Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 44 (6.6.1898)
- Date
- 1898-06-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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WW 809 stellen auf ein dem Moscheh tradirtes Gesetz, nwa ns "i msi w»5 „Wie der Ewige dem Moscheh befohlen", steht bei vielen Gebeten. p^i ib av' a& vvVvi „Dort gab der Ewige der Nation Gesetz und Recht" heißt es im 2. Buche Moscheh 15, 25. Daß aber auch Moscheh nicht vergeblich 40 Tage auf dem Berge Sinai zugebracht und mehr als das geschriebene Gesetz empfangen hat, beweist unter Anverm auch der Hinweis auf das Modell des heiligen Leuchters, von dem es 4. Buch Moscheh 8. 4 heißt 'M nuin w« nsnt» „wie das Modell, welches der Ewige dem Moscheh gezeigt hat, so hat er den Leuchter verfertigen lasten." Endlich steht im 5. Buche Moscheh IV, 10 geschrieben: i2in w bv rmn '121 '1 1N2' 1L'8 «im nipan ,*a ih rrr IL'X. „Du mußt aber so verfahren, wie man an dem Orte, den der Ewige erwählen wird, den Ausspruch thut, und sorgfältig beobachten, was man dich daselbst lehren wird. Nach der Lehre, die man dir geben, und nach dem Rechte, das man dir anzergen wird, sollst du handeln, und von dem, was man dir sagen wird, sollst du handeln, weder rechts noch links abweichen." Durch diese Anordnung ist deutlich genug darauf hingewiesen, daß die Leviten, Priester oder Richter, welche an der Stätte des Heiligthums weilten, im Besitze ausführlicher Anweisungen waren, wonach sie Recht zu sprechen hatten. Aber auch die Worte des Textes deuten durch den gebrauchten Ausdruck niirin 'v bv auf eine mündliche Lehre, eine Tradition hin. Denn keineswegs ist aus jenen Worten zu verstehen und anzunehmen, daß der Hochheilige die Auslegung seines erhabenen Wortes der Ansicht der jeweiligen Aeltesten oder Richter überlasten hätte. Denn daun würde es nie eine Einigkeit unter den Glaubensgenoffen gegeben haben, wenn die Wächter des Gesetzes heute so und morgen anders entschieden, heute dieses und morgen jenes geboten hätten. Unter solchen Umständen würde die Religion und ihre Prinzipien durch den Wechsel der Ansichten im Laufe der Zeiten bis zur Unkenntlichkeit entstellt werden, Gesetz und Ritus würden fortwährend wechseln, und man würde in den Handlungen der Nachkommen keine Aehnlichkeit mehr mit denen der Väter erkennen. Wie aber sollte erst das Volk, wenn es über die ganze Erde, durch alle Länder zerstreut würde, was ja Gott in seiner Allwistenheit vorausgesehen hat und durch seine Strafreden androhen ließ, einheitlich geleitet werden, da doch kein Heiligthum, keine Richter, kein Centralpunkt mehr da, von welchem aus die Zusammengehörigkeit im Thun und Handeln gewahrt werden konnten? Ein göttliches Gesetz muß wie Gott selbst ewig und unabänderlich für alle Zukunft gegeben sein und dem ewigen Naturgesetze, welches ja auch göttlich ist, durchaus gleich sein. Denn jegliche Aenderung zeigt von Unvollkommenheit, der Ewige aber ist vollkommen. Nur das Ewige ist wahr, und nur das Wahre ist ewig. Die Aeltesten und die Richter hatte Gott eingesetzt 'riu^-i bv npa^ Tina rmia novh dv oi\ „Zu wachen an meinen Thören Tag für Tag, zu wahren die Pfosten meiner Eingänge", wie es >bvo 8, 14 heißt, und wie Rafchi zu dieser Stelle bemerkt: „zuerst in das Lehrhaus und das Gotteshaus hineinzugehen und als die Letzten hinauszugehen", d. h. um das unverfälschte tradirte Gesetz der Berge und der Welthöhen zu wahren und es unverändert fortzupflanzen. Und darum war der Knabe Jehoschuah nicht aus dem Zelte des Moscheh gewichen bninn “pr,a v"a' ab pJ p mev imspai (2. B. Moscheh 55, 11), er wurde von dem göttlichen Manne in der mündlichen Lehre unterwiesen, damit er sie kommenden Geschlechtern überliefere. Und deßbalb heißt es weiter am Schluffe des 5. Buch Moscheh 34, 3 nra *jaa »a naan nii rrba pj p vanrri ntrerut n mx nwonww bxia" \ja vbn ivae>i vbp i'T n« Und Jehoschuah, der Sohn Nun's war mit dem Geiste der Weisheit erfüllt, denn Moscheh hatte seine Hände auf ihn gelegt, die Kinder Israel gehorchten ihm, und sie thaten wie der Ewige dem Moscheh befohlen." Dadurch eben, daß sie ihm gehorchten, Jehoschuah aber das Gesetz von Moscheh erklärt erhalten hatte, handelten sie genau, wie der Ewige dem Moscheh befohlen hatte. So beginnen auch die Sprüche der Väter mit den Worten: „Moscheh empfing das Gesetz vom Sinai, übergab es dem Jehoschuah, Jehoschuah den Aeltesten. und die Aeltesten den Propheten, und diese überlieferten den Männern der großen Synode." Die ununterbrochene Kette der Tradition wird uns somit dargethan. Aus allem diesem erweist sich mithin die Nothwendigkeit und das Vorhandensein der mündlichen Lehre. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. W. Berlin, 3. Juni. Zu den interestantesten Momenten des gegenwärtig etwas lebhafter werdenden Wahlkampfes sind diejenigen zu zählen, in denen die Parteien die Geheimnisse der Gegner oder auch ihre eigenen ausplaudern. So erfahren wir durch den Bruderzwist zwischen Bündlern und Konservativen von der Existenz einer „kleinen, aber mächtigen auchkonservativen judenfreundlichen Hofpartei", gegen deren „Quertreibereien" der Bund der Landwirthe