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Der Israelit · 1898-06-08 · Heft 45 (8.6.1898) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 45 (8.6.1898)
Date
1898-06-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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827 heilig, wie der Sonntag für Katholiken, allein weder der Sonntag, noch der Sabbat haben die Bedeutung der Normatage oder der hohen Feiertage der Juden, vielmehr seien Sonntage und Sabbate nach der Prozeßordnung nicht ausdrücklich gerichtliche Ruhetage, und sowie am Sonntag, so können auch am Samstag Verhandlungen durchgeführt werden. In der Sache selbst wurde unter Verwerfung der Berufung das erstrichterliche Urtheil bestätigt. Tyrriau. Anläßlich des zehnjährigen Bestehens des hiesigen rmi nonr Jugend-Vereins, fand Sonntag ,po m in dem herrlich geschmückten Vereinssaale eine erhebende Feier statt, wobei nicht nur die jugendlichen Vereinssondern auch die Ehrenmitglieder, die Gemeinde-Vorstehung mit dem Vorsteher und dem ehrwürdigen Herrn Oberrabbiner Straß er '"5 an der Spitze anwesend waren. Von Herrn Fürst n, Rabbiner der Schiffschul in Wien, dem Gründer des Vereins, wird ein Schreiben verlesen, das als Andenken dem Archive einverleibt werden soll. Hierauf hielt Herr Salomon Straffer ''2, Oberrabbiner der hies. orth. isr. Cultusgemeinde, eine begeisterte und schwungvolle Rede nv-ni n->m *613. Er ermahnte auf dem Standpunkte der ctrn nxT' rrrojn min zu verharren; die regelmäßigen Vorträge — welche allabendlich, und Samstag Vor- und Nachmittag stattftnden — nicht zu versäumen. Es wurden noch zahlreiche Ansprachen gehalten. Auch an Humor mangelte es nicht. So erklärte ein Mitglied, Herr G erson Veith in seiner Rede das mv ’c -ins und kommentirte das snv 3s mev d a mit, daß vor zehn Jahren niemand an das Gedeihen eines solchen Vereines geglaubt hätte. Run ist dieser Verein während dieser zehn Jahre derart gediehen, daß er unter alle andern Muster-Institute des Landes gezählt werden kann, deßhalb jrm ux mtw bin ich, sagt er, überzeugt von der zehnjährigen guten Thätigkeit des in der schönsten Blüthe stehenden Vereins. Die Festmahlzeit, eine wahre nso bv n-ryn, brachte alle Anwesenden zur fröhlichsten Stimmung. Alts Mähren. Aus eine Gefahr, der Religion der Väter eutfrcmbet zu werden, müssen wir aufmerksam machen. Viele in Mähren ansässige israelitische Eltern schicken ihre Kinder nach Wien und wenden sich daselbst an den sogenannten jüdischen Handwerkerverein, damit dieser den Kindern einen Posten verschaffe. Wird nun letzteren eine Stelle bei einem Juden besorgt, so darf man sich nicht in der Hoffnung wiegen, daß der jüdische Lehrling oder Praktikant dastlbst Gelegenheit hat, seine Feiertage zu halten, er wird im Gegentheil gezwungen, all die schönen Lehren, die er in seinem mährischen Heim als jüdische von seinen Religionslehrern gehört, über den Haufen zu werfen und in dem Hause seines jüdischen Meisters die allergewöhnlichstrn Arbeiten an den Sabbaten und Feiertagen zu verrichten. Ja, weil er steht, daß sein Vorgesetzter sich ohne Scheu über alle traditionellen Gebote hinwegsetzt, glaubt er bestimmt, daß die Nichtheilighaltung der Feiertage keine so große Sünde sein könne. Die hier erwähnte Thatsache ist auch deßhalb so zu bedauern, weil dem Handwerkerverein Kinder ärmerer Häuser, in welchen doch noch sich alter Glaube und Sitte erhalten haben, in die Hände fallen. Fast wäre es für die religiöse Erziehung der Jugend vortheilhafter, wenn der Verein seine Thätigkeit einstellen und es der Sorge der Eltern überlaffen wollte, ihre Kinder unterzubringen. Selbst ein ehrlicher Christ wird soviel Pietät haben und dem jüdischen Handwerker die Ruhe an Feiertagen gönnen, und wenn es der christliche Meister nicht veranlaßt, so ist es doch nicht so arg, als wenn er von einem jüdischen Meister gezwungen wird, weil letzterer dann die Rolle eines Jerobeams spielt. Rußland. E. Petersburg. Aus Cherson wurde vor einigen Tagen gemeldet, daß 136 Israeliten aus der Colonie des Barons Hirsch in Argentinien in ihre Heimath zurückgekehrt seien. Dieser Zug der Heimkehrenden kam am 18. v. durch Warschau. Ein Berichterstatter des Kuyrer Warszawski hatte Gelegenheit, mit den Colonisten im Bahnhof in Warschau zu sprechen und sie über die Ursache ihrer Heimkehr nach Rußland zu befragen. Die Colonisten erzählten, daß vor fünf Jahren eine große Anzahl von wohlhabenden Juden aus dem Gouvernement Cherson sich entschlossen batte, nach Argentinien auszuwandern und in der Colonie des Barons Hirsch sich anzusiedeln, um sich ausschließlich der Landwirthschast zu widmen. Jeder der Auswanderer verfügte über einige lausend Rubel eigenes Vermögen. Als sie in Argentinien angelangt waren, kauften sie für ihr Geld Grundstücke, erbauten Häuser und begannen mit Fleiß dem Ackerbau obzuliegen. Die Zustände in der Baron Hirsch'schen Colonie sind aber trostlos, wozu nicht wenig die Zerstörung der Saaten und Ernten durch allerlei Insekten beiträgt. In einigen Jahren ging ihr ganzes Capital zugrunde, mit dem Rest kehren sie nun nach Rußland zurück, und zwar als Bettler. Auf Befragen des Berichterstatters, warum in den Zeitungen über die Baron Hirsch'schen Colonien in Argentinien das Allerbeste geschrieben werde, antwortete einer der bekehrten Auswanderer, die günstigen Berichte würden in den Bureaus der Baron Hirsch'schen Stiftungen von den Beamten verfaßt, diesen Bureau-Angestellten gehe es gut, sie seien mit den Colonien zufrieden, die Colonisten aber gingen zugrunde.

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