Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 39 (1898)
- Issue
- Heft 43 (2.6.1898)
- Date
- 1898-06-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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787 begab sich mit der Ortsbehörde in das Pollak'sche Haus, ließ dort eine Durchsuchung vornehmen und sogar im Keller nach Menschenknochen nachgraben. Man fand jedoch dort keine, wohl aber in einem Zimmer; und zwar waren es wohlpräparirte Menschenknochen mit lateinischer Bezeichnung, wie sie von jungen Medizinern auf den Anatomien selbst präparirt werden. Diese Aufklärung war um so sicherer, als der Sohn des Herrn Pollak sich kürzlich als Arzt in einer sächsischen Stadt niederließ und dort noch lebt. Außerdem tragen die aufgefundenen Knochen den Namen des damaligen stud. med. Pollak nebst Bezeichnung der Universität und Aufgabe des Semesters. Dieses Resultat hat man in der Verölkerung kaum erwartet und man war begreiflicherweise darüber sehr enttäuscht, da damit dem Irrglauben jede Unterlage entzogen war. A. Bo« -er russische« Grenze, 30. Mai. Die Auswanderung der russischen Juden aus Rußland ist auch in diesem Frühjahre eine sehr starke. Die Juden hofften unter dem jetzigen Zaren weniger zur Auswanderung gezwungen zu werden, da mehrere von ihnen zu Anfang seiner Regierungszeit an das Ministerium gerichtete Gesuche um Erleichterung ihrer Lebensbedingungen ein geneigtes Ohr zu finden schienen. Die Gesetzgebung ist indessen bis jetzt noch mit keinen Vorschlägen in dieser Beziehung hervorgetreten, und so erscheint denn einer großen Zahl Juden Amerika noch immer als das Land, wo ihrer zur Sicherung ihrer Existenz zwar harte Arbeit wartet, wo sie sich aber des erworbenen Besitzes in Ruhe erfreuen können. Uebrigens hat sich in letzter Zeit herausgestellt, daß auch besser gestellte Juden Rußland den Rücken kehren. O esterr.- Ungar. Monarchie. R. Budapest Im Lause der Debatte über die Ergänzung der Seelsorgerbezüge haben es die Abgeordneten Saghy und Polonyi für gut befunden, heftige Angriffe gegen die Judenschaft vorzubringen. Der Abgeordnete Moriz Mezei, welcher in einem vom ganzen Hause mit verdienter Aufmerksamkeit angebörten Vortrag seine Ansichten über diese Neuerung würdig und objektiv darlegte, ohne aber „vom Standpunkte der besonderen Interessen der jüdischen Konfession" zu sprechen, ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, jenen intoleranten Gesetzgebern gegenüber, welche sich darüber entrüsteten, daß in den Rahmen der Vorlage auch die Rabbiner einbezogen wurden, in überzeugender Weise nachzuweisen, wie ungerecht es wäre, diese grundsätzlich von den Wohlthaten des Gesetzes auszuschließen, und wie nichtig die Vorwände sind, welche für diese Ausschließung ins Treffen geführt wurden. Denn ebenso wenig wie der Patriotismus der Juden angezweifelt werden kann, ebenso unrichtig ist die Behauptung, als besäßen sie keine Organisation, und als ständen sie den Kultusbestrebungen der ungarischen Nation indifferent gegenüber. Die vaterländische Judenheit nimmt sich immer und überall ihr Antheil an der Förderung des nationalen Staates heraus, und in gewissen Theilen sind die Juden die kräftigsten Stützen der kulturellen Entwickelung. Ihr uneigennütziges Wirken charakterisirt ja auch der Umstand, daß sie von der Vorlage keinerlei Vortheile zu erwarten haben. Die Ziffer, welche in der Motivirung des Gesetzentwurfes bezüglich der Juden angegeben ist, irrt vielleicht um eine ganze Million. Die finanziellen Vortheile sind minimal. Wenn von allen Seiten über die hohen kirchlichen Abgaben geklagt wird, hätte wohl die israelitische Konfession, bei welcher die Kultussteuer die höchste ist, gleichfalls in das allgemeine Klagelied einstimmen können. Der Gesetzentwurf habe für die Juden darum große Bedeutung, weil er ihnen die gleiche Behandlung angedeihen läßt wie den anderen rezipirten Konfessionen. Die Rede Mezeis wurde mit großem Beifall aufgenommen. V. Lemberg. In der für die Juden Galiziens so wichtigen Angelegenheit der Gründung eines Seminars zur Heranbildung jüdischer Religionslehrer ist eine wichtige Entscheidung des Kultusministeriums ergangen. Auf Antrag des Landesausschusses erklärte sich der Landtag für die Kreirung einer oder zweier Professuren für jüdischen Religionsunterricht am k. k. Lehrerseminar. Da« Unterrichtsministerium ist jedoch anderer Meinung und hält die Gründung eines besonderen ReligionSlehrer-SeminarS für geeigneter. Mit Berufung auf das Gesetz erklärt aber das Ministerium die Gründung einer solchen Anstalt als Sache der betreffenden Religionsgenossenschast, verspricht jedoch, unter Wahrung des staatlichen Aufsichtsrechtes, der zu gründenden Schule eine bis zum vierten Theile der Kosten reichende Subvention. Das Ministerium hat sich aber auch bereit erklärt, den jüdischen Religionsunterricht im gesetzlichen Ausmaß an dem k. k. Lehrerseminar in Lemberg schon jetzt für alle jüdischen Zöglinge als obligat zu erklären und für diesen Unterricht eine Lehrkraft zu bestellen, der zur Ausfüllung des gesetzlich vorgeschriebenen Stundenmaßes auch der Religionsunterricht an einer der Mittelschulen überwiesen werden soll. Auf diese Weise soll dem höheren Unterricht in dem Religionslehrer-Seminar vorgearbeitet werden. — Rußland. Kowiw, 26. Mai. Von Herrn Rabb. Hirsch Rabinowitz "i, Sohn des Rabbi Jizchak Elchanan Verhalten wir folgende Zuschrift: Vor Kurzem brachen