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Der Israelit · 1898-06-06 · Heft 44 (6.6.1898) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 44 (6.6.1898)
Date
1898-06-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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810 v•» *•'t;■»• , r ■ ■■ j••;r- :./ .«VI'. Front machen will. Die Antisemiten kündigen sogar für den Fall, daß die „judenfreundliche Hofpartei" in ihren Quertreibereien nicht Nachlasse, diesen Auchkonservativen offene Fehde an, die es dahin gebracht hätten, daß Herr v. Manteuffel, also der Vertreter der schneidigeren reinagrarischen Tonart, den Vorsitz in der konservativen Reichstagsfraktion an den höfischeren Herrn v. Levetzow abtreten mußte. Es ist hübsch, daß es gerade jetzt, unmittelbar vor den Wahlen, herauskommen muß, daß dem agrarischen Treiben der Landbündler eine „auchkonservative, judenfreundliche Hofpartei" entgegenarbeitet, umsomehr, da die Bündler nunmehr offen für antisemitische Kandidaten vorbehaltlos eintreten, für Freikonservative und Deutschkonservative aber nur nach näherer Prüfung der Kandidaten. Konservativen Strebern oder Leisetretern wollen sie die Unterstützung versagen, die Deutschsozialen oder die Radauantisemiten aber unter allen Umständen unterstützen. Frankfurt a. M., I. Juni. (N achträgliches zum Geburtstag des Herrn Baron'".) Zur Ergänzung Ihres Berichts vom 25. v. M. über die dem großenWohlthäter Herrn Baron Wilhelm von Rothschild '”2 anläßlich seines 7< »jährigen Geburtstages von der i s r. R e l i g i o n s g e s e l l - sch aft dargebrachten Ovationen will ich Ihnen noch von anderen Beglückwünschungen mittheilen. Die i s r. Religionsgemeinde überreichte eine Adresse, deren Mappe mit dem Bildnisse des Inneren unb Aeußeren der alten, niedergelegten und der neuen Synagoge am Börneplatz ausgefüllt war. Diese im maurischen Stile gehaltene kunstvolle Arbeit lieferte Maler Nebel, Schüler Eugen Klimsch's, deren Ausführung im Kunstinstitute des Buchhändlers Ed. Ludwig besorgt wurde. Das Personal desBankhauses benutzte zur Ausschmückung der Gratulations-Adresse eine kunstfertige Zeichnung, auf welcher das Wappen des Hauses Rothschild, worüber sich Merkur erhebt, zu sehen ist. Auch die Schüler Sr. Ehrw. des Herrn Rabb. Dr. M. Horovitz n haben eine auf einer Pergamentrolle in hebräischer Sprache abgefaßte Adresse überreicht. Ferner fand in dem Bet- und Lehrhause der russ. Polen ein Festgottesdienst anläßlich dieses Freudentages statt. Nachdem einige Psalmen vorgetragen wurden, ist ein kurzes Gebet, verfaßt von Herrn L. Ph. Prins '2 für weiteres Wohlergehen dieses Philantropen von allen Anwesenden inbrünstig gebetet worden. Um noch einmal auf die von der Jsr. Religionsgesellschaft übergebene Adresse zurückzukommen, so zeichnete sich solche durch künstlerisch geschmackvolle Ausführung und sinnige Composition aus. Diese Adresse war in vornehmer Einfachheit gehalten. Die Decke, weißer Sasian mit fein ciselirten, silbcrvergoldetcn Ecken und Schild. In dem Schilde war die Widmung angebracht. Das Ornament der Eckert war ein fein ciselirtes Renaissance-Ornament, so zart ausgeführt, daß es trotz seiner reichen Zeichnung bescheiden wirkte. Im Innern des Deckels war auf der linken Seite ein sehr gut gemaltes Aquarell gerahmt, das auf den Text deS Pfatmverses *»8ro pnx n'v" p:a^n rixa ms' sich bezog. Die Umrahmung des Aquarells bildete ein Hufeisenbogen mit reichen farbigen Ornamenten. Der von demselben umschlossene Baum wird durch eine ragende Dattelpalnre in zwei vertieale Theile geschieden, die oben durch den Blätterschmuck und die Fruchtdolden der Palme in weitere zwei kleinere Felder geschieden werden. In dem unteren großen Felde, in dessen Mitte der Stamm der Dattelpalme aufragt, ist die Realschule der Jsr. Religionsschule abgebildet, iu den oberen kleineren Feldern links vom Beschatter, die Synagoge der Jsr. Religionsgesellschaft, rechts vom Beschauer das Rothschild'sche Spital. Links vom Palmstamme ist der Theil des Verses mo* iena pnx, rechts nxr paa^a beide in sinniger Weise als oie», des Geburtsjahres und des Jahres des 7<tten Geburtstages benutzt. Wohl selten dürfte jemand so voll und ganz den in diesem Verse ausgesprochenen Segen verdient haben, wie der Gefeierte. Die Adresse der V 0 l k s s ch u l e war in antik rothem Sammt gebunden, zwei große stilifirte Lilien mit Blättern und Wurzeln gaben das Ornament ab, auf welches einestheils die Widmung, anderentheils ein großes Schild, das die Volksschule in sehr vollendeter Gravierung enthielt, angebracht war. Unter der Schule befand sich der Spruch: rnin «sn ’ääi rt'-’t.i Die Adresse der „Freien V e r c i n i g u n g" war in reichem hellbraunem Leder gebunden, mit Silber beschlagen. Auf dem vorderen Deckeltheil war ein aufsteigender prächtiger Adler angebracht, in seinen Fängen ein Spruchband tragend, mit den Worten: In goldener Umrahmung waren zwei sehr sein componirte Bilder gestochen : „eine Schule mit Lehrer und Schülern und eine im Bau begriffene Synagoge," zwei Hauptthätigkeiten der freien Vereinigung, die Sorge für den Unterricht und für die religiösen Institutionen andeutend. Die Adressen hatten großen Beifall. Dieselben waren von der bekannten Silberwaarenfabrik Lazarus Posen Wwe. auf's Sorgfältigste ausgeftthrt und lieferten auf's Neue den Beweis, in wie hoher Blüthe das Kunsthandwerk auch in jüdischen Kreisen steht. Das

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