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Der Israelit · 1898-09-20 · Heft 74 (20.9.1898) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
39 (1898)
Issue
Heft 74 (20.9.1898)
Date
1898-09-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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.> iprwpp vf*7* ^r-r^t^VT ‘ 1391 bin Gästen nach dem Zweck ihrer weiten Reise und händiate ihnen gleichfalls eine Geldspende ein. W. Jasto (Galizien), 11. Scpt. Hier wurde in dem Strafprozeß gegen die antisemitischen Bauern von Fryszttak das Urtheil gefällt. Achtzehn Bauern wurden zu Gefängnißstrafen von einem bis neun Monaten verurtheilt. Der Ortsvorsteher Miras erhielt ein Jahr schweren Kerker. In Neusandez sind ebenfalls wegen antisemitischer Tumulte zwei Angeklagte verurtheilt worden lieber einen von ihnen wurde eine Kerkerstrafe von drei Jahren verhängt. § Oldenburg, 28. August. (Esterhazy ein I u d e n f r e u n d.) Gestern wurde im benachbarten Städtchen Eisenstadt der dortige Gutsbesitzer Fürst Paul Esterhazy zu Grabe getragen. Die Esterhazy's gehören bekanntlich zu den hervorragendsten Adelsgeschlechtern nicht nur der österreichischungarischen Monarchie, sondern Europas überhaupt, und der Verstorbene war sogar mit dem österreichischen Kaiserhause verwandt. Aber auch als Judenfceunde haben sich die Esterhazy's bekannt gemacht, und einer ihrer Ahnen hat die sogenannten n^np ys» (sieben (Sultütyemein'Den) gegründet, indem er den aus Oesterreich vertriebenen Juden gestattete, sich in den ihm gehörenden sieben Ortschaften: Eisenstadt, Mallersdorf, Lackeubach, Kobersdorf, Fünfkirchen, Kittsee und Kreuz (cbx) anzusiedeln, wo er ihnen eigene Viertel einräumle, die sie noch heute bewohnen. Eine jüdische Sage laßt die Esterhazy's von der Königin Esther abstammen — Haza oder Hazy bedeutet im Ungarischen ein Haus — aber dies ist nur eine Sage, denn in Wirklichkeit stammen die Esterhazy's von Estoraz, einem Enkel des Hunnenkönigs Attila, ab. Frankreich. h. Paris. (V o m Antisemitismus in Frankreich.) Die erste Nummer des neuen Antisemitenblattes „LÄntijuif" ist hier erschienen. Auf den ersten Blick sieht man, daß man es mit einem Agitationsblatt zu thun hat, wo allerdings der für Frankreich erstaunlich billige Abonnementspreis von Cents pro Monat die beste Propaganda machen wird. Jules Guerin, der Chefredakteur, leistet sich bereits in der ersten Nummer prächtige Artikel wie „Israel bei uns", ,/Namen, Stellungen und Adressen französischer Juden", „Unter dem Joche der Juden", „Jüdische Mörder" :c. :c. Leider sind die Mehrzahl der freiwilligen Mitarbeiter jüngere Vicare auf dem Lande, die sich freuen, dem „jüdischen Pack" eins aufhängen zu können. — Anläßlich des Gedenktages der Schlacht bei Mars la Tour vom 16. August 1870 hat es sich Bischof Tunisaz von Nancy nicht länger versagen können, seine Bruder- und Nächstenliebe forderndes Hirtenamt gründlich mit Füßen zu treten. Unter dem zustimmenden Applaus des Publikums zog der Bischof gegen die Juden los und freute sich jedesmal, wenn den Kraftstellen seiner Rede ein tausendstimmiges ,,ä bas les juifs, ä bas les cochons etc“ folgte. Traurige That für einen katholischen Bischof. — In Rouen, einer Hochburg des Antisemitismus, feiert die freie Gesittung und Ehrenhaftigkeit, deren sich die Antisemiten bei jeder Gelegenheit rühmen, große Triumphe. Eingeworfene Fensterscheiben in jüdischen Häusern und Verkaufsräumen, obscöne, das jüdische Familienleben beschimpfende Kreidesudeleien an den Häusern, Unverschämtheiten aller Art, denen insbesondere israelitische Damen ausgesetzt sind, geben Zeugniß von diesem traurigen Triumphe. England.? London. Dienstag den 5. August verließen 15 jüdische Familien mit 70 Seelen London, um sich nach der neuen jüdischen Colonie in Cypern zu begeben. Die Geschichte dieser Colonie ist interessant genug, um bei dieser Gelegenheit ausführlicher geschildert zu werden. Im Jahre 1890 wurde in London der Verein Ahawath Zion gegründet, mit dem Zweck in Palästina Land zu kaufen, auf dem sich die Mitglieder des Vereins dann niederlassen wollten. Die zu diesem Zweck unternommenen Verhandlungen scheiterten aber und im Jahre 1895 beschloß der Verein in Cypern Land zu kaufen. Die Mitgliederzahl belief sich damals auf 100, von denen jedes wöchentlich 2 M. 50 Pf. beitragen mußte, und zwar sollte der Gesammtbeitrag jedes Mitgliedes 1000 M. betragen. In diesem Jahre kauften die Herren Kristal und Foos 14,000 Dunam Landes für den Preis von 45,000 M. Zur Uebernahme des Landes sandte die Gesellschaft zwei Mitglieder Milftein und Bender nach Cypern, deren Bericht aber so ungünstig lautete, daß von 100 Theilnehmern des Vereins 90 ausschieden. Indessen, es waren bereits 34,000 M. bezahlt, und um dies Kapital nicht ganz verfallen zu lassen, entschloß man sich im Januar 1896 die Bewegung wieder aufzunehmen. Es gelang dann auch die Mitgliederzahl auf 50 zu erhöhen und die Jewish-Colonisatiou- Association zu interessiren, welche schließlich ein Darlehen von 80,000 M. bewilligte. Außerdem engagirte diese Gesellschaft einen Schüler von Mikweh, Namens Jfaac Adler für zwei Jahre auf eigene Kosten als landwirthschaftlichen Berather für die Kolonie. Auch Lehrer und Schächter werden in dieser Zeit aus Kosten der Administration erhalten. Die Verwaltung der Kolonie werden autonom sein, die angesiedelten Familien wählen sich selbst ihren Scheich, der gemeinsam mit Adler die Administration der Kolonie

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