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Der Israelit · 1898-06-02 · Heft 43 (2.6.1898) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 43 (2.6.1898)
Date
1898-06-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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in der Stadt S l u tz k y (Minsker Gouvernement) und Ost rin (Wilnaer Gouv.) und Most (Grodnoer Gouv.) schreckliche Feuersbrünste aus. Das ungestüme Element verursachte ungeheuren Schaden, indem es in Slutzky mehr als 400 Häuser dahinraffte und beinahe 1000 Familien obdachlos ließ, in Ostrin ungefähr 100 und in Most 30 Häuser in Asche verwandelte. Um diese Noth einigermaßen zu lindern, ist große und schleunige Hilfe erforderlich. Die kritische Lage dieser Abgebrannten verpflichtet mich auch Sie, geehrter Herr, davon in Kenntniß zu setzen, in der Hoffnung, daß Sie Ihr Möglichstes anwenden werden, dieser äußersten Noth beizustehen. (Wir glauben, daß es nur der Wiedergabe dieses Schreibens bedarf, um die stets offene Hand unserer Glaubensgenossen auch hier bereit zu finden, ihre Gaben helfend und rettend über die Unglücklichen auszustreuen. Spenden werden wie gewöhnlich auch durch unsere Geschäftsstelle befördert. Red. d. Jsr.) A f r i k ü. A. Tunis. (Araber und Juden.) Nächst den Arabern und Mohammedanern andern Stammes bilden die Juden den stärksten Bestandtheil der tunesischen Bevölkerung, ihre Zahl beträgt etwa die Hälfte derjenigen der Mohammedaner, ist aber der Zahl der eingewanderten Europäer ungefähr gleich. Nach älteren Angaben sollen auf 150 000 Einwohner etwa 40 000 einheimische Juden gekommen sein; diese Ziffern dürften jedoch heute schon erheblich überholt sein. Im Straßenleben fällt das jüdische Element indessen wenig auf, sowohl weil der Gesichtstypus von dem arabischen nicht wesentlich verschieden ist, als weil die Tracht für das ungewöhnte Auge des Fremden wenigstens keine besonder» Unterscheidungsmerkmale bietet. Die meisten einheimischen Juden kleiden sich orientalisch, und nur ein genauerer Kenner des tunesischen Lebens könnte wohl nach Farbe und Schnitt der Gewänder den Juden aus der bunten Menge herausfinden. Die jüdischen Frauen natürlich verleugnen sich auch in der äußern Erscheinung nicht; sie zeichnen sich vor der weiblichen Welt des Islams dadurch aus, daß sie unverschleiert gehen und dem neugierigen Fremden dadurch oft den Anblick hervorragend schöner Gesichtsbildung gönnen. Auch in der Bedeckung des Kopfes weicht ihre Tracht meist von der arabischen ab, da sie eine zuckerhutförmige kostbar gestickte Haube tragen, über welche der weiße, den ganzen Körper einhüllende Schleier herabwallt. Da wir gerade zur Zeit des Passafestes in Tunis weilten, so hatten wir das Glück, zahlreiche Judenfrauen in Festtracht zu sehen, die Kinder meist in kurzen, rothen Samtjacken mit Schwanenpelzbesatz und der weißen Pluderhose darunter, die Erwachsenen vielfach in kostbaren gelben Seidengewändern. Ueber die Beziehungen der jüdischen zur mohammedanischen Bevölkerung konnte man nach den Unruhen, die Ende März in Algier und Tunis stattgefunden haben, zu Vorstellungen gelangen, die der Wirklichkeit nicht entsprechen. Eine antisemitische Bewegung oder auch nur Stimmung scheint vielmehr in Tunis nicht vorhanden zu sein, und die zeitliche Aufeinanderfolge der Unordnungen in Algier und Tunis dürfte ganz zufällig gewesen sein. Wenigstens haben wir in Tunis von verschiedenen weiten, auch von arabischer, die Vorfälle folgendermaßen darstellen hören. Auf dem im arabischen Stadttheil gelegenen Platz Halfa- Quin gerieth ein Jude mit einem Araber aus persönlichen Gründen in Streit und gab ihm einen Stoß, worauf dieser ihn und einen andern Juden mit Messerstichen verwundete. Der Thäter flüchtete sich alsdann in die nächste Moschee, wurde dorthin von Juden verfolgt, die ihren Zorn auch an den islamitischen Heiligthümern ausließen, und daraus entwickelte sich eine zweite umfangreiche Schlägerei, bei welcher es wieder ein paar Verwundete gab. Nachdem die Araber ihr Mütchen an den jüdischen Moscheeschändern gekühlt hatten, war die Ruhe wieder hergestellt, und man bemerkte während unseres Aufenthalts, eine Woche nach dem Zusammenstoß, nichts mehr von den Nachwehen. Zur Beurtheilung dieser Vorgänge muß man sich gewärtig halten, daß das Betreten der Moscheen keinen Andersgläubigen gestattet ist. Vermischtes Elbiug Unser früherer Mitbürger, Herr Jakob Litten, welcher jetzt seinen ständigen Wohnsitz in Berlin hatt, feierte in Wiesbaden seinen 80 Geburtstag. Aus Anlaß dieser Feier hat Herr Jakob Litten der hicstgen Synagogen - Gemeinde 10 000 Mk. überwiesen und zugleich bestimmt, daß diese Stiftung den Namen „Elias Jacobi- und Litten-Stistung" führen soll. vbermarSberg in Wests. Trotz der Anzeigen bei den städtischen und Kirchlichen Behörden gehen die Zerstörer immer wieder von Neuem an ihr trauriges Handwerk. In jüngster Zeit waren mehrere neuere Grabdenkmäler die Angriffsobjekte. Vermittelst schwerer Hämmer wurden, wie der Augenschein zeigt, die Sandsteinblöcke ihrer Verzierungen beraubt. Auch sind große Stücke aus der Mitte der Steine herausgehauen worden, so daß einige Monumente wohl bald Umstürzen werden. Drohodycz. (Grundsteinlegung.) Hierselbst fand iu feierlicher Weise die Grundsteinlegung zu dem israelitischen Krankenhause statt, welches der Großindustrielle und Bergwerksbesitzer Herr Moses Gartenbera aus Anlaß des Kaiserjubiläums für unsere Gemeinde stiftete. In der Stadt hat diese Stiftung allgemeine freudige Erregung hervorgerufen, zumal ein Spital seit Jahren zu den dringensten Bedürfnissen unserer Gemeinde zählt. Herr Gartevberg hatte bekanntlich auch aus Anlaß des vierzigjährigen Regierungsjubiläums hunderttausend Gulden für ein AltersversorgungShaus gespendet, welches nunmehr einen der vornehmsten Plätze unserer Stadt ziert.

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