Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 45 (8.6.1898)
- Date
- 1898-06-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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zu intelligent, als daß es sich hatte ohne Weiteres von einer Schaar leiten lassen, die sich solches etwa als Privilegium angemaßt Hütte. Denn hiervon gibt der Charakter dieser Nation Zeugniß, die, selbst als sie die großen Wunder am Meere geschaut hatte, bald wieder zu hadern anfing und überall und zu allen Zeiten sich als spy ’trp „hartnäckig" bewies. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 6. Juni. Am ersten und zweiten Juni fand in Berlin die erste Generalversammlung der „Allgemeinen Rabbinerverbands in Deutschland" statt. Ungefähr hundert Herren, welche denselben Titel Rabbiner tragen und doch die verschiedenartigsten Auffassungen von den Aufgaben dieses Amtes haben, waren in der Reichshauptstadt versammelt. Die Verhandlungen boten nicht allzuviel des Neuen und Interessanten. Sehr sonderbar hat es uns berührt, daß der Vorsitzende der Berliner Gemeinde, ein Justizrath Meyer mit seiner Begrüßungsrede gewiffermaßen die Versamnllung eröffnete und dabei recht freigebig mar mit Belehrungen und Ermahnungen, die er nach rechts und links austheilte. Abgesehen davon, daß die Auffassung des Judenthums, wie sie sich in der Rede dieser Herren wiederspiegelt, für unser religiöses Empfinden geradezu empörend ist, — von den Vorsitzenden der Berliner Gemeinde ist kaum Anderes zu erwarten , so sind wir erstaunt darüber, daß man keine Beleidigung des Rabbinerstandes darin erblickte, daß ein Vorsteher sich herausnahnr einer Versammlung, welche die deutschen Rabbiner vertreten will, in religiösen Dingen Belehrungen zu geben. In der Begrüßungsrede des Vereinsvorsitzenden Maybaum fanden wir es zum mindesten nicht taktvoll, daß er in einem Vereine, der nur durch den Ausschluß religiöser Fragen aus der Debatte möglich wurde, den Satz wagte: „Die Diskussion in den religiösen Fragen von so eminenter Tragweite, wie sie die Tagesordnung biete, werde die Mitglieder der Versammlung nicht trennen, sondern um so fester verbinden." Das erste Referat befaßte sich mit dem Zionismus und bezweckte eine nachträgliche Genehmigung der bekannten Erklärung des Vereinsvorstandes, gegen diese auch von uns bekämpfte Bewegung. Die Fasfitng und der Inhalt dieses Protestes ist seinerzeit von Freund und Feind viel bemängelt worden. Wir sind nicht erstaunt über die Schwächen solcher Erklärungen, welche von Männern gemeinschaftlich abgefaßt werden, dieüber viele darin genannte Dinge grundsätzlich verschiedene Ansichten haben. Es folgten dann nach einer begeisterten Ergebenheitskundgebung für Sr. Majestät den Deutschen Kaiser noch folgende größeren Referate mit den' dazugehörigen Beschlußfassungen: Die Stellung des Rabbiners in Deutschland. — Gründung einer Relikten-Kasse. — Der obligatorische Religionsunterricht. Kurz und im Allgemeinen ablehnend behandelt wurde die Einführung einer Predigt am Freitag Abend. Das interessante Thema des Schluß* eserats, Stellung der Halacha zur Veterinärkunde konnte wegen vorgeschrittener Zeit nicht mehr ausführlich behandelt werden und kamen nur die Resolutionen der Herren Referenten zur Verlesung. Wir verzichten darauf Kritik an den Einzelheiten der Verhandlungen zu üben, die heute schon an vielen Punkten das auf die Dauer Unhaltbare dieses unnatürlichen Verbandes zeigen. Unsere Sympathie hat weder der allgemeine Rabbinerverband für das Reich, noch auch die ältere allgemeine Rabbinerconferenz in einem Einzelftaat. Letztere sogenannte Rabbinerconferenz hat nur darum der Vorzug geringerer Bedenklichkeit, weil erstens die Mitgliederzaht eine kleine, und darum der Verein weniger Bedeutung hat, und dann auch weil dort die Anzahl unserer Gesinnungsgenossen der unserer Gegner die Waage hält. Im Reichsverband wächst die Gefahr mit dem Einfluß, den derselbe durch die große Zahl seiner Mitglieder (146) einmal gewinnen kann und dann weil in absehbarer Zeit unsere Gesinnungsgenossen dort dem demüthigenden Gefühl einer Minorität sich nicht werden entziehen können. Nach Maßgabe der Namen der zum Centralausschuß gewählten Herren scheinen gegenwärtig die Orthodoxen im Rabbinerverband sich in einer solchen Minorität zu befinden, daß sie ohne den guten Willen der Majorität zur Ohnmacht verurtheilt wären. Wir würden es, abgesehen von allen sonstigen Bedenken vorziehen, einen Verein zu verlassen, in welchem wir von der Gnade unserer Gegner in den wichtigsten Dingen abhängig sind. Wir gestatten uns diese Bemerkungen im Anschluß an unseren Bericht über die erste Generalversammlung. In eine weitere Auseinandersetzung uns einzulassen über all dasjenige, was uns sowohl den allgemeinen Rabbinerverbano, als auch die Rabbinerconferenz des Einzelstaats als nicht genehm erscheinen läßt, würden wir als eine Anmaßung betrachten, da beiden Verbänden viele von uns hochverehrte Führer angehören, die das, was sie thun, zu vertreten wissen. Wir halten es überhaupt zum mindesten für zwecklos und ungehörig, wenn die Presse bei Fragen, wo es sich allein um Rabbiner handelt, allgemein anerkannten gesetzestrenen Meistern in religiösen Dingen Ermahnungen und Belehrungen geben will. Dieses war unser Standpunkt in dieser Frage und wird es tm auch bleiben. H. Leipzig, V Juni. (Antisemitisch- Konservatives.) Der ehemalige Chefredakteur der Deutschen Wacht, Herr Huhle, der den Sprung von der Wacht in die „Judenzeitung" Neueste Nachrichten fertig brachte, versendet eine Anzahl Artikel gegen seine