Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 43 (2.6.1898)
- Date
- 1898-06-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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793 Bezirksrabbiners, der Cantoren und sonstigen Cultusbeamten des Bezirks, die Beaufsichtigung des Religionsunterrichts in dem zum Bezirke gehörenden Schulen und das Armenwesen zu. Alle Gemeindcmitglieder gehören je nach ihrem Wohnorte einem der fünf Syuagogenbezirke an, sie haben jedoch das Rechr, falls sie mit dem betreffenden Cultus oder sonstigen Einrichtungen des Bezirks nicht einverstanden sind, sich einem anderen Bezirke anzuschließen. Die Kosten der Verwaltung der Bezirke werden von der jüdischen Gesammtgemeinde getragen. Offenbnrg, 30. Mai. In der gegenwärtigen lebhaften Reichstagswahlbewegung entfalten die Antisemiten eine außerordentliche Rührigkeit und wagen es, ihre Lügenapostel auch in bisher antisemitenfrei gebliebene Bezirke zu senden. So kandidiert im diesseitigen Wahlbezirke zum ersten Male ein Antisemit und zwar Dr. Vogel aus Oberweiler. Derselbe hielt am jüngsten Freitag dahier eine durch große Plakate und zahlreich vertheilte Programme der „Deutschsozialen Reformpartei" angekündigte Versammlung ab, die von sämmtlichen hier vertretenen Parteien ziemlich stark besucht war. Im Gefolge des Kandidaten befand sich der Einberuser, prakt. Arzt Dr. Fähndrich hier mit seinem Leibkutscher und etwa vier auswärtigen „Kräften". Nachdem der von einem Gegner als neuer Messias bezeichnet«: Kandidat seinen Vortrag beendet hatte, rührte sich seinem und seiner Getreuen sichtbaren Erstaunen keine Hand, kein Mund that sich auf zu einem Zeichen des Beifalls, dagegen wurden die vortrefflichen, überzeugenden Widerlegungen der beiden an der Diskussion sich betheiligenden Redner, des Demokraten Muser und socialdemokratischen Landtagsabgeordneten Geck, öfters von stürmischem Beifall unterbrochen. Da siel ein jeder Satz der beiden gewandten Redner wie ein wuchtiger Keulenschlag auf die Häupter der anwesenden Antisemiten, die mit ihrem Führer gerne unter die Tische gekrochen wären. Nun fand der geradezu bemitleidenswerthe Vogel, daß es hier aus einem anderen Loche pfeift und bemerkte in seiner die schwere Niederlage einräumenden Replik, er sei nur auf den ausdrücklichen Wunsch des Einberufers hierhergekommen. Dank in erster Reihe dem mannhaften Auftreten der Herren Muser und Geck, dank dem hier G. s. D. noch vorherrschenden Geiste der Toleranz und dem guten Einvernehmen zwischen Christen und Juden, dank ab r auch der Einsicht der in der Versammlung zahlreich anwesend gewesenen Glaubensgenoffen, die durch ihr ruhiges und taktvolles Verhalten sicher nrehr imponirten, als die in Bodersweier und Waldorf durch die höchst unkluge Anwendung „schlagender" Gegenbeweise, verlief diese Versammlung mit einem glänzenden Fiasko der Antisemiten. Würden auch anderwärts solche für Humanität, Recht und Gerechtigkeit begeisterte Männer, wie Muser und Geck auftreten und das Volk darüber belehren, daß es unter allen Confesstonen brave und böse Menschen gibt und es nicht angehe, gerade bei den Juden die Gesammtheit für die Fehler Einzelner verantwortlich zu machen, wie ferner die antisemitischen Kandidaten in ihren Wahlreden sich als Vertreter der Jntereffen der Arbeiter, sowie der Landwirthschaft treibenden Bevölkerung Hervorthun, hintennach aber als Abgeordneten größtentheils gerade das Gegentheil oder häufig gar nichts thun, bei den wichtigsten Abstimmungen nur schwach vertreten, beim Kaisermahl aber vollzählig sind, wie dies von Herrn Geck nachgewiesen wurde, die Wähler würden sie sammt und sonders heimschicken, diese sogenannten Volksbeglücker, die ihre sittlichen und moralischen Defekte gegenseitig aufdecken, so daß man schon um deßwillen sich mit Abscheu von ibnen abwenden müßte. Aus Süddeutschland. (Zur Warnung.) Auf ein Inserat im Israelit, in welchem ich verschiedene Waaren anpries, erhielt ich eine Bestellung von Julius Pretory, Lakenbach, bei Oedenburg in Ungarn. Eingezogene Erkundigungen ergeben, daß Betreffender das Haupt einer Schwindlerbande ist; P. ist von Profession Schuster und die Schmindlergesellschaft besteht aus 5—7 Köpfen. In einer Karte an den Einsender dieser Zeilen schreibt P., er sei ein „Krist" und wünsche deßhalb nur mit reellem Hause zu thun zu haben!!! G. Frankreich. W. Paris, 23. Mai. Der von der Alliance Jsraelite Nnioerselle soeben veröffentlichte Jahresbericht für 1897 zeigt, daß die Hauptthätigkeit dieser Vereinigung der Hebung, der Bildung der Juden im Orient gilt. Es sind von der Alliance im abgelaufenen Jahre für Schulzwecke nicht weniger als 923,000 Frcs. ausgegeben worden, während die Gesammtausgaben überhaupt nur 1,028,842 Francs betrugen. Außer den Volksschulen, welche hierbei in erster Reihe in Betracht kamen, widmete die Alliance ihr Jntereffe noch der Ackerbauschule in Jaffa, der Handwerkerschule in Jerusalem und der gärtnerischen Lehranstalt in Ahlem in Hannover. Unter den Einnahmen, welche die Alliance im vergangenen Jahre in der Gesammthöhe von 820,172 Frcs. hatte, ist besonders zu nennen eine Zuwendung der Baronin Hirsch von 357,775 Frcs. und eine Unterstützung der Jewish Colonisation Affociation in Höhe von 140,000 FrcS. Palästina. W. Port Said Die Eisenbahn-Verhältnisse in Syrien und Palästina werden in einem Berichte der „Schweizerbahnen" aus Port Said geschildert. In Palästina besteht zur Zeit erst eine einzige Linie, die Jaffa mit Jerusalem verbindet. Als die Bahn gebaut wurde, fehlte es nicht an Stimmen, die dem Unter-