Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1898-06-06 · Heft 44 (6.6.1898) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 44 (6.6.1898)
Date
1898-06-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448857-2448898--46116-2496516
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

811 Aquarell malte Herr G. Widmann, Maler und Zeichenlehrer an der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft. Posen, ini Juni, cm ’3:x niw'c er s6. Von einem schweren Schlage ist, wie Sie bereits kurz berichteten, die Familie unseres ehrwürdigen Rabbiners Dr. Feilchenfeld betroffen worden. Sein Sohn, der Rabbinatseandidat Dr. Ludwig Feilchenfeld ist in der Blüthe feiner Jahre, im 27. Lebensjahre, nach kurzem Krankenlager verschieden. Wenn es schon schmerzliche Thcilnahme erregt, ein junges blühendes Leben von der Seite liebender Eltern, aus der Mitte treuer Geschwister, so jäh hinweggeriffen zu scheu, so ist es um so erschütternder, als der feinen Lieben so plötzlich Entriffene ein junger Mann war, den nicht nur eine reiche Begabung und Kenntnisse zierten, sondern auch die edelsten Eigenschaften des Herzens und Charakters. Er war nicht nur ein guter Sohn, der seinem Vater liebreich und dienstfreudig zur Seite stand, so daß er demselben fast unentbehrlich geworden war, sondern auch ein treuer Bruder, ein aufrichtiger Freund und hatte überhaupt für jeden das freundlichste Entgegenkommen. Dem heiligen Berufe, den er erwählt hatte, widmete er sich mit Ernst und unablässigem Eifer, mit Geist und Herz war er demselben ergeben und sein fernerer Lebenswandel, sowie sein ernstes fleißiges Studium der Thora ließen schon jetzt in ihm einen würdigen Vertreter dieses Berufes erkennen. Reben diesen geistigen Vorzügen besaß er auch ein gewinnendes Aeußere, und so konnte es nicht ausbleiben, daß er der Liebling aller derer war, die ihn kannten und mit ihm verkehrten, zumal auch sein bescheidenes Wesen ihm alle Herzen gewinnen mußten. Seitdem er die Universität verlassen und promovirt hatte, hielt er sich im elterlichen Hause auf und bereitete sich unter Leitung seines ehrwürdigen Vaters, durch anhaltendes Studium, auf seinen Beruf vor, indem er •rzb' Braß» verband. So berechtigte er zu den schönsten Hoffnungen; durch feine Vorzüge und Charaktereigenschaften hätte er ein Segen für das wahre Judenthum werden können. Es sollte nicht sein ti’ 'in, wie dies unter Thränen der trauernde Vater an der Bahre seines Sohnes ausrief; der Allmächtige nahm die reine Seele zu sich. Es betrauern den Heimgegangenen nicht nur seine trostlosen Eltern und Geschwister, sondern auch fast die ganze Gemeinde, tlnd die außerordentlich zahlreiche Beiheiligung an dem Leichenbegängniffe gab Zeugniß von der Liebe und Werthschätzung, die dem Entschlafenen gezollt wurde. An der Bahre sprachen, nachdem der greise Vater im Trauerhause aus schmerzerfüllter Brust und mit thränenerstickter Stimme einige die ganze Versammlung erschütternde Worte gesprochen, die Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer aus Berlin, Dr. Jacobsohn aus Gnesen und der Bruder des Verstorbenen Dr. Alfred Feilchenfeld aus Hamburg. Möge der Allmächtige den schmerzdurchwühlten Eltern seinen heilenden Balsam spenden und sie trösten px p'jt wcx -prs. X. Harnburg, 3. Juni. Der siebente Verbandstag oer deutschen Thierschutz-Vereine nahm eine von Oberlehrer Wiedmann—Köln gestellte Resolution an die Herbeiführung internationaler gesetzlicher Bestimmungen zum Schutz der Wandervögel gegen Massenmord betreffend, ferner einen Antrag des Oberlehrers Reinecke --Lüneburg auf Ausdehnung der Berechtigung der Thierschutzvereine zur Verfolgung strafbarer Handlungen; Flinot—Wiesbaden beantragt die Einführung des Betäubungszwangs des zu schlachtenden Viehes, bevor die Blutentziehung ftaitfiudet. F. M.-Glavbach. Am 8. v. Mts. feierte unsere Gemeinde das 25 jährige Amtsjubiläum ihres allverehrten Vorstehers Herrn I. B Jonas. Wohl selten dürfte ein Gemeindevorsteher mit solcher Be friedigung auf seine Amtsthätigkeit zurückblicken. Die Geschichte unserer Gemeinde, die sich hinsichtlich ihrer Größe wie ihrer mannigfachen religiösen Einrichtungen schon in die Reihe der Großgcineiridcn einreihen darf, ist mit dem Namen I. B. Jonas eng verknüpft. Selbst streng orthodoxer Jehudi, verstand er es nicht nur die Institutionen der Gemeinde in diesem Sinne zu gestalten, sondern auch allezeit den Frieden derselben zn wahren. Gern hätte die dankbare Gemeinde ihren allverehrten Jubilar durch ein größeres Fest geehrt, aber seine Bescheidenheit wollte dies nicht zulassen. Nur in dem engen Kreise seiner Vorstandscollegen, der Repräsentanten und Lehrer der Gemeinde wurden ihm im schönen, neuen Sitzungssaal der Synagoge unter Ueberreichung eines prachtvollen silbernen Pokals die ofsiciellen Huldigungen dargebracht. Natürlich ließen cs sich die übrigen Gemeindemitglieder nicht nehmen, ihn auch in seiner Wohnung herzlichst zu beglückwünschen. Der Abend vereinte seine Familienmitglieder, VorstandScollegen, die Repräsentanten und Lehrer in seinem Hause bei einer Bowle x. und wurde auch hier in manch sinniger und launiger Rede der großeil Verdienste des alloerehrten Jubilars gedacht. Möge uns seine bewährte Kraft noch Jahrzehnte hindurch erhalten bleiben! Frankreich.? Paris Die französischen Juden sind seltsamerweise mit den Resultaten der französischen Wahlen nicht unzufrieden. Sie hatten von denselben so schlimme Dinge befürchtet, daß sie jetzt froh sind, daß sie wenigstens so arg nicht geworden sind, lieber die 10 Antisemiten in der französischen Kammer trösten sie sich mit dem Hinweis auf die repu-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.