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Der Israelit · 1898-06-02 · Heft 43 (2.6.1898) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 43 (2.6.1898)
Date
1898-06-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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79Ö Übungen schrieb, persönlich nach B.rlin gefahren, um dort mit der Kraft des mündlichen Wortes, des Vaterwortes, auf den Sohn einzuwirken! Jetzt war es zu spät! Und wie er so weiter grübelte, kam er allmählich auch auf die erste Quelle, aus der jetzt dieses entsetzliche Unheil geflossen. Und er erkannte als diese Quelle seine und seiner Frau Hineigung zu nichtjüdischem Verkehr. In dieser Nacht, wo sein aufgeregtes Gemüth nach einem festen Halt suchte, lebte er seinen ganzen bisherigen Lebensgang noch einmal durch. Er erkannte des Sohnes Tod als eine Schickung Gottes, als eine gerechte Strafe für die Verirrung, in der er mit Vorliebe in nichtjüdischen Kreisen verkehrt hatte. Es war wie Ursache und Wirkung. Die Kinder hatten ja nie im Umgang mit ihren Stammesgenossen jenes innige Gefühl der Zusammengehörigkeit in sich gefestigt, aus der oie Milde der Sinnesart, wie sie in der Natur des jüdischen Gemüths liegt, hervorquillt. Die gemeinsamen Leiden, welche die anderen zusammenführten, blieben ihnen fremd, unjüdische Anschauungen, unjüdischeS Fühlen und Denken bemächtigte sich ihrer, und da nun einmal seit allen Zeiten echt jüdische Anschauungen, echt jüdisches Denken gleichbedeutend war mit edler Anschauung, menschenfreundlichem Denken, so entbehrten sie jenes natürlichen Schutzwalles gegen alles Unreelle und Gemeine, der ein echtes, jüdisches Herz umgiebt. So konnte, so mußte es kommen, daß Ludwig sich auch als Student unchristliche Genossen hielt, ihre Art in sich ausnahm und mit ihr den Wahn, es könne in einem Ehrenhandel der Kampf mit der Waffe entscheiden. So mußte es kommen, so war es gekommen mit der schrecklichsten, äußersten Konsequenz, die überhaupt möglich war. Es war für den Justizrath eine Nacht ernster Selbstprüfung, diese Reisenacht. Und indem die Bilder seines Lebens an ihm vorüberzogen, tauchte auch — seit langer, langer Zeit zum ersten Mal — das Gedächtniß an Julius Hohenthal in ihm auf. Oder ob es eine jener Vorahnungen war, die den Menschen zuweilen heimsuchen, die dem Justizrath das Bild des Jugendfreundes gerade in den Stunden vorführte, wo der Zufall ihrer Beiden Schicksale auf's Neue verknüpft hatte? Der Justizrath wußte genau, daß Hohenthal Landgerichtsrath in Berlin war. Er hatte seine Ernennung seiner Zeit zufällig in einem Fachblatt gelesen Wie es ihm nur ergehen mochte? Gewiß, den Weg der Carrisre hatte ihm die Taufe glänzend eröffnet. Wer weiß, wohin er's noch bringen kann, möglicherweise gar in's Ministerium! Und wie er wohl in seinem Innern zu jenem in der Jugend begangenen Schritt heute sich stellte? Der Justizrath verglich unwillkürlich. Ach, Hohenthal ist gewiß glücklich, lebt gewiß ein sorgloses Leben, und wenn er Kinder hat, sind sie gewiß sein Stolz und bringen ihm Freude —■ ihm, der doch seinem inneren Leben einen unauslöschlichen Schandfleck aufgedrückt.- Und er, Emil Schlesinger, der sich damals voll Erbitterung und voll tiefen Leids von dem unverbesserlichen, verirrten Freunde hinweggewendet, er hat jetzt seinen einzigen Sohn verloren. -Der Jammer übermannte ihn aufs Neue und er begann bitterlich zu weinen- Endlich flog der Zug an den Vororten von Berlin vorüber und fuhr am frühen Morgen in die Halle des Potsdamer Bahnhofs ein. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wtcheitlieh iw*lmal, flontags und Donnerstags, jedesmal in mindestens -«ei Bose». Preis pro Vierteljahr bei der Post S Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder «iettelMrlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch «. $. Ktriuacker, Letpsis, Dohpiatz 16. — Inserate 25 Pfennig die 4 soaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis ber Zeile im Reelametbnl 75 Pfennig. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 ReichS-Matt oder S ff. Ssterr., für'» Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franeo einzusenden. Eine 9tft*f#«»u«4 vor «fl dis UsbaBip» eingesandte« «annseripten ftndot nicht statt, man bittet deshalb, stch da« ave« Einsendnn-en eine vopte zurüSzubehalten. Inhalt (Hauptblatt). Leitender Artikel: Die mündliche Lehre. Von Simon Frankfurter in Wesel. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Bad Kissingen. Magdeburg. Beutben. Von der russischen Grenze. Ocsterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. Lemberg. Rußland: Kowno. Afrika: Tunis. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Väter Schuld. Erzählung aus der Gegenwart. Von Arnold Mann. (Forsetzung.) Anstatt der erste« Beilage r Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Offenburg. Aus Süddeutschland. Frankreich: Paris. Palästina: Port Said. Jerusalem. — Vermischtes. Inhalt der zweite« Beilager Bäder u. Sommerfrischen: Aus der westlichen Oberpfalz. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Rußland: Lodz. — Vermischtes. Inhalt der Pädagogischen Beilage r Verein der jüd. Lehrer in Rheinland und Westfalen. Zwölfte Konferenz der Bezirke 2 und 3 des Vereins. — Aus Stadt und Land: Oettingen. Extra-Beilagen r Sprüche der Väter. — Prospectus der Firma R. von Hün^rsdorff Nachf., Stuttgart. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu fünf Beilagen.

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