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Der Israelit · 1898-06-02 · Heft 43 (2.6.1898) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 43 (2.6.1898)
Date
1898-06-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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;• ^a^ywgi^.-^r" 785 gern betitelt hören, vernommen, der Talmud sei antiquirt und die Gesetze der mündlichen Lehre seien nicht mehr zettgemäß und nicht mehr bindend, denn die Tradition sei fortlaufend, da» heißt! nach ihrer (der Herren) Auslegung veränderlich und dem Befinden der jeweiligen „Seelenhirten" unterworfen, allerdings ein seltsamer Contrast zu den Worten der Thora orurm onx pi ui Vx x*> '2 „denn Gott ist kein Mensch, daß er löge, oder eines Menschen Sohn, daß er bereue." Denn wie Gott selbst, muß auch seine Lehre ewig dieselbe und unveränderlich bleiben. Wahrlich der heidnische Seher Bileam, der diese Worte gesprochen, halte mehr Erkenntniß von dem erhabenen Wesen Gottes, als diese Söhne unseres Volkes, welche sich Gott und feine Lehre so menschenartig denken und modeln. — Mil der Zeil nun ist der Boden des Judenthums durch solche Irrlehren derartig unterwühlt worden, daß selbst viele, oder vielleicht leider wohl die Meisten, die unserm Glauben noch anhangen und ihn werth halten, durch die mangelhafte Unterweisung, die ihnen zutheil geworden ist, nicht wisien, welche Bewandtniß es mit der mündlich überlieferten Lehre, dem Talmud hat. Sie sind sich desien nicht bewußt, daß eben jene es ist, welche unser ganzes religiöses Leben beeinflußt und unser ganzes jüdisches Leben durchtränkt und belebt. Sie wisien nicht, daß grade die mündliche Lehre die Ausführung des Grundgesetzes und die Richtschnur ist, ohne welche das Judenthum nicht allein nicht existiren kann, sondern das ganze Religionsgebäude in ein Nichts zusammenfallen würde. Hierüber aber eine Betrachtung anzustellen, dürfte wohl zeit- und sachgemäß erscheinen, und dies soll der eigentliche Zweck dieser Abhandlung sein. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. D. Berlin, 30. Mai. Ueber Zurückweisungen jüdischer Mädchen in dem Lehrerinnenseminar der kgl. Auguftaschule hatte sich der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens beim kgl. Provinzialschulcollegium beschwert. Dasielbe hat darauf folgenden Bescheid erlheilt: Die Aufnahme eines Kindes in der königlichen Augustaschule oder eines jungen Mädchens im königlichen Lehrerinnenseminar ist prinzipiell von der Religion beziehungsweise Confession desselben vollständig unabhängig. In beiden Anstalten sind daher wie bisher auch in diesem Jahre Kinder, beziehungsweise junge Damen jüdischen Glauben» ausgenommen worden. Wenn ein jüdische» Kind zurückgewiesen worden ist, so ist e» entweder nicht rechtzeitig angemeldet worden, oder die Clasie, in welche e» eintreten wollte, hatte keinen Platz mehr. Wa» in der Versammlung de» Verein» deutscher Staatsbürger jüdischen Glauben» über die in Rede stehende Frage mitgetheilt worden ist, beruht also auf einem Mißverständniß." (Dieser Verein sollte sich vorher besser informiren, ehe er Klagen in die große Welt hinausposaunt. Red.) X. Berlin, 31. Mai. Der eben erschienene 6b. Jahresbericht der unter dem Protectorat der Kaiserin Friedrich stehenden Baruch Auerbach'schen Waisenerziehungs-Anstalten enthält im ersten Theil eine durch Abbildungen veranschaulichte Beschreibung ihre» stattlichen Neubau» an der Schönhauser Allee. Die bei der Einweihung am 3. October v. I. von dem Direktor Dr. Strelitz gehaltene, jetzt gedruckt vorliegende Festrede stellt die segensreiche Entwickelung der im Jahre 1833 mit vier Zöglingen begründeten Anstalt, ihre Leistungen und ihre Aufgabe dar. So manchen Baustein auch die Nächstenliebe zu dem neuen schönen Heim beigetragen hat, so ist doch noch ein beträchtlicher Theil der Baukosten zu decken, und eine Vermehrung der Zöglingsftellen ist nicht ohne Erhöhung der jährlichen Einnahmen möglich. Im Berichtsjahre erzogen die Anstalten 51 Knaben und 27 Mädchen, welche den Unterricht größtentheil» in höheren Schulen genosien. Besonders begabte Knaben bleiben in der Regel bis zur Abgangsprüfung, die Mädchen in der Regel bis zur erlangten Erwerbsfähigkeit im Hause. Der weit reichenden Fürsorge für die entlassenen Zöglinge, welche besonder» wirksam bei ihrer Selbstständigmachung oder Verheiratung eintritt, dient eine größere Anzahl von besonders verwalteten Stiftungen. Für die Bestreitung ihrer Bedürfnisse, welche einschließlich Gottesdienst, Bureau, Renten, Stipendien u. a. Zuschüsse 71,615.79 Mark betragen haben, davon zur Verpflegung 17,524.32 Mark, d. h. für den Kopf und Tag 51*/, Pf/ sind die Anstalten auf die Zinsen ihres Vermögens im Betrage von circa 47,000 Mark, auf 90/5 Mark Jahresbeiträge und auf sonstige Zuwendungen ihrer Freunde und Gönner angewiesen. Den Vorstand bilden neben dem Direktor die Herren Berthold Marckwald, Commerzienrvth E. Lohnstein, Generalconsul Eugen Landau, Professor Dr. Felix Lwbermann, Hermann N. Israel und Commerzienrath Jsivor Loewe. Ehrenmütter sind Frau Recha Marckwald und Frau Dr. Cäcilie Liebermann. LR. Berlin, im Mai. Mit großer Genugthuung geben wir unserem Leserkreis von der Neueinrichtung einer Heilanstalt für Geistes- und Nervenkranke mit rituell jüdischer Verpflegung Kenntniß. Nachdem ftaatlicherseits mit Recht dafür Sorge ge-

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