Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 43 (2.6.1898)
- Date
- 1898-06-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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einstimmig beschlossen, Herrn Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein—Mosbach zu ersuchen, die Vorbereitungen für ein derartiges Werk alsbald in Angriff zu nehmen. Zu diesem Zwecke wird derselbe in die Litteratur-Commisston cooptirt und außer ihm an Stelle eines ausgeschiedenen Mitgliedes Herr Stiftsrabbiner Dr. Unna— Mannheim gewählt. Hinsichtlich des Antrages Feilchenfeld einigt sich die Versammlung, nachdem sämmtliche Redner die Dringlichkeit betont hatten, dahin, den Mitgliedern der Vereinigung zu empfehlen, wenn angängig, Bade-Restaurants, die in ihrem Bezirke sich befinden, zu beaufsichtigen. — Zu sehr eingehenden, theilweise lebhaft erregten Debatten führt die Berathung des Antrages Petuchowski, schließlich ergab sich Uebereinstimmung in dem Sinne, daß eine allgemeingiltige Formulirung hier durchaus unmöglich und unstatthaft sei, es vielmehr der genaueren Prüfung jedes Einzelfalles Vorbehalten bleiben müsse, zu entscheiden, ob überhaupt und wieeventl. der betreffende Vertrag zu schließen sei. — Inzwischen mar der späte Abend herangekommen und die Verhandlungen wurden abgebrochen, um der gastfreundlichen Einladung des Vorstandes der Israelitischen Religionsgesellschaft zu einem Abendessen im Restaurant Marx Folge zu leisten. Die gehobene, feierliche Stimmung des Tageswerkes kam auch in den Reden, die das Mahl begleiteten, zum Ausdruck. Herr Restaurateur Marx rechtfertigte den ihm vorausgegangenen Ruf in Bezug auf die Vorzüglichkeit seiner Küche in hohem Grade, die Firma Hugo Bondi u. Cie. überraschte die Gäste mit auserlesenen Proben ihrer Weine und Champagner. Am Dienstag begannen die Berathungen um 9 Uhr morgens mit der Verlesung des Protokolls der ersten Sitzung. Eine Anfrage des Herrn Rabbiners Dr. Goitein—Burgknndstadt giebt Gelegenheit zu der Feststellung, daß auch bei den sogenannten feinen Chokoladenmassen die Befürchtung, daß Fettzusätze erfolgen, nicht abzuweisen sei, wie überhaupt die fortschreitende Technik der Lebensmittel-Verfälschung allenthalben gesteigerte Vorsicht erfordere. Sodann begründete Herr Dr. Hirsch Hild es hei m er—Berlin in eingehender Darlegung den von ihm gestellten Antrag unter Hinweis auf die Gefahren, welche die moderne Bibelkritik, zumal für die studirende Jugend habe. Nachdem Herr Dr. D. Hoffmann über Art und Tendenz seines Commentars interessante Mittheilungen gemacht, wurde mit Stimmeneinhelligkeit eine Resolution angenommen, welche Herrn Dr. Hoffmann ersucht, die von ihm im Rabbiner-Seminar gehaltenen pentateuch-exegetischen Vorlesungen zu einem fortlaufenden Commentar auszuarbeiten. An die Mitglieder der Vereinigung geht die Bitte, zunächst für die Kosten der Drucklegung dieses Werkes und dann für seine Verbreitung nach Kräften zu sorgen. Aus den weiteren Berathungen sei noch der Antrag Biberfeld! hervorgehoben, welcher die Aufmerksamkeit der Vereinigung aus den infolge der Maßregeln der Preußischen Regierung gegen die Anstellung ausländischer Cultnsbeamten drohenden Mangel am Schochtim hinlenkt. Es wird beschlossen, die Leiter der Lehrerseminarien zu Würz bürg und Cöln zu ersuchen, der Ausbildung der Lehrer in der Schechita erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Herr Dr. Hirsch Hildesheimer besprach die am Niederrhein zu Tage tretenden Beschränkungen der Schechita und empfahl, rechtzeitig der drohenden Gefahr zu begegnen. Der Vorsitzende bemerkt, daß die Schechita- Angelegenheit Sache des gesammten deutschen Rabbinerstandes sei, und daß zudem erst zuverlässigere Informationen an Ort und Stelle eingeholt werden müssen, bevor irgendwelche Schritte geschehen. Namens des „Vereins zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit (Schomre Schabbos)" ergreift der als Gast anwesende Redakteur des „Israelit", Herr Oscar Lehmann—Mainz das Wort zu einem warmen Appell an die Herren Rabbiner, für die Interessen dieses wackeren Vereins einzutreten. Damit hatten die inhaltreichen, hochwichtigen Verhandlungen ihr Ende erreicht. Der Vorsitzende verabschiedete sich mit warnten DankeswoUen von den Teilnehmern der Berathungen und faßt deren Ergebniß in dem Ausdruck zuversichtlicher Ueberzeuguug zusammen, daß die segensreichen Wirkungen der Berathungen und der Beschlüsse sich in der Erhaltung und Kräftigung echtjüdischen Lebens bemerkbar machen würden. Herzliche Dankesworte L ö w e n st e i n 's an den Vorsitzenden und die Leiter der Vereinigung, Bieberfeld's an den Rabbiner und den Vorstand der Israelit. Religionsgesellschaft, eine Erwiederung Bondi's und eine Ansprache, worin Horovitz Wünsche für zukünftige Versammlungen ausdrückte, bildeten den Beschluß der arbeitsreichen Tagung. Die Feststellung von Zeit und Ort der nächsten Jahres-Vers linmlung wurde dem Vorstande überlassen. X. Berlin, 26. Mai. Die Übertragung des Parochialsystems auf die Berliner jüdische Gemeinde ist in deren Repräsentantencollegium beantragt worden. Danach soll die gesammte hiesige Gemeinde in fünf Synagogenbezirke eingetheilt werden: I. umfassend die Stadttheile Alt-Berlin und Alt-Cölln, II. Stralauer- und Königsviertel, III. Dorotheenstadt, Spandauerviertel, Oranienburger Vorstadt und Friedrich Wilhelmstadt, IV. Fx^d^ch-Zgex^^ Ren- Cölln, Frieorichstaüt und Louisenstadt diesseits des Canals endlich V. untere und obere Fciedrich-Borstadt, Schöneberger und Tempelhofer-Borstadt. Jeoer Synagogenbezirk steht unter Leitung eines besonderen aus 15 Mitgliedern bestehenden Vorstandes, der nach einem, von den Repräsentanten zu bestimmenden Modus gewählt wird. Dem Vorstand stehen die Bestimmung über den Cultus in den Synagogen, die Wahl des