles bemerkt, daß ihm die Geschichte mit Zimmermann schon früher mitgetheilt worden sei, und es entrüstet sich außerordentlich darüber. Es sagt, Zimmermanu müßte entweder klagen oder aus dem öffentlichen Leben ausscheiden, konservative Männer könnten ihre Stimme nicht jemand geben, der derartiger Handlungen beschuldigt werde. Das ist wohl richtig, aber die Konservativen haben wahrhaftig wenig Ursache zu solcher sittlichen Entrüstung. Es ist eitel Heuchelei, wenn sich das Vaterland über den Zimmermann entrüstet. Z. Bitkenfeld, 3. Juni. Vor einigen Tagen hielt Herr Landrabbiner Dr. Loevy im Pfälzer Hof eine Versammlung der israelitischen Lehrer des Fürftenthums ab. Dieselben waren vollzählig erschienen. Aus den Verhandlungen, welche sich um spezielle llnterrichtssragen und die Einwirkung des Lehrers auf die Berufswahl der Kinder drehten, ist besonders die Begründung eines zweimal monatlich statt findenden Fortbildungskursus in der jüdischen Geschichte und traditionellen Litteratur hervorzuheben, welchen Herr Dr. Loevy nach Pfingsten eröffnen wird. Das lebhafte Interesse, welches dieser vom Herrn Landrabbiner angeregten Einrichtung entgegengebracht wird, gab sich dadurch kund, daß sämmtliche Mitglieder der Versammlung ihre Betheiligung daran zusagten. Kleinsteinach (Bayern.) In einer der früheren Nummern des „Israelit" wurde der derzeitige Zustand der Grabstätte deberühmten Versaffers des „Nachlaib Schiwoh" bekannt gegeben und um Spenden zur Aufstellung eines neuenGcabsteineS gebeten. Es sind schon welche eingegangen, doch noch weitere Gaben erwünscht. Sollte im Falle ein Ueberschuß sich ergeben, so wird solcher für die Entzifferung und Herstellung noch verschiedener sehr alter Grabsteine aus dem hiesigen nn^pn n'2 verwendet werden. Von allgemeinem Jntereffe wird es sein, wenn die Abschrift der berühmten rcxa veröffentlicht wird. Sie lautet: ,njn srnH p'p Lvdb nxm rrx •nc -in v-n fr ythc px:n sn: rrx nHun rrn nte *.rnn ns rrc “bn mm pnn . p’s^ K*an mx n 'z crr n-i;n Pbmn 7cm N. Sichel, Lehrer. O e ft e r r.- U n g a r. Monarchie. A. Wien, Juni. (B ot schafter Marquis Hoyos.) Der Botschafter Spaniens am Wiener Hofe, Marquis Jsidoro de Hoyos, der gestern vom Kaiser in Abschiedsaudienz empfangen wurde, verläßt heute mit dem Oricnt-Erpreßzuge Wien, um sich direct nach seiner Heimath zu begeben. Hiemit findet eine diplomatische Vertretung ihren Abschluß, die in der Geschichte unserer Tage wohl einen Platz behaupten tvird. Marquis Hoyes hat es verstanden, das traditionelle Ansehen, das die Vertreter Spaniens nicht blos in diplomatischen Kreisen genoffen, noch zu erhöhen. Mit herzgewinnender Liebenswürdigkeit verband er gründliche Kenntniß der hiesigen Amtsgeschäfte und große Begeisterung für Litteratur und wissenschaftliche Forschung. Marquis Hoyos ebenso wie sein College Graf Migra. einer der eifrigsten Besucher unserer Bibliotheken, Museen und öffentlichen Sammlungen, verwendete die Mllßestunden, welche ihm die Amtsgeschäfte übrig ließen, zu selbstständigen historischen Arbeiten von denen eine, wie wir verrathen dürfen, demnächst der Oeffentlichkeit übergeben werden wird. Sie behandelt die Geschichte der spanischen Juden, der sogenanntenSephardim. Die Studie welche Marquis Hoyos jahrelang beschäftigte, ist mit einer verblüffenden Fülle von Details ausgestattet. Mit welcher Gründlichkeit der Verfasser vorging, erhellt aus dem Umstande, daß er wiederholt auch in dem Tempel der spanischen Juden in der Circusgaffe erschien, um dort den eigenthümlichen Tempelgesang, das Ritnale, die ungemein interessanten Urkunden der Gemeinde und vieles Andere persönlich zu ftudiren. Die umfangreiche Monographie, welche Marquis Hoyos der Madrider Akademie der Geschichte vorlegen wird, ist gleichzeitig eine bleibende literarische Erinnerung an seinen Wiener Auferlhalt. Wien. (Das Oberlandesgericht über die Sabbat-Heiligung). Vor einem sünfgliederigen Appellsenate des Öberlandesgerichtes fand vor einigen Tagen eine Verhandlung statt, bei welcher Dr. G. Morgenstern namens des in erster Instanz sachfällig gewordenen Berufungswerbers die Vertagung beantragte, weil sein Client als Jude den Sabbat heilige und daher nicht erschienen sei, seine Vernehmung aber nothwendig wäre. Der Klagevertreter Dr. Loschitz war gegen eine Vertagung, denn der Geklagte habe die Vorladung schon vor vierzehn Tagen erhalten, ohne bisher um die Vertagung geworben zu haben, ferner besuche er auch an jedem Samstag die Fruchtbörse, was der Sabbat-Heiligung weit weniger entspreche, als das Erscheinen bei Gericht. Der Gerichtshof unter Vorsitz des Oberlandesgerichtsrathes Dr. v. Tannenhain entschied, der Vertagungsantrag werde abgelehnt. Wohl sei der Sabbat für Parteien israelitischer Consession gerade so